Hitzewallungen und andere Krisen

Jetzt schon? Mütter in den Wechseljahren

Schweißausbrüche, Herzklopfen, Konzentrationsstörungen: Die Wechseljahre sind nicht unbedingt ein Grund zur Freude. Schon gar nicht, wenn man kleine Kinder zu versorgen hat oder sich mit Teenies herumstreitet. Wie meistere ich die neuen Herausforderungen? Was tut mir gut? Das sind die Fragen, die Mütter sich jetzt stellen.

Autor: Felicitas Römer
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Plötzlich ist frau mit dem Älterwerden konfrontiert

Mutter Wechseljahre Tochter
Foto: © iStockohoto.com/ jtyler

Angelika ist knapp über 50, leidet unter Hitzewallungen und wird immer dicker. Sie flüchtet aus ihrer kaputten Beziehung in eine spirituelle Romanze mit einem Kollegen. Beate langweilt sich in ihrer Ehe, legt sich erst unter das chirurgische Schönheitsmesser, um sich dann in erotische Abenteuer mit jüngeren Männern zu stürzen. Cornelia, die schüchterne Mitvierzigerin, nutzt ihre letzte Chance, um endlich Mutter zu werden, während Künstlerin Desiree in Depressionen und Müll versinkt.

Angelika, Beate, Cornelia und Desiree sind fiktive Figuren: „Klimawechsel“ lautete die satirische Miniserie rund um das Thema Klimakterium, die das ZDF kürzlich ausstrahlte. Thema: Sechs Frauen ringen mit den Wechseljahren und deren Begleiterscheinungen. Zwischen Yoga-Kursen, Tobsuchtsanfällen und Schweißausbrüchen versuchen Sie verzweifelt, Herrin der unsicheren Lage zu werden. Sie wollen es noch einmal wissen: War das jetzt alles? Bin ich noch attraktiv? Was will ich in meinem Leben noch erreichen? Und wie es im Fernsehen so ist: Allen schrillen Figuren gelingt es irgendwie, die Krise zu meistern und ihr Leben positiv umzugestalten.

Im echten Leben mag die Phase der Wechseljahre vielleicht nicht ganz so dramatisch und witzig ablaufen wie in Doris Dörries überspitzter Komödie. Doch in der Tat ist das Klimakterium eine Zeit der Um- oder Neuorientierung, die mit Verunsicherung, aber auch mit Chancen verknüpft ist.

Für viele Frauen kommen die Wechseljahre doch irgendwie überraschend. Und dann sind sie plötzlich mit dem Thema Älterwerden konfrontiert. Einem Thema, das wir in unserer Gesellschaft, in der Jugendlichkeit und Schönheit zu den wichtigsten Idealen gehört, gerne verdrängen. Die Wechseljahre aber zwingen uns, uns mit unserem weiblichen Selbstverständnis auseinander zu setzen. Denn die Menopause markiert zwar das Ende unserer Fruchtbarkeit, aber nicht das Ende unserer Weiblichkeit.

Midlife crisis trifft Wechseljahre

Einer Untersuchung zufolge sind ohnehin die Jahre zwischen 40 und 50 im gesamten Lebenslauf die heikelsten: Die Gefahr, in eine Depression zu fallen, ist in dieser Phase mit Abstand am größten. Zum einen hat das mit der allgemeinen Belastungssituation zu tun. Zu Job, Haushalt und Kindererziehung kommt bei vielen Frauen im mittleren Alter noch die Pflege der eigenen Eltern dazu. In dieser Sandwichposition reiben sie sich oft auf, um dann nicht selten in einer tiefen Erschöpfung zu landen. Und manchmal brechen im enger werdenden Kontakt zu den Eltern wieder unverarbeitete Kindheitskonflikte auf.

In diesem Lebensabschnitt stellen sie viele Frauen (und Männer) aber auch die Sinnfrage: Was habe ich bis jetzt erreicht? Welche Wünsche möchte ich noch verwirklich? Von welchen Träumen muss ich mich verabschieden? Manche starten beruflich nochmal durch, suchen sich einen neuen Job, beginnen mit einer Weiterbildung oder machen sich selbständig. Andere wiederum treten beruflich kürzer, um endlich mehr Zeit für sich selbst, ein Hobby oder ein Ehrenamt zu haben.

