Mittlere haben das Nachsehen
Geschwisterneid trotz gerechter Eltern
Absolute Gerechtigkeit ist ungerecht - sagen Wissenschaftler aufgrund einer neuen Studie. Die mittleren Kinder in der Geschwisterreihe kommen dabei schlecht weg.
Jedes Kind will das größte Stück vom Kuchen
Fast alle Kinder fühlen sich im Vergleich zu ihren Geschwistern benachteiligt. Die meisten Eltern behaupten dagegen, dass ihnen ihre Kinder gleich lieb und teuer sind. Psychologen um Dr. Ralph Hertwig vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin zeigten, dass beide Parteien Recht haben könnten. Paradoxerweise führt sogar gerade die gerechte Aufteilung von Zeit und Geld auf die Kinder zu einem Nachteil für die mittleren Geschwister. Ihr Modell, das auf einer einfachen Berechnung basiert, deckt sich mit Daten aus zahlreichen empirischen Studien aus aller Welt.
Geschwisterneid ist so alt wie die Menschheit. Und vermutlich hat dieser Neid Wurzeln in unserer Biologie. Rein biologisch nämlich, also durch die Brille des "egoistischen Gens" gesehen, ist sich jedes Kind selbst am nächsten und versucht daher, das größte Stück vom Kuchen zu ergattern. Den Eltern dagegen stehen ihre leiblichen Kinder genetisch alle gleich nah und deshalb könnten sie die Tendenz haben - wenn es nicht an Nahrung oder sonstigen Ressourcen mangelt - aus purer "genetischer Berechnung" alles gleichmäßig unter ihren Nachkommen aufzuteilen. In Wirklichkeit waren die Rollen und Chancen der Kinder je nach ihrem Geschlecht und Rang in der Geburtenfolge schon immer sehr verschieden, in vielen Kulturen wurden die ältesten Söhne vor allen anderen ausgezeichnet. Doch in modernen Gesellschaften scheint sich der Trend unter Eltern durchzusetzen, die Kinder "gleich" zu behandeln. Eine einfache Überlegung zeigt nun aber, dass selbst bei mathematisch exakter Teilung von Zeit, Geld und allen anderen Ressourcen die mittleren Kinder insgesamt benachteiligt bleiben.

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