Erfahrungsbericht einer Mutter

Fehlgeburt - und dann ein Baby

Lesen Sie hier den Erfahrungsbericht einer Mutter, die bei ihrer ersten, sehr erwünschten Schwangerschaft eine Fehlgeburt erleben musste und die dann, nach kurzer Zeit, wieder schwanger wurde und schließlich ein gesundes Kind gebar.

von Sonja Rodhaus*
Mutter kuesst Baby

Schwanger? So schnell?

Auch ich!

Kurz vor meinem 30. Geburtstag erwachte mein Kinderwunsch. Ganz klassisch also, dann aber mit Macht. In den Einkaufsstraßen schienen sich nur noch Frauen mit Kinderwagen zu tummeln, im Bus zogen Mütter mit wonnigen Babys auf dem Schoß meinen Blick auf sich. Es fehlte wenig, dass ich in ein lockendes "Gutschigutschiguh" verfallen wäre. Seit zwei Jahren war ich mit einem Mann zusammen, der sich irgendwie nach "Vater-für-meine-Kinder" anfühlte und so kann man sich vorstellen, wie der Himmel für mich voller Geigen hing, als mein Partner endlich bereit war für ein Baby.

Natürlich war ich gespannt, wie schnell es klappen würde, aber es schwang auch die Sorge mit, die Götter könnten sich willkürlich eine Strafe für mich erdacht haben und mir den Kindersegen versagen. Um meinen Zyklus ein wenig besser kennen zu lernen, begann ich Temperatur zu messen. Und tatsächlich war zur Monatsmitte ein Anstieg zu verzeichnen, doch dann, was ist das? Die Temperatur bleibt oben. Schwanger? So schnell?

Eine Woche nach dem Ausbleiben der Periode kam die Bestätigung meiner Ärztin. Wirklich schwanger! Der Ultraschall zeigte ein winziges Zellbündel an der Gebärmutterwand, so klein, aber doch: Mein Baby! Nie werde ich den Heimweg nach dieser Nachricht vergessen. Wie ich erstmals seit langem glücklich und versonnen an einem Kinderspielplatz Halt machte und immer nur denken konnte: Auch ich!

Zwei Wochen später ein eiskalter Schreck beim morgendlichen Toilettengang. Eine Schmierblutung, ganz leicht noch, aber mit einem unheilvollen Ziehen im Unterleib verbunden. Am Telefon riet meine Ärztin zu Bettruhe und hochdosierten Magnesiumgaben. Den ganzen Tag lag ich da, allein, und versuchte mein kleines Wesen mit Beschwörungsformeln und Entspannung zum Bleiben zu bewegen. Gegen Abend, kurz bevor mein Partner nach Hause kam, wurde die Blutung stärker und ich empfing ihn schluchzend: "Ich glaube, unser erstes Kind will nicht bei uns bleiben!" Nachts hatten die Krämpfe eine Stärke erreicht, die Schlaf unmöglich machte und so fuhren wir ins Krankenhaus.

'Da ist nichts mehr'

Ein verschlafen wirkender Dienstarzt machte den Ultraschall und sagte nur: "Da ist nichts mehr". Trotzdem taten mir seine sanften mitfühlenden Augen wohl, es brauchte nicht viele Worte, um zu fühlen, dass er Mitleid mit mir hatte. Auf der gynäkologischen Station, wo ich zur Ausschabung aufgenommen wurde, war von solchen Gefühlen allerdings nichts mehr zu spüren. Niemand fragte, wie es mir ginge, keiner sagte "es tut mir Leid". Ausschabungen scheinen Eingriffe von der Stange zu sein, chirurgische Dutzendware, wie die Mandeloperation, einfach nicht der Rede wert. Trotzdem waren die Bauchkrämpfe nach dem Erwachen aus der Narkose nicht zu verachten, viel schlimmer aber noch das drückende Gefühl einer gähnenden inneren Leere. Vier Wochen blieb dieses Gefühl in meinem Körper, Leere, verbunden mit einer bleiernen Schwere aller Glieder, Unfähigkeit mich abzulenken, an irgend etwas Freude oder Interesse zu empfinden. Niemand von meinen Freunden konnte die Wucht dieser Gefühle verstehen, Verständnis und Mitgefühl schienen Mangelware. Nur mein Partner kam mir noch näher in dieser Zeit der gemeinsamen Trauer um unser erstes Kind.