Wenn Eltern eine Auszeit brauchen

Babysitter: Wem kann ich mein Kind anvertrauen?

Ihr möchtet mal wieder einen schönen Abend zu zweit verbringen? Mal wieder ins Theater oder in Ihr Lieblingsrestaurant? Aber wer passt auf die Kinder auf? Wo findest du einen vertrauenswürdigen Babysitter, auf den du dich wirklich verlassen kannst? Wie kannst du dazu beitragen, dass alles klappt? Und wie ist das mit Babysittern rechtlich geregelt? Das erfährst du hier.

Autor: Sabine Ostmann
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Kleine Auszeit für Eltern

Babysitter Rechte und Pflichten
Foto: © panthermedia.net/ Phovoi R.

Endlich mal wieder ein Abend zu zweit. Erst ins Theater, dann noch in eine Bar. Diesem Tag hatten Birte und Gero Schindler schon lange entgegengefiebert. Zu Hause passte eine Babysitterin auf die kleine Jannike auf; die Eltern konnten die Hamlet-Inszenierung entspannt genießen. Allerdings nur bis kurz vor Ende des zweiten Aktes. Da surrte der Alarm von Birtes Handy. Also Heimkehr statt Hamlet. Das Kind schrie. Die Babysitterin, ein 14-jähriges Mädchen aus der Nachbarschaft, war völlig überfordert. „Wir haben dann noch einen Versuch gestartet“, erzählt Birte Schindler. „Dieses Mal gab es keinen Anruf, aber als wir nach Hause kamen, war alles voller Chipsbrösel und der Freund der jungen Dame fläzte auf unserem Sofa herum. Das hat mich ziemlich geärgert – das war so nicht abgesprochen.“

Das Pech mit der jungen Babysitterin hat Birte nachdenklich gemacht. „Wir hatten von Anfang an kein richtig gutes Gefühl. Und ich glaube, wir haben der jungen Frau einfach nicht richtig erklärt, worauf es ankommt, was wir erwarten und wie sie Jannike am besten trösten kann“, räumt die 33-Jährige selbstkritisch ein. „Doch inzwischen haben wir im Freundeskreis eine neue Babysitterin gefunden. Da hat die Chemie sofort gestimmt. Wir haben alles, was sie wissen muss, intensiv mit ihr durchgesprochen und haben jetzt ein viel besseres Gefühl, wenn wir das Kind in ihre Obhut geben.“

Babysitting ist Vertrauenssache

Das Beispiel zeigt: Babysitting ist Vertrauenssache. Deshalb ist es natürlich hilfreich, wenn man den Kinderhüter gut kennt. Am besten kümmert sich jemand aus der Verwandtschaft um den Nachwuchs, wenn du mal eine Auszeit brauchst. Doch Großeltern, Tanten und Onkels leben mitunter weit entfernt oder sind anderweitig verhindert. Wenn du auch in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis keinen Babysitter findest, kannst du beispielsweise im Kindergarten nach Empfehlungen fragen oder dich an eine professionelle Vermittlungsagentur wenden. Bei Babysitterbörsen im Internet wie beispielsweise babysitter.de, babysitterzentrale.de oder hallobabysitter.de kannst du sowohl selbst ein Gesuch aufgeben als auch nach Babysittern in deiner Umgebung suchen. Diese werden vielfach mit Profilen vorgestellt, die einen ersten Eindruck über Alter, Erfahrungen und Verfügbarkeit vermitteln. Manche besitzen sogar ein sogenanntes Babysitter-Diplom, wie es zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz oder der Kinderschutzbund anbietet.

Vor allem junge Mädchen verdienen sich mit Kinderhüten gerne ein paar Euro Taschengeld. Doch dieser Job ist mit einer Menge Verantwortung verbunden. Freude am Umgang mit Kindern ist deshalb die wichtigste Eigenschaft eines Babysitters. Aber auch Zuverlässigkeit gehört dazu sowie Ernsthaftigkeit und genügend Reife, um besonnen und gelassen zu reagieren, wenn es mal schwierig wird. Wichtig ist auch, dass der potenzielle Babysitter die altersgemäßen Bedürfnisse von Kindern wenigstens in groben Zügen kennt. Sind die Kinder noch sehr klein, sollte er oder sie wissen, wie ein Säugling gewickelt und gefüttert und ein schreiendes Kind beruhigt werden kann. Bei älteren Kindern müssen Babysitter souverän auf Trotzverhalten reagieren und immer eine gute Spielidee im Ärmel haben, um die Kundschaft bei Laune zu halten. Erste-Hilfe-Kenntnisse sind auf jeden Fall von Vorteil.

