Zwillingsschwangerschaft

Zwillingsschwangerschaft – Ein doppeltes Lottchen im Bauch

Sobald eine zukünftige Zwillingsmama die Nachricht erhält, dass sie nicht nur ein, sondern gleich zwei Babys erwartet, beginnt für sie zunächst einmal eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Zu der großen Freude, bald unerwartet Mutter zweier Kinder zu werden, gesellen sich wahrscheinlich auch Sorgen: Wird man die Zwillingsschwangerschaft ohne Komplikationen überstehen? Wird es beiden Babys während der neun Monate gut gehen?

Zwillingsbabys
Foto: © iStockphoto.com/ MichaelBlackburn

Zwillinge sind gar nicht so selten: Durchschnittlich bei jedem 29. Baby, das heutzutage in Deutschland geboren wird, handelt es sich um ein Mehrlingskind, 98 Prozent davon sind Zwillinge. Eineiige Zwillinge sind mit einem Viertel aller hier geborenen Zwillinge deutlich seltener als zweieiige. Wie entstehen Zwillinge? Gibt es für eine Zwillingsschwangerschaft Anzeichen, an der man sie erkennt? Wie unterscheidet sie sich von einer „normalen“ Schwangerschaft? urbia kennt die Antworten.

Wie kommt es zu einer Zwillingsschwangerschaft?

Eineiige Zwillinge entstehen immer dann, wenn eine einzelne Eizelle von einem einzigen Spermium befruchtet wird und sich dann in zwei Keimanlagen aufspaltet. Warum das passiert, konnte bis heute noch nicht geklärt werden. Beide Embryonen haben das gleiche Geschlecht, teilen sich häufig eine Plazenta, haben dieselbe Blutgruppe, dieselben genetischen Informationen und sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Zweieiige (dizygote) Zwillinge gehen aus zwei Eizellen hervor, die jeweils von verschiedenen Spermien befruchtet wurden. Man könnte sagen, bei einer Zwillingsschwangerschaft mit zweieiigen Zwillingen handelt es sich um zwei Schwangerschaften, die per Zufall gleichzeitig stattfinden. Das Geschlecht der Babys unterscheidet sich dabei häufig und sie tragen völlig unterschiedliche Erbanlagen in sich. Deswegen sehen sie sich oft nicht ähnlicher als gewöhnliche Geschwister, sie haben nur eben am selben Tag Geburtstag. Theoretisch ist es sogar möglich, dass zweieiige Zwillinge von unterschiedlichen Vätern sind. Wenn der zweite Eisprung, was durchaus vorkommt, um einige Tage verzögert ist, kann das zweite Ei von einem anderen Mann befruchtet werden.

Bekommen ältere Frauen häufiger Zwilinge? Wir verraten es im Video:

Wie erkennt man eine Zwillingsschwangerschaft?

Eine ungewöhnlich schnelle und hohe Gewichtