Hitzewallungen und andere Krisen
Jetzt schon? Mütter in den Wechseljahren
Schweißausbrüche, Herzklopfen, Konzentrationsstörungen: Die Wechseljahre sind nicht unbedingt ein Grund zur Freude. Schon gar nicht, wenn man kleine Kinder zu versorgen hat oder sich mit Teenies herumstreitet. Wie meistere ich die neuen Herausforderungen? Was tut mir gut? Das sind die Fragen, die Mütter sich jetzt stellen.
Plötzlich ist frau mit dem Älterwerden konfrontiert
Angelika ist knapp über 50, leidet unter Hitzewallungen und wird immer dicker. Sie flüchtet aus ihrer kaputten Beziehung in eine spirituelle Romanze mit einem Kollegen. Beate langweilt sich in ihrer Ehe, legt sich erst unter das chirurgische Schönheitsmesser, um sich dann in erotische Abenteuer mit jüngeren Männern zu stürzen. Cornelia, die schüchterne Mitvierzigerin, nutzt ihre letzte Chance, um endlich Mutter zu werden, während Künstlerin Desiree in Depressionen und Müll versinkt.
Angelika, Beate, Cornelia und Desiree sind fiktive Figuren: „Klimawechsel“ lautete die satirische Miniserie rund um das Thema Klimakterium, die das ZDF kürzlich ausstrahlte. Thema: Sechs Frauen ringen mit den Wechseljahren und deren Begleiterscheinungen. Zwischen Yoga-Kursen, Tobsuchtsanfällen und Schweißausbrüchen versuchen Sie verzweifelt, Herrin der unsicheren Lage zu werden. Sie wollen es noch einmal wissen: War das jetzt alles? Bin ich noch attraktiv? Was will ich in meinem Leben noch erreichen? Und wie es im Fernsehen so ist: Allen schrillen Figuren gelingt es irgendwie, die Krise zu meistern und ihr Leben positiv umzugestalten.
Im echten Leben mag die Phase der Wechseljahre vielleicht nicht ganz so dramatisch und witzig ablaufen wie in Doris Dörries überspitzter Komödie. Doch in der Tat ist das Klimakterium eine Zeit der Um- oder Neuorientierung, die mit Verunsicherung, aber auch mit Chancen verknüpft ist.
Für viele Frauen kommen die Wechseljahre doch irgendwie überraschend. Und dann sind sie plötzlich mit dem Thema Älterwerden konfrontiert. Einem Thema, das wir in unserer Gesellschaft, in der Jugendlichkeit und Schönheit zu den wichtigsten Idealen gehört, gerne verdrängen. Die Wechseljahre aber zwingen uns, uns mit unserem weiblichen Selbstverständnis auseinander zu setzen. Denn die Menopause markiert zwar das Ende unserer Fruchtbarkeit, aber nicht das Ende unserer Weiblichkeit.
Midlife crisis trifft Wechseljahre
Einer Untersuchung zufolge sind ohnehin die Jahre zwischen 40 und 50 im gesamten Lebenslauf die heikelsten: Die Gefahr, in eine Depression zu fallen, ist in dieser Phase mit Abstand am größten. Zum einen hat das mit der allgemeinen Belastungssituation zu tun. Zu Job, Haushalt und Kindererziehung kommt bei vielen Frauen im mittleren Alter noch die Pflege der eigenen Eltern dazu. In dieser Sandwichposition reiben sie sich oft auf, um dann nicht selten in einer tiefen Erschöpfung zu landen. Und manchmal brechen im enger werdenden Kontakt zu den Eltern wieder unverarbeitete Kindheitskonflikte auf.
In diesem Lebensabschnitt stellen sie viele Frauen (und Männer) aber auch die Sinnfrage: Was habe ich bis jetzt erreicht? Welche Wünsche möchte ich noch verwirklich? Von welchen Träumen muss ich mich verabschieden? Manche starten beruflich nochmal durch, suchen sich einen neuen Job, beginnen mit einer Weiterbildung oder machen sich selbständig. Andere wiederum treten beruflich kürzer, um endlich mehr Zeit für sich selbst, ein Hobby oder ein Ehrenamt zu haben.
Auch die Partnerschaft wird in dieser Phase kritisch unter die Lupe genommen: Leben wir nebeneinander her? Bekomme ich die Aufmerksamkeit, die ich möchte? Ist unsere Sexualität noch lebendig? Viele Frauen berichten, dass sie in dieser Zeit erstmals selbstbewusst genug sind, um ihre erotischen Bedürfnisse zu benennen und auszuleben. Aber auch viele Ehen werden in dieser Phase geschieden, was wiederum mit Trauerarbeit und Verlustgefühlen einher gehen kann.
Kommen zu diesen Belastungen und den drängenden Fragen der Identität auch noch die hormonellen Turbulenzen der Wechseljahre hinzu, ist das emotionale Chaos (vorübergehend) perfekt.