Wie gwöhne ich mein Kind an Babysitter? 

Im Video gibt Erziehungsexperte Jan-Uwe Rogge die Antwort:

Probestunde mit Babysittern vereinbaren

Wer negative Erfahrungen, wie sie die Schindlers gemacht haben, vermeiden will, sollte seine Kinderbetreuerin – in der Regel Mädchen oder junge Frauen – mit Bedacht auswählen und umfassend briefen. Eltern sind übrigens sogar verpflichtet, ihren Nachwuchs nur gewissenhaften und umsichtigen Kinderhütern anzuvertrauen. Sinnvoll ist es, die Fähigkeiten des Babysitters nicht gleich im Ernstfall zu erproben, sondern bei einem Kennenlern-Treffen erst einmal herauszufinden, ob die Chemie stimmt. Bei dieser Gelegenheit können sich der Babysitter und die Kinder auch schon einmal beschnuppern und du kannst deinen Erziehungsstil und die Aufgabe erklären.

Ebenfalls empfehlenswert: mindestens eine Probestunde, die du dem Babysitter natürlich bezahlst. Sieh einfach mal dabei zu, wie er oder sie mit den Kindern spielt. Geht sie freundlich und geduldig mit ihnen um? Agiert sie souverän oder wirkt sie unsicher? Nutze die Probestunde(n) auch, um kurze Besorgungen zu machen oder einfach mal in Ruhe einen Kaffee zu trinken. Dann siehst du schon einmal, wie der Babysitter mit seiner Aufgabe zurechtkommt. Diese Vorbereitung ist auch für die Kinder ganz wichtig: Sie lernen die fremde Person schon vorab kennen und gewinnen Vertrauen zu ihr. Das vermittelt den Kleinen Sicherheit, auch wenn die Eltern nicht dabei sind.

Was Babysitter wissen müssen

Die Generalprobe hat geklappt, jetzt steht die Premiere an. Lasse den Babysitter am besten etwas früher kommen – und das nicht nur beim ersten Termin. So bleibt genug Zeit, um die Abläufe zu besprechen und ihr wichtige Dinge im Haus wie etwa die Zubereitung eines Milchfläschchens oder die Funktionsweise des Telefons zu zeigen. Auch Fragen wie „Wie soll der Babysitter auf Anrufe reagieren?“, „Welche Hausregeln gilt es zu beachten?“, „Wo gibt es etwas zu essen und zu trinken?“ oder „Wie sind die Kinder heute drauf?“ kannst du jetzt kurz besprechen.

Am besten lege schon im Vorfeld eine Infomappe für deinen Babysitter an. Diese sollte einen Ersatzschlüssel und etwas Bargeld für Notfälle enthalten sowie wichtige Informationen wie

  • Erreichbarkeit und Handynummern der Eltern
  • Kinderarzt, Rufnummern bzw. Ansprechpartner für Notfälle
  • Krankheiten und Allergien der Kinder, evtl. benötigte Medikamente samt genauer Informationen zu Dosis und Darreichungsform
  • Ablauf der Betreuungszeit
  • Evtl. zuzubereitende Mahlzeiten
  • Was dürfen die Kinder? Was nicht? Welche Sendungen dürfen sie sehen? Welche Computerspiele sind erlaubt?
  • Wann sollten die Kinder spätestens im Bett sein? Wie läuft das Einschlafritual?
  • Welche Sanktionen darf der Babysitter durchsetzen?
  • Wo befinden sich der Arzneischrank, Bettwäsche zum Wechseln, Sicherungskasten etc.?
  • Do’s und Don’ts für die Babysitterin

Wichtig ist, dass auch der Babysitter vertraute Rituale, etwa beim Zubettgehen, einhält – dafür muss er gut informiert sein. Beim ersten richtigen Babysitting-Termin solltest du gegebenenfalls zwischendurch anrufen und dich erkundigen, ob alles klappt.

