Weniger ist manchmal mehr
Recht auf Teilzeit
Der Gesetzgeber hat Müttern und Vätern neue Chancen für Familie und Beruf eröffnet: Seit dem 1. Januar 2001 gilt das generelle Recht auf Teilzeitarbeit.
38 Prozent der Vollzeitbeschäftigten möchten kürzer treten
Wer sich gerne auf Stellenmärkten tummelt, kann die Schlagworte auswendig herunterbeten – hochmotiviert sollen neue Mitarbeiter sein, dynamisch, erfahren, am besten jung und vor allem flexibel. Erwartet der jung-dynamische Mitarbeiter jedoch Flexibilität von Seite des Unternehmens – zum Beispiel im Bezug auf neue Arbeitszeitmodelle – sieht er noch häufig alt aus. Seit dem Jahr 2001 gibt es jedoch von Seite des Gesetzgebers das Recht auf Teilzeitarbeit.
Denn dem Wunsch von 38 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland, ihre Arbeitszeit trotz finanzieller Einbußen zu verringern, steht nach wie vor eine große Skepsis der Arbeitgeberseite entgegen. Zu teuer, nicht anwendbar auf Führungspositionen und hochqualifizierte Tätigkeiten, lauten die oft genannten (Vor-)Urteile. Und das, obwohl ein Blick über den Tellerrand, zum Beispiel in die Niederlande solche Bedenken entkräften könnte. Denn im kleinen Nachbarland ist Teilzeitarbeit – auch für Männer und auch in qualifizierten Positionen – längst eine Selbstverständlichkeit. Das auch dort von der Arbeitgeberschaft prophezeite Chaos hat sich nicht eingestellt.
Durch familienfreundliche Arbeitsplätze die Motivation erhöhen
Immerhin haben auch hierzulande bereits zahlreiche Unternehmen bemerkt, dass sich familienfreundliche Arbeitsplätze lohnen, da sie qualifizierte Kräfte an den Betrieb binden und die Motivation erhöhen. So werden vom Bundesfamilienministerium jährlich Betriebe und Institutionen als "familienfreundlicher Betrieb" ausgezeichnet. Dabei geht die Bundesbehörde selbst mit gutem Beispiel voran und bietet ihren fast 500 Mitarbeitern mehr als 100 verschiedene Arbeitszeitmodelle. Ob jemand ein halbes Jahr pausieren und dann ein halbes arbeiten, im Wochenturnus wechseln oder vielleicht mit einer Kollegin den Job teilen und zweieinhalb Tage pro Woche arbeiten möchte - alles ist möglich.
"Die Leistungsfähigkeit bei zwei halben Stellen ist höher als bei einer Vollzeitstelle", so die Erfahrung der Diplom-Biologin Beate Kraus*, die sich seit 1990 mit ihrem Mann die Position der Regional-Geschäftsführerin eines Umweltzentrums teilt und so nicht nur Familie und Karriere unter einen Hut bringt, sondern sich auch in ihrer Partnerschaft emanzipiert hat. Die 41jährige widerspricht auch dem gängigen Vorurteil, leitende Funktionen könnten nicht in Teilzeit ausgeführt werden: "Wir haben einfach eine Aufgabenteilung entsprechend unserer jeweiligen Fähigkeiten. Meiner Meinung nach können wir ein breiteres Aufgabenspektrum besser abdecken als es einer Einzelperson möglich wäre."
Auch die Chemotechnikerin Heike Weber* hat gute Erfahrungen mit qualifizierter Teilzeitarbeit und Job-Sharing gemacht. Ihr Chef an der Universität Duisburg war sogar begeistert davon, wie die Arbeitsteilung in seiner Abteilung funktionierte. Auch in Teilzeit, so resümiert die 40jährige selbstbewusst, habe sie stets wissenschaftlich gearbeitet und sehr gute Ergebnisse produziert. Wichtig ist ihr der Hinweis, dass durch die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, kein Know-How verloren geht.

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