Versagensangst trübt Spass am Sex

Tabu Impotenz

Welcher Mann möchte schon gerne als "Schlappschwanz" bezeichnet werden? Impotenz ist das Schreckgespenst und Tabuthema vieler männlicher Erdenbürger.

von Gabriele Möller
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Mann Bett nackt
Foto: © panthermedia/ Evelyn Taubert

Woran es liegt, wenn es nicht klappen will

Ein "ganzer Mann" sein - welcher männliche Erdenbürger möchte das nicht? Und kaum etwas gehört so unabdingbar zu diesem Selbstbild, wie die maskuline Sexualkraft, die Potenz. Kein Wunder, dass die Impotenz etwas ist, wofür man(n) sich schämt, sofern er davon betroffen ist, etwas, worüber er am liebsten gar nicht spricht. Lauert doch im Hinterkopf zu allem Überfluss auch noch das verächtliche und hässliche Schimpfwort "Schlappschwanz", das treffsicher nicht nur auf die empfindlichste Stelle unter der Gürtellinie, sondern auch in der männlichen Seele zielt. Doch es muss nicht sein, dass jedes Schäferstündchen von Versagensängsten getrübt wird.

Dass es nicht immer wie auf Knopfdruck klappt, ist ganz normal und hat nichts mit tatsächlicher Impotenz zu tun. Trotzdem leidet fast jeder fünfte Mann in Deutschland an einer echten "erektilen Dysfunktion", wie es im Fachchinesisch so schön heißt. Nur bei sieben Prozent aller Männer ist die Störung aber tatsächlich so massiv einschränkend, dass eine Therapie notwendig ist. Und aller männlich-stolzen Verweise auf Charly Chaplin zum Trotz, der bekanntermaßen auch im Greisenalter noch ebenso putzmunter wie zeugungsfähig das Bett seiner Partnerin unsicher machte: Das Nachlassen der Sexualkraft ist oft einfach altersbedingt. Ab dem 40. Lebensjahr ist schon jeder zweite Mann zumindest zeitweise vom Nachlassen der Potenz betroffen.

Während man früher glaubte, die fehlende oder unzureichende Erektion sei überwiegend ein seelisches Problem, geht man inzwischen davon aus, dass die meisten Fälle (70 Prozent) auf organischen Ursachen beruhen. So können Zuckerkrankheit (Diabetes), traumatische Unfälle, schwere Operationen, urologische Probleme (Prostata), hormonelle Störungen, aber auch der Abbau der Muskulatur im Schwellkörper oder sogar die simple Arterienverkalkung das Problem auslösen.

Impotenz als Botschaft der Seele

In den Fällen, wo tatsächlich seelische Ursachen vorliegen, kann die Impotenz vieles heißen. Zum Beispiel: Die Partnerin ist nicht die Richtige. Die Erregung ist nicht ausreichend. Der Mann hat Angst, als Liebhaber nicht gut genug zu sein. Er fürchtet, sich zu blamieren, weil er keinen "hoch kriegt" und es klappt deshalb tatsächlich nicht. Er hat noch nicht genug Vertrauen in eine neue Partnerin. Vielleicht bedeutet seine Impotenz auch, dass er der Frau unbewusst weh tun möchte, weil sie ihn gekränkt hat. Vielleicht wünscht er sich aber auch in Wirklichkeit einen männlichen Geschlechtspartner. Manchmal weigert sich die Seele auf diese Weise auch, das gesellschaftlich immer noch erwünschte männliche Imponiergehabe mitzumachen, immer stark und tough sein zu müssen. Manchmal ist sexueller Missbrauch in der Kindheit die Ursache. Oft bedeutet die Impotenz aber auch schlicht und einfach, dass ein Mann jetzt gerade nicht in Stimmung ist.

Die Scham überwinden und Hilfe suchen

Egal, woran es liegt: Wenn sich das Problem oft wiederholt oder dauerhaft ist, hilft alles nichts: Der Betroffene muss das Gespräch mit dem Arzt suchen, damit die Ursache dingfest gemacht und eine Lösung gefunden wird. Denn auf lange Sicht nagt die Erektionsschwäche natürlich erheblich an der Lebensfreude und dem Selbstwertgefühl - und belastet auch die Partnerin und die gemeinsame Beziehung sehr.

Vor der Impotenz braucht kein Mann die Waffen zu strecken. Auch in schwierigen Fällen gibt es – zum Teil vielleicht gewöhnungsbedürftige – Lösungen. Zu den zahlreichen Möglichkeiten, die dem Arzt zur Verfügung stehen, gehören dabei die Wiederherstellung von verengten Blutgefäßen durch eine Operation, aber auch Penisprothesen, Reizstrom, Erektionsspritzen, Harnröhrentabletten mit gefäßerweiternden Inhaltsstoffen, Vakuumpumpen, Hormonpflaster, der Pflanzenextrakt Yohimbin als milde Erektionstablette, und natürlich die vieldiskutierte und beschworene Tablette Viagra. Auch eine Sexualpsychotherapie mit bestimmten Übungen und Gesprächen ist in vielen Fällen eine prima Ergänzung zur medizinischen Behandlung. Vor allem, wenn die Seele durch das Problem schon arg angekratzt und verunsichert ist.

Informationen und Links

Lesetipps

Leuze, Kurz W. und Schmidt, Hanjo: Der Geist ist willig, doch das Fleisch macht schlapp. Gatzanis Verlag (ISBN 3980389707).

Marion, Heinz: Wenn der Mann nicht kann, was dann? Erkennen und Behandeln der Ursachen männlicher Impotenz. (ISBN 3828006531).