15.09.2010 Kinder und Jugendliche

Erhöhtes Asthma-Risiko durch Paracetamol?

Wenn Kinder Fieber oder Schmerzen haben, ist Paracetamol ein häufig verwendetes und nach Aussagen von Ärzten auch das zur Zeit beste Arzneimittel. Allerdings vermuten Lungenärzte nun einen Zusammenhang zwischen dem Medikament und einem erhöhten Asthma-Risiko.

Autor: Lungenärzte im Netz
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Kleinkind krank und muede
Foto: © iStockphoto.com/ rypson

Der Schmerz stillende und Fieber senkende Arzneistoff Paracetamol steht schon länger im Verdacht, das Asthmarisiko von Kleinkindern zu erhöhen. Jetzt kommt eine internationale Querschnittsstudie mit über 300.000 Heranwachsenden zwischen 13 und 14 Jahren aus 50 Ländern zu dem Ergebnis, dass Paracetamol auch das Asthmarisiko im Jugendalter erhöhen kann. Darauf machen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Werne aufmerksam. „Heranwachsende, die einmal pro Monat Paracetamol einnehmen, entwickeln mehr als doppelt so häufig Asthma wie Jugendliche, die dieses Medikament nicht verwenden“, berichtet Prof. Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der DGP und Leiter der Lungenfachklinik Kloster Grafschaft im nordrhein-westfälischen Schmallenberg. „Nach Angaben der Forscher ist das Asthma-Risiko selbst bei Jugendlichen, die in den vergangenen 12 Monaten nur einmal Paracetamol geschluckt haben, um 43 Prozent erhöht. Auch das Risiko für allergische Erkrankungen wie Rhinokonjunktivitis oder Ekzeme steigt mit der Einnahmehäufigkeit und Dosis des Medikaments an.“

Potenzielle biologische Erklärungen für das Phänomen

Der kausale Zusammenhang, wie Paracetamol die Entwicklung von Asthma verursachen könnte, ist zwar noch nicht belegt. „Es gibt aber bereits mehrere plausible biologische Erklärungen für das erhöhte Asthmarisiko“, erläutert Köhler. „So scheint Paracetamol die Entzündungsbereitschaft zu erhöhen, weil der Abbau des Medikaments im Körper offenbar zu oxidativem Stress führen kann. Der Abbau von Paracetamol vereinnahmt nämlich eines der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien – das Enzym Glutathion, so dass dieses für andere Abbauvorgänge (wie z.B. für Luftschadstoffe oder Tabak in der Lunge) nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht. In der Folge kann es dann zu gesteigerten allergischen Reaktionen kommen. Eine andere Möglichkeit ist, dass Paracetamol die körpereigene Immunabwehr der so genannten Rhinoviren abschwächt, die besonders häufig Atemwegsinfektionen im Kindesalter auslösen. Dies würde dann zu länger anhaltenden Erkältungsbeschwerden bei den betroffenen Kindern führen, was ihre Atemwege stärker strapazieren und sie insgesamt empfindlicher auch für Asthma machen sollte.“

Erst ab erhöhter Körpertemperatur von 38,5 Grad einsetzen

Insgesamt ist es noch zu früh, grundsätzlich von einer Einnahme von Paracetamol abzuraten. „Zunächst muss jetzt in einem größeren Rahmen wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass Kinder tatsächlich häufiger an Asthma erkranken, wenn sie das Arzneimittel Paracetamol anstelle eines Scheinmedikaments verabreicht bekommen“, erklärt Köhler. „Demgegenüber ist und bleibt Paracetamol das beste Mittel für Kinder gegen Schmerzen und Fieber, das uns derzeit zur Verfügung steht. Regelmäßig sollte Paracetamol allerdings nicht eingesetzt werden, davor warnt auch die Weltgesundheitsorganisation ausdrücklich. Außerdem rät die WHO, das Mittel bei Heranwachsenden erst ab einer erhöhten Körpertemperatur von 38,5 Grad überhaupt einzusetzen. Sie begründet dies einerseits mit den positiven Auswirkungen, die Fieber auf die Immunabwehr hat, andererseits aber auch damit, mögliche Schäden in der Leber zu verhindern, die das Medikament in hoher Dosis herbeiführen kann.“

Ausführliche Informationen über die Ursachen, Behandlungs- und Vorbeugemöglichkeiten von Asthma bronchiale Sie unter: www.lungenaerzte-im-netz.de

Quelle: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine. Online- Vorabveröffentlichung am 13.8.2010. Zusammenfassung (abstract)


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