Alles, was Recht ist – der Babysittervertrag

Was viele Eltern nicht wissen: Wer einen Babysitter verpflichtet, geht ein Rechtsverhältnis ein. Insbesondere sind arbeits-, versicherungs- und haftungsrechtliche Fragen zu beachten. Deshalb ist es sinnvoll, mit deinem Babysitter einen Vertrag abzuschließen, in dem die wichtigsten Punkte geregelt sind.

Ob Nachbarstochter oder Sohn von Freunden: Ist dein Babysitter noch minderjährig, müssen dessen Eltern mit dem Job einverstanden sein. Bestehe auf einer schriftlichen Einverständniserklärung. Wird diese nicht erteilt, ist der Vertragsschluss unwirksam. Das bedeutet, dass die Aufsichtspflicht nicht auf den Babysitter übertragen werden kann. Bei Babysittern, die von einer Agentur vermittelt werden, liegt die Einwilligung der Eltern in aller Regel bereits vor.

Weiterhin sollten im Vertrag die Aufgaben des Babysitters festgehalten werden: Soll er mit den Kindern spielen und eventuell Hausaufgaben überwachen? Oder genügt es, dass er die Kinder ins Bett bringt und dann sicherheitshalber vor Ort ist, falls die Kinder aufwachen? Schwerpunkt sollte in jedem Fall die Kinderbetreuung sein. Hausarbeiten, die über die Zubereitung kleiner Mahlzeiten oder das Aufräumen des Kinderzimmers nach dem Spielen hinausgehen, zählen nicht zu den Aufgaben eines Babysitters. Nach dem Umfang der Aufgaben und dem Maß an Verantwortung, das der Babysitter übernehmen soll, richtet sich auch das Honorar, das ebenfalls in den Vertrag aufgenommen werden muss.

Wie viel das ist, hängt ab vom Alter, der Erfahrung und den Qualifikationen des Babysitters sowie vom Umfang der Aufgaben. Bringt der Babysitter deine Kinder nur ins Bett und bleibt dann zur Sicherheit da, bis du wieder zu Hause bist, genügen fünf Euro pro Stunde. Kann die Babysitterin aber besondere Qualifikationen vorweisen, ist sie als Spielpartnerin intensiv gefordert und muss vielleicht noch eine Mahlzeit zubereiten, sind 15 Euro durchaus üblich. Ob du deinem Babysitter auch die Fahrtkosten erstattest, liegt in deinem Ermessen. Spätabends solltest du ihn oder sie aber auf jeden Fall nach Hause bringen oder ein Taxi bezahlen.

Arbeitsrecht: Babysitter sind Minijobber

Regelmäßig eingesetzte Babysitter gelten als „Haushaltshilfen“. Verdienen sie maximal 400 Euro im Monat, musst du sie im Rahmen des Haushaltscheckverfahrens als „geringfügig Beschäftigte“ bei der Minijob-Zentrale in Essen anmelden. Das bedeutet: Der Babysitter hat Anspruch auf Urlaub und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und er erwirbt geringfügige Rentenansprüche. Die Sozialbeiträge in Höhe von pauschal zwölf Prozent des Verdienstes sowie zwei Prozent Lohnsteuer trägst in diesem Fall du. Außerdem musst du den Babysitter bei der gesetzlichen Unfallversicherung anmelden; der Beitrag beläuft sich auf 1,6 Prozent des Honorars. Die Anmeldung ist ebenfalls über die Minijobber-Zentrale möglich. Erleidet der Babysitter während seiner Tätigkeit, auf dem Weg dahin oder nach Hause einen Unfall, kommt die Versicherung für sämtliche Behandlungs- und Rehabilitationskosten auf.

Die Anmeldung des Babysitters als Minijobber bringt dir zwar zusätzliche Kosten. Doch du kannst die Kosten fürs Kinderhüten steuerlich geltend machen. Voraussetzung: Du hast mit dem Babysitter – das kann auch ein Verwandter sein – einen Vertrag geschlossen und kannst die einzelnen Ausgaben nachweisen. Lasse dir deshalb die Bezahlung immer quittieren.

Vase in Scherben – wer zahlt den Schaden?

Selbst dem gewissenhaftesten Babysitter kann etwas kaputt gehen: Eine teure Vase zerbricht oder die Badewanne läuft über, weil die Kinder alle Aufmerksamkeit gefordert haben. In diesem Fall haftet der Babysitter für den Schaden. Deshalb sollten er oder sie bzw. die Eltern unbedingt bei der eigenen Haftpflichtversicherung nachfragen, ob auch Schäden im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses abgedeckt sind und dies wenn möglich in den Versicherungsvertrag mit aufnehmen lassen.

Aufsichtspflicht: Wer trägt die Verantwortung

Eltern, die gegen Honorar einen Babysitter für ihre Kinder engagieren, übertragen diesem die Aufsichtspflicht – dies sollte auch im Babysittervertrag festgehalten werden. Wenn du dagegen den Nachbarssohn nur bittest, mal kurz auf dem Spielplatz ein Auge auf deine Sprösslinge zu haben, weil du mal schnell zur Apotheke musst, trägst du die Aufsichtspflicht.

Strittig ist dabei der Umfang der Aufsichtspflicht. Wie intensiv Kinder beaufsichtigt werden müssen, hängt von ihrem Alter ab, aber auch von ihren Eigenarten. Ein eineinhalbjähriges Kind muss man ständig im Auge haben, Schulkinder dagegen dürfen ruhig zwei, drei Stunden unbeobachtet spielen. Ausführliche Informationen zum Thema Aufsichtspflicht findest du hier.

Für den Babysitter bedeutet die Übernahme der Aufsichtspflicht eine große Verantwortung. Er muss nicht nur dafür Sorge tragen, dass den Kindern nichts geschieht, sondern auch darauf achten, dass kein Dritter zu Schaden kommt, weil die Kinder etwas anstellen. Klar, dass er oder sie einen Blick darauf hat, wohin deine Steppkes die Bälle kicken und sie bei Spaziergängen oder in der Badewanne nicht unbeaufsichtigt lässt. Frage beim Kennenlernen deshalb ruhig mal nach, wie sich dein potenzieller Babysitter verhalten würde. So kannst du dir ein Bild davon machen, wie viel Reife und Verantwortungsbewusstsein er mitbringt.

Freue dich auf einen schönen Abend

Hat der neue Babysitter einen Draht zu deinen Kindern gefunden? Sagt dir dein Bauchgefühl, dass er oder sie zuverlässig und verantwortungsvoll handelt? Ist die Probestunde gut verlaufen? Bist du dir sicher, dass dein Nachwuchs bei ihm in guten Händen ist? Dann kannst du jetzt Pläne für einen zauberhaften Abend zu zweit schmieden. Nur noch eine Bitte: Schleiche dich nicht heimlich aus dem Haus. Verabschiede dich in Ruhe von deinen Kindern – damit diese darauf vertrauen können, dass du wieder zu ihnen zurückkommst.

Zum Weiterlesen:

  • Marianne Austermann, Gesa Wohlleben : Der Babysitter kommt. Tipps, Ideen, Spiele. Mit einem Erste-Hilfe-ABC. Kösel Verlag, 6,– Euro (nur noch gebraucht erhältlich)
  • Gisela Floto, Viktor Vogler: Das Babysitter-Buch. Urania Verlag, 8,93 Euro (nur noch gebraucht erhältlich)
  • Steffen Haubner: Mach das Kind nicht kaputt!: Checklisten für Väter und andere Babysitter. Carlsen, 4,95 Euro

Weiterführende Links:

    • www.babysitter.de – Vermittlung von Babysittern
    • www.babysitterzentrale.de – Vermittlung von Babysittern; bietet auch umfangreiche Informationen für Eltern und Babysitter
    • www.drk.de – Babysitter-Vermittlung des Deutschen Roten Kreuzes. Das DRK bietet auch Babysitter-Ausbildungen an.
    • www.hallobabysitter.de – Vermittlung von Babysittern
    • www.minijob-zentrale.de: Informationen, Anmeldung und Unfallversicherung für geringfügig Beschäftigte in privaten Haushalten. Hier kann auch individuell berechnet werden, wie hoch die Sozialversicherungskosten für einen Babysitter sind.

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