Erfahrungsbericht: Leben in der Warteschleife

Kinderwunsch: Mein Zyklus und ich

Frauen mit Kinderwunsch kennen dieses monatliche Auf und Ab: Zu Beginn des Zyklus die aufkeimende Hoffnung, um die Monatsmitte das "Üben" und schließlich die Enttäuschung, wenn die Menstruation einsetzt. Eine urbianerin erzählt von ihrem Leben in der Kinderwunsch-Warteschleife.

Autor: Martina Klausen
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Frau Bauchschmerzen Zyklus
Foto: © fotolia.com/Igor Mojzes

Martina Klausen* ist 31 Jahre alt und versucht seit einem Jahr, schwanger zu werden. Sie beobachtet ihren Zyklus, misst Temperatur und trägt ihre Daten in den urbia-Zykluskalender ein. So hat sie gelernt, ihre fruchtbaren Tage und den Eisprung wahrzunehmen und gezielt für ein Baby zu "üben". Allerdings blieb ihr Kinderwunsch bisher unerfüllt und sie findet sich Monat für Monat in einer immer gleich ablaufenden emotionalen Achterbahnfahrt aus Hoffnung und Enttäuschung wieder, die mit der einsetzenden Menstruation ihren Tiefpunkt erreicht. Für alle Frauen, die sich ein Kind wünschen und sich ebenfalls in dieser zyklischen Warteschleife gefangen sehen, hat sie hier ihre Erfahrungen aufgeschrieben:

Wie ich in die Warteschleife hineinrutschte

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Bis der Kinderwunsch bei mir auftauchte, sah alles so einfach aus; die Leute werden eben schwanger und bekommen Kinder. Ich bin eine frisch verheiratete Frau, gerade 30 geworden, und ich sollte eigentlich noch fruchtbar genug sein für einige Kinder. Also lasse ich erwartungsvoll und gespannt die Pille weg, die ich 15 Jahre lang genommen habe. Nichts Großartiges passiert, bis auf meine immer schlechter werdende Haut und stärkere Regelschmerzen. Ich sehe immer öfter bei urbia vorbei und studiere gründlich die Schwangerschaftsanzeichen, lerne die Abkürzungen und wünsche mir, bald ebenfalls eine frohe Nachricht verkünden zu können. Nach drei Monaten werde ich ungeduldig und erste Fragen tauchen auf: Habe ich denn überhaupt einen Eisprung? Sind meine Hormone in Ordnung? Wann ist der Geschlechtsverkehr eigentlich am günstigsten? Und ich beginne ein Zyklusblatt mit Temperaturmessung anzulegen.

Am Anfang ist alles neu und spannend; deutlich ist der Eisprung zu erkennen und die Natürliche Familienplanung ist sehr viel besser und genauer als ihr Ruf; außerdem bekommt frau ein besseres Verhältnis zu ihrem Körper. Langsam und stetig jedoch merke ich, dass ich in einer Art Achterbahn sitze, die immer wieder dieselbe Strecke fährt und die mich immer wieder dieselben Gefühle durchleben lässt. Und ich weiß nicht, wann sie endlich anhält oder wie ich am ehesten wieder heraus komme. Ich merke aber auch, dass ich nicht die einzige bin, die dort drin sitzt. Und ich denke mir nach einem halben Jahr Berg- und Talfahrt, dass irgend jemand mal einen ungefähren Streckenplan entwerfen sollte. Also mache ich mich an die Arbeit. (Ironischerweise beginnt der Zyklus mit dem ersten Tag der neuen Regel, also mit dem unangenehmsten Teil der Achterbahn).

Erster Zyklustag: Zurück auf "Los geht's!"

Die Regel ist da. Man nennt sie auch den roten Drachen, Pest oder Erdbeerzeit, in der Hibbelliste von urbia wird sie symbolisiert durch eine rote Welle (finde ich sehr passend, denn alle möglichen Hoffnungen werden gnadenlos hinweg geschwemmt.) Wenn sie kommt, klappt die Hoffnung zusammen und man selber manchmal auch.

Ich mache mir Gedanken wie: „Warum nicht? Warum war da nichts drin? Ich hatte doch so sehr das Gefühl, schwanger zu sein und wurde wieder betrogen. Bei meiner Bekannten hat es doch sofort geklappt! Ich habe doch alles dafür getan, Sex zur richtigen Zeit, ausreichend Entspannung, gesunde Ernährung, positive Gedanken. Und trotzdem hat es nicht gereicht! Warum denn nicht? Nun wird es wieder ewig dauern bis zur nächsten Chance. Ich möchte nicht mehr warten, ich kann nicht mehr! Mein geliebtes Kind, wann kommst du endlich zu mir?“

Aber eigentlich mache ich mir gar nicht wirklich Gedanken, sondern fühle mich einfach nur leer, im doppelten Wortsinn. Ich habe zu nichts Lust, die Welt draußen ist mit total egal, ich möchte nur schlafen und nichts fühlen müssen, es tut zu weh. Es ist jedes Mal für mich, als wenn mir eine Tür genau vor der Nase zuschlägt. Und ich möchte nichts mehr, als durch diese Tür zu gehen!

Ein neuer Aufbruch, noch schweren Schrittes

Bei mir dauert es zwei bis drei Wochen, bis der neue ES (=Eisprung) stattfindet. Das ist ausreichend Zeit, um die übrig gebliebende Kraft und Hoffnung zusammenzukratzen und erneut zu starten. Am Anfang erhole ich mich noch von der Enttäuschung, aber ich plane natürlich auch bereits wieder und lege auf dem neuen ZB (=Zyklusblatt) fest, wann etwa der ES sein könnte und wann der neue NMT (=Nichtmenstag). Aber die fehlenden Signale meines Körpers (im Gegensatz zu den Tagen vor NMT ist das leichte, aber fühlbare Kleinerwerden des Busens nun kaum erwähnenswert) lassen mich auch leichten Herzens das Messen der Tempi vergessen und ich denke eher an andere Dinge. Ich nehme mir wie immer fest vor, diesen Zyklus nicht so stark zu hibbeln und alles gelassener anzugehen. Natürlich, ich werde dafür sorgen, dass die Bienchen richtig sitzen, mich aber nicht wieder so verrückt machen. Und es hat ja auch ein paar Vorteile, noch keine Kinder zu haben, nun werde ich die noch einmal ganz bewusst genießen. Es ist doch eh noch so lange hin, und ich könnte vorher schnell noch vieles erledigen. Ich denke an alles Mögliche, aber:

Plötzlich ist sie da, die fruchtbare Zeit

Nun zählt jede Stunde! Manchmal mit Ovus (Ovulationstests), manchmal ohne, aber der ES kündigt sich durch viele Kleinigkeiten an, die mich aus der relativen Gelassenheit reißen. Das Bienchen setzen ist natürlich das wichtigste. Mindestens alle zwei Tage, wenn es geht, und bereits einige Tage vorher damit beginnen. Mein Mann und ich gehören nicht zu denen, die das als Stress, Zwang oder Druck empfinden, denn es kann trotzdem oder grade deswegen Spaß machen. Nun werden also möglichst viele Spermien auf die Reise geschickt und die Tempi genau beobachtet. Wenn der ES stattgefunden hat, schaue ich nach, wie gut die Spermien zum Zuge gekommen sein könnten. Hätten eher die schnellen oder die langlebigen eine Chance (Junge oder Mädchen wahrscheinlicher)? Wann wäre denn der Entbindungstermin? Welches Sternzeichen wäre es? Die Namen stehen selbstverständlich schon fest, wir überprüfen gelegentlich, ob sie uns immer noch zusagen, aber ich denke nicht an ein Mädchen, sondern an eine Lilli; nicht an einen Jungen, sondern an Jonas*. Nach dem Eisprung habe ich das Gefühl, als wenn ich einen Lottoschein ausgefüllt habe, ich habe meinen Teil getan und überlasse den Rest dem Glück.

 

Wie zuverlässig sind Ovulationstests und wie funktionieren sie? 

Die Hibbelzeit

Hibbeln heißt: aufgeregt sein und auf das Beste hoffen. Vom Eisprung an dauert es bei mir genau 14 Tage, bis die Regel kommt, bisher zumindest kam sie dann immer. Am Anfang bin ich hauptsächlich euphorisch, dass der ES überhaupt stattgefunden hat und alles Mögliche getan ist. Dann orientiere ich mich zunehmend an dem Termin, wo ich erstmalig testen könnte, also dem NMT.

Je näher dieser Termin rückt, desto wichtiger wird für mich das Tempi messen. Ich gehe immer um die selbe Zeit ins Bett, und überlege sofort nach dem Messen, was das Ergebnis bedeuten könnte. Ist der Absacker vielleicht die Einnistung? Wächst da in mir vielleicht etwas, bzw. krallt sich grade hoffentlich gut fest? Ich trinke keinen Alkohol mehr und achte sehr auf meinen Körper, denn ich möchte kein Risikoeingehen. Wenn da etwas ist, dann möchte ich es unbedingt halten! Etwa vier Tage vor dem NMT startet der Countdown. Denn das Gelbkörperhormon gibt dann bei mir noch einmal alles, die Tempi steigt nochmals an, ich spüre meine Brüste kribbeln und im Unterbauch zieht es dauernd, ich strotze vor Kraft und Gesundheit. Und jedesmal, wirklich, jeden Monat wieder, kommt zwei Tage vor NMT der Moment, wo ich mir zu 100 Prozent sicher bin, schwanger zu sein.

Es ist mir bewusst, dass es letzten Monat auch schon so war. Aber ich bin mir trotzdem sicher, dass es noch nie so stark gezogen hat, daher muss es einfach so sein! „Kleines, bist du da?? Bitte bitte bleib!!“ Und was, wenn ich wieder enttäuscht werde? Aber es kann doch gut sein, und die Anzeichen der SS werden sicherlich auch noch stärker werden, denn das HCG muss ja erstmal in Gang kommen. Ich ruhe mich am besten etwas aus, damit es schneller produziert werden kann. (Und der Witz: wenn ich ruhig bin, merke ich die Symptome stärker.) Monat für Monat für Monat bin ich mir sicher, es hat geklappt. Die Hoffnung wächst ins Unendliche und erscheint manchmal als Gewissheit. Das wechselt ab mit der Angst vor einer neuerlichen Enttäuschung. So ziehen sich die letzten Tage scheinbar endlos hin, ich kann an kaum etwas anderes denken, weil mein Körper mich mit "Signalen" überrollt. Als erste negative Ankündigung sinkt nun, einen Tag vor NMT, die Tempi. Ich will es nicht glauben und hoffe auf ein Steigen. Eskannnichtseineskannnichtsein! Aber bisher immer: siehe ZURÜCK AUF LOS.

Fazit: Ein Kind ist nicht mehr selbstverständlich

Auf jeden Fall kann ich sicher sagen, dass mich die Kinderwunschzeit jetzt bereits verändert hat. Ich sehe ein Kind nicht mehr als selbstverständlich an, nehme gewisse Dinge weniger wichtig als vorher. In den schweren Zeiten ziehe ich mich eher zurück, was die Lage natürlich nicht einfacher macht. Mein Mann ist zum Glück sehr verständnisvoll und wir sind uns dadurch eher näher gekommen. Ich hoffe sehr stark, dass ich bald aus dieser Achterbahn aussteigen darf; natürlich werde ich auch als Mutter Höhen und Tiefen erfahren, aber genau das möchte ich ja. Und ich hoffe, dass ich als Mutter niemals vergessen werde, wie sehr ich mir dieses Kind herbeigewünscht habe. Und was für ein Wunder durch unsere Liebe da entstanden ist.

*Namen von der Redaktion geändert

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