Körperschmuck mit Kugelbauch
Tattoos und Piercing in der Schwangerschaft
Sexy Tattoos knapp über dem Hosenbund, Bauchnabel-Piercings und Intimrasuren sind längst keine Ausnahme mehr, sondern für viele Frauen Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Doch was, wenn ich schwanger bin? Verzieht sich das Tattoo? Muss das Piercing raus? Klappt rasieren mit Schwangerschafts-Bauch? Hier gibt es Antworten.
Tätowierungen: nach der Schwangerschaft reparaturbedürftig
Ein verantwortungsbewusster Tätowierer weist junge Frauen, die sich ein Tattoo in der Leiste oder auf dem Bauch wünschen, darauf hin, dass sie sich das noch einmal überlegen sollten, wenn sie Kinder bekommen wollen. Denn in den seltensten Fällen sehen die Motive an diesen Stellen nach einer Schwangerschaft genauso aus wie vorher. Tattoo-Künstler Maik Frey, der das Studio „Wilde 13 Tattoo“ in Esslingen betreibt, hat schon viele traurige tätowierte Mamas gesehen: „Aus einem kleinen Delfin wird bis zum neunten Monat ein gigantischer Wal und danach ein verzogener Delfin, dessen einstmals gerade Linien von den Unebenheiten der Schwangerschaftsstreifen durchbrochen sind.“ Schuld ist das schwache Bindegewebe der Frauen.
Verzogene Tattoos können durch Nach-Tätowieren repariert werden. „Das gibt ganz gute Ergebnisse, aber perfekt wird es nicht“, weiß Maik Frey, der auch als Pressesprecher des Deutsche Organisierte Tätowierer (DOT) e.V. tätig ist, und rät den betroffenen Frauen, unbedingt zu einem Tätowierer zu gehen, der Erfahrung mit Schwangerschaftsstreifen hat. „Bei einem kleinen Tribal kann man die Schnörkel insgesamt etwas breiter stechen, um die Unebenheiten einzufangen. Ein größeres Tattoo mitten auf dem Bauch muss man nach der Schwangerschaft meist komplett neu stechen.“ Die Kosten für die Reparatur können nicht pauschal beziffert werden, da sie von Größe, Aufwand und Körperstelle des Motivs abhängen.
"Arschgeweih" kann PDA unmöglich machen
Eine Vorwarnung ist auch bei umgangssprachlich „Arschgeweih“ genannten Tätowierungen angebracht, denn es kann passieren, dass sich der Anästhesist im Kreißsaal weigert, einer am unteren Rücken tätowierten Frau unter der Geburt eine PDA zu setzen. Wenn die Haut dort zu sehr verfärbt ist, kann er den Bereich zwischen den Lendenwirbeln vielleicht nicht exakt lokalisieren, in den er die Punktionsnadel stechen muss. Außerdem dürfen die Farbpigmente nicht in den empfindlichen Rückenmarkskanal in der Wirbelsäule gelangen, weil sie dort Schaden anrichten könnten.
Gelegentlich kommen Frauen ins „Wilde 13 Tattoo“-Studio, die bereits schwanger sind und sich tätowieren lassen möchten. Maik Frey tätowiert bis zum dritten Schwangerschaftsmonat, wenn sich die Frau in einem guten gesundheitlichen Allgemeinzustand befindet, danach nicht mehr. Der Gynäkologe Dr. Christian Albring aus Hannover hat grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden: „Die meisten meiner Kollegen sehen das heute nicht mehr so konservativ. Natürlich besteht immer das Risiko einer Infektion, aber dagegen kann die Frau nach Absprache mit dem Arzt auch in der Schwangerschaft bestimmte lokale oder systemische Antibiotika wie Penicillin einnehmen, die nicht durch den Mutterkuchen zum Fötus gelangen.“
Während der Schwangerschaft nur kleine Motive stechen - oder warten
Ein paar Bedingungen hat Dr. Albring aber doch: Während der Schwangerschaft sollten nur kleine Motive tätowiert werden, damit sich Schmerzen und Stress für Mutter und Kind in Grenzen halten und der Körper durch die Farbpartikel-Fremdkörper nicht zu sehr gereizt wird. Und es dürfen nur Farben benutzt werden, die laut der seit Mai 2009 geltenden Tätowiermittelverordnung mit ihren strengen Grenzwerten für Schwermetalle und andere Giftstoffe zugelassen sind. „Lassen Sie sich die Farben zeigen, notieren Sie sich den Hersteller und erfragen sie dort telefonisch, ob die Farben in der Schwangerschaft unbedenklich sind“, rät der Frauenarzt.
Wer auf Nummer sicher gehen und die erhöhte Komplikationsgefahr vermeiden will, wartet mit dem neuen Tattoo besser bis nach der Schwangerschaft – das wäre auch die Empfehlung des Gynäkologen. So manche Frau kommt jetzt auf die Idee, störende Schwangerschaftsstreifen, die auf dem Bauch zurückgeblieben sind, mit einem schönen Motiv zu überdecken. Grundsätzlich lassen sie sich tatsächlich ganz gut erst-tätowieren, doch Maik Frey vom DOT e.V. dämpft die Erwartungen: „Während schwangerschaftsbedingte Besenreiser oder Krampfadern an den Waden unter einem Tattoo wirklich nicht mehr zu sehen sind, werden die übertätowierten Narben in der Bauchhaut immer ein wenig glänzen und sich hervorwölben.“







