Neues von Baby Antonia

Mein freches Baby-Tagebuch (3)

Acht Monate ist die kleine Antonia inzwischen und lebt das Leben eines ganz normalen Baby-Mädchens: Karottenbrei, pinke Kleidchen, zwei extrem nervige Brüder und die ein oder andere Stunde in dem, was Erwachsene einen Laufstall nennen - dabei kann sie noch gar nicht laufen, aber Zeitungen essen.

Autor: Daniela Egert
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Ich bin das perfekte Kind

Baby-Tagebuch Antonia Teil drei
Foto: © Daniela Egert

Wie sagte schon der römische Satiriker Juvenal? „In einem gesunden Baby wohnt ein gesunder Geist“ - mens sana in lactenti sano! In diesem Sinne fühle ich mich meinen Eltern gegenüber als moralische Instanz verpflichtet. Bevor sie sich nachts zu nahe kommen können, rolle ich mich geschickt dazwischen. Schließlich haben sie schon ein perfektes Kind – damit meine ich natürlich mich, nicht meine grenzdebilen Brüder. Wozu brauchen die da noch Sex? Ich lasse dann einen jener süßen Gurrlaute hören, denen Erwachsene unmöglich widerstehen können. Aber Achtung, Baby: alles Berechnung.

Ich habe gehört, dass ein Oktopus neun Gehirne hat. Mein kleiner Bruder besitzt nicht mal eins. Der hat soviel Grips wie ein Einmachgummi! Vermutlich liegt das daran, dass der Große ihn immer als Dummy beim Verkehrsunfallspielen missbraucht. Manchmal scheuert Simon (5) dem armen Constantin (2) eine, dass dem die Windel runterfällt; gut, dass Mama meistens einschreitet. O Gott, ich glaube, die beiden spielen soeben in seltener Eintracht 'Tarzan'. Mich benutzen sie dabei als Liane, hechten mit einem Urschrei zu mir auf die Couch und hängen sich an mich dran.

Lesefutter nehme ich wörtlich: lecker!

Meine Mama meint, in Bezug auf mich dürfe man den Begriff „Lesefutter“ wörtlich nehmen. Wenn sie Zeitung liest, schnappe ich mir die Seiten und kaue genüsslich darauf herum.  Ich liebe den Wirtschaftsteil. Testen Sie mal, schmeckt gar nicht so übel! Paps lässt bevorzugt Goethe auf dem Wohnzimmertisch herumliegen, damit es so aussieht, als wäre er sehr gebildet. Habe ich auch schon probiert. Igitt! Umweltschutzpapier. Mama behauptet ja, Druckerschwärze sei schlecht für die Gesundheit. Und was ist mit den dreizehn Tassen Espresso, die sie täglich trinkt? Na bitte, jetzt sagt sie nichts mehr. Bediene ich mich eben weiter an der Tagespresse.

Auch was mein sonstiges Essen betrifft, haben Ma und ich zu einer Art Arbeitsteilung gefunden: Sie füttert mich mit Brei, und ich spucke ihn wieder aus. Dafür revanchiert sie sich auf ihre Weise. Wenn im Haus gerade Chaos herrscht, albert sie vor sich hin: „Das Baby hat mal wieder nicht aufgeräumt!!“ Sie findet das komisch, schließlich kann ich noch nicht mal richtig sitzen. Gestern war sie extra wütend, weil mein Papa sie „Milchkuh!“ genannt hat. Immer sachte, schließlich geht es bei diesem Punkt um mein kulinarisches Wohlergehen. Inzwischen hat sich mein Speiseplan in angenehmer Weise erweitert. Neben der Muttermilch gibt es jetzt Karotte, und das nicht mehr ausschließlich in Form von Saft. O.k., nur püriert, aber umso besser lassen sich damit ansprechende Muster auf meiner Hose und dem sündhaft teuren Pulli erzielen.
Mami findet die orangen Stellen auf den Textilien leider nicht so lustig und läuft bald so knallig an wie die Möhren, wenn sie wieder einen Fleck auf meinem Käthe-Kruse-Hemd findet. Die Käthe mitsamt der Kruse ist mir persönlich völlig unbekannt, aber Mama hat es furchtbar wichtig damit. Wehe, ein Besucher findet mich in dem gerüscht-geringelten Monstrum nicht sofort niedlich. Ein Wunder, dass man mich in den 15 Metern Blümchen-Stoff überhaupt findet. Huhu, hier bin ich!

Plötzlich heißt es: pretty in pink

Ma hat in Bezug auf meinen Dress-Code tatsächlich um 180 Grad die Richtung gewechselt – nix mehr mit dunkelblau, grau und anderen Jungs-Farben. Wurde auch Zeit, Picassos „blaue Phase“ (1901 – 1904) ging viel früher zu Ende. Meine Mutter befürchtet wohl, dass mir ein Pipimann nachwächst, wenn nicht mindestens 90 Prozent meiner Kleidung pink gefärbt ist. Die großen Leute sind entschieden sehr verwunderlich – ich glaub', ich bleibe lieber gleich ein Baby. Aber auch das hat so seine Tücken. Seit Wochen verfrachten sie mich in so eine Art Säuglingsverlies mit Stäben an allen Seiten. Sie nennen es Laufstall. Stall, als wäre ich ein Huhn! Ich sehe mich schon in einer Fernseh-Reportage mit dem Titel „Hinter Gittern - Alltag im Jugendknast“. Der Vorfilm heißt „Frauen in der Krise“ mit Mama in der Titelrolle. Im Zentrum ihrer Ängste und Sorgen: Ich! Wenn ich mich mal an meiner Milch verschlucke, glaubt sie, ich wäre hyperaktiv und googelt, ob es einen auf Babys spezialisierten Psychologen gibt. Am Ende stopft mir die Gute noch Ritalin ins Fläschchen oder sucht Hilfe bei der Heilsarmee.

Meine Probleme sind harmloser Natur

Dabei sind meine Probleme eher harmloser Natur. Neulich habe ich auf meiner linken Backe zwei Mückenstiche entdeckt. „Das sind Pickel!“, schrie mein zweijähriger Bruder; charmant wie ein Maultiertreiber. Der hat es schon mal geschafft, sich mit dem Hals in der Biege eines Schirmgriffs zu verfangen. Na ja, solange ihn bei Regen keiner hinter sich herschleift… Vorhin hat er im Bad so ein längliches Watteteil gefunden. Der Trottel hat es sich mühsam in die Nase gesteckt und kriegt es nicht wieder raus. Mama sieht aus, als ob sie gleich explodiert. Zum Glück ist so ein Rückholbändchen an dem Ding dran.

Dieses Erlebnis hat mich in meinem Berufswunsch bestärkt. Wenn ich groß bin, werde ich Frauenrechtlerin. Kurze Haare habe ich schon. Falls das nicht klappt, gehe ich in die Raumfahrt und melde mich für die erste Mars-Uranus-Expedition. Als „rocket (wo)man“, wie im Song von Elton John. Aber mein Schmusetuch nehme ich mit!

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