Auch die Partnerschaft wird in dieser Phase kritisch unter die Lupe genommen: Leben wir nebeneinander her? Bekomme ich die Aufmerksamkeit, die ich möchte? Ist unsere Sexualität noch lebendig? Viele Frauen berichten, dass sie in dieser Zeit erstmals selbstbewusst genug sind, um ihre erotischen Bedürfnisse zu benennen und auszuleben. Aber auch viele Ehen werden in dieser Phase geschieden, was wiederum mit Trauerarbeit und Verlustgefühlen einher gehen kann.

Kommen zu diesen Belastungen und den drängenden Fragen der Identität auch noch die hormonellen Turbulenzen der Wechseljahre hinzu, ist das emotionale Chaos (vorübergehend) perfekt.

Hormonelle Turbulenzen, emotionale Achterbahnfahrten

Frauen erleben die Wechseljahre sehr unterschiedlich: Ein Drittel hat so gut wie keine Beschwerden, ein Drittel mäßige, und ein letztes Drittel leidet massiv unter körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen. Man vermutet, dass genetische Faktoren dabei eine Rolle spielen. Aber auch Lebenszufriedenheit und Selbstbewusstsein könnten von Bedeutung sein: Je ausgeglichener die Frau insgesamt ist, desto weniger dramatisch erlebt sie die Wechseljahre.

Während sich die Hormonproduktion mit Anfang 40 langsam unmerklich verändert, sind fünf Jahre später oft schon die ersten deutlichen Veränderungen zu spüren: Unregelmäßige Blutungen, Schweißausbrüche und nächtliches Herzklopfen deuten bereits auf die Wechseljahre hin, noch bevor der Frauenarzt einen Hormonmangel im Blut nachweisen kann. Manchmal spielt auch die Psyche verrückt, Schlaflosigkeit, Nervosität oder depressive Verstimmungen verderben einem gehörig die Laune.

„Ich hatte meine erste Hitzewallung im Supermarkt“, verkündete Schauspielerin Katerina Jakob lachend in einer Talkshow: „Ich bin wie eine Bekloppte zum Tiefkühlfach gerannt und habe mir zwei Tiefkühlhähnchen an die Schläfen gehalten.“ Martina (50) berichtet: „Es begann mit nächtlichen Schwitzattacken, Schwindel und Herzrasen. Ich dachte, ich hab was am Herzen oder einen Hirntumor und bin sofort zum Hausarzt gerannt.“ Der gab Entwarnung und schickte sie zum Endokrinologen, der den Hormonhaushalt bestimmen sollte. Anders verlief es bei Viola. Sie litt seit ihrem 41. Lebensjahr zunehmend unter Gelenkschmerzen und Erschöpfung: „Ich hatte immer das Gefühl, ich bekomme eine Grippe, hatte Gliederschmerzen und war abgeschlagen. Als dann auch noch meine Menstruation ausblieb, bin ich zu meiner Gynäkologin gegangen, die dann den Beginn der Wechseljahre bestätigt hat.“ Und Tatjana (53) erzählt schließlich von den Auswirkungen auf ihre Psyche: „Ich habe unglaubliche Wutausbrüche gehabt, die ich mir erst gar nicht erklären konnte. Ich hatte massive Stimmungsschwankungen: Manchmal war mir grundlos zum Heulen zumute, dann wieder war ich aktiv und voller Lebensfreude. Es war wie eine emotionale Achterbahnfahrt: total anstrengend, auch für meine Liebsten.“

Mutter-Tochter-Konflikte und andere Auswirkungen auf die Mutterrolle

Dass diese fragile Gefühlslage auch Auswirkungen auf unsere Rolle als Mutter haben kann, liegt auf der Hand. Je später Frauen Mütter werden, desto jünger sind die Kinder, wenn die Mütter in die Wechseljahre kommen – ein Veränderung, die in der Familienforschung noch kaum berücksichtigt wird.

„Die Pubertät meiner Kinder kann ich vielleicht deshalb so schlecht aushalten, weil ich selbst in so einer komischen Lebensphase bin“, sagte mir eine 53-jährige Frau. „Wenn ich selbst nicht so uneins mit mir und nicht so launisch wäre, könnte ich vielleicht viel gelassener sein. Dann wäre es bei uns zu Hause vielleicht ein bisschen ruhiger.“

Wenn Teenageralter und Wechseljahre in einer Familie aufeinandertreffen, kann es in der Tat doppelt krachen, denn beide Lebensphasen sind oft von heftigen Gefühlsausbrüchen begleitet. Besonders kann die pubertierende Tochter mit der Mutter kollidieren. Die Tochter ringt einerseits um Autonomie, benötigt aber gleichzeitig noch Halt und Geborgenheit. Das bringt sie selbst in eine seelische Zwickmühle, die sich oft in Angriffslust und Provokation äußert. Ist die Mutter aber selbst emotional instabil, leidet sie unter Schlafmangel und Unwohlsein, kann sie diese Angriffe nicht so gut abpuffern. Ein gutes Beispiel war in „Klimawechsel“ zu sehen: Die in jugendlicher Schönheit aufblühende Tochter erklärt der Mutter triumphal, wie hässlich deren Oberschenkel seien. Die Mutter – sexuell ausgehungert und emotional vernachlässigt – reagiert ihrerseits hoch aggressiv auf diese Verbalattacke. Kämpfte sie nicht gerade selbst um eine neue weibliche Identität, könnte sie eine solche Provokation womöglich lockerer „wegstecken“.

Problematisch wird es auch, wenn die Mutter mit der Tochter in Konkurrenz geht, sich ähnliche Klamotten anzieht oder gar in dieselbe Disco geht. Sie müsste sich als Mutter einer erwachsen werdenden Tochter als Abgrenzungsmodell zur Verfügung stellen statt die Generationsunterschiede zu leugnen. Wer sich dieser Verantwortung entzieht, macht es den Jugendlichen nur unnötig schwer, unabhängig und erwachsen zu werden.

Da manche Mütter sich durch ihre Wechseljahresbeschwerden eingeschränkt fühlen, haben sie manchmal auch ein schlechtes Gewissen ihren kleinen Kindern gegenüber. So wie Miriam (49): „Manchmal wünsche ich mir, dass ich eine bessere Kondition hätte und es in der Sonne besser aushalten könnte“, erzählt sie. „Seitdem ich diese Hitzewallungen habe, gehe ich einfach nicht mehr so gerne mit Benni zum Badesee. Er hat sich schon darüber beschwert, und es tut mir auch total Leid. Aber dann muss er eben mit seinem Vater oder Freunden gehen.“

Auch lässt es sich manchmal nicht verhindern, dass die Kinder die mütterlichen Stimmungsschwankungen oder deren Beschwerden mitbekommen, was natürlich nicht schlimm ist. Damit die Kinder sich für das Unwohlsein der Mutter nicht verantwortlich fühlen, ist es aber wichtig, mit ihnen darüber zu sprechen. Vermeiden Sie dabei aber bitte, das Ganze als Krankheit zu beschreiben, sonst schüren Sie womöglich noch Ängste.

Ansonsten gilt:

  • Stehen Sie zu sich, seien Sie milde und nachsichtig mit sich.
  • Erlauben Sie sich, Ihre tägliches Pensum zu reduzieren und Ruhephasen einzulegen;
  • Erlauben Sie sich, traurig zu sein. Älter zu werden bedeutet auch Abschied zu nehmen von Jugend und Fruchtbarkeit. Trotzdem können ja noch viele wunderschöne Jahre vor Ihnen liegen!
  • Tun Sie, was Ihnen gut tut: Sport, Yoga, Malen, Singen…
  • Nehmen Sie Ihre Bedürfnisse nach Ruhe, Action oder Ihren Wunsch nach einer neuen beruflichen Herausforderung ernst.
  • Machen Sie sich klar, dass Kinder Sie als Vorbild betrachten. Wenn Sie Ihre „Chaos-Phase“  bewusst gestalten und dabei liebevoll mit sich selbst umgehen, lernen Ihre Kinder ganz automatisch, wie man Umbruchskrisen gut bewältigen kann.
  • Versuchen Sie nicht zu tun, als sei alles „wie immer“. Kinder sind Seismographen und registrieren jede kleinste Erschütterung. Seien Sie aufrichtig.

 

Literaturtipps:

  • „Ich krieg die Krise! Pubertät trifft Wechseljahre“ von Christiane Lutz, Herder Verlag, nur noch gebraucht erhältlich oder in Bücherhallen
  • „Eine unverwechselbare Zeit. Wie Frauen ihren Weg durch die Wechseljahre finden“ von Annette Bopp, Neuauflage im Herbst 2010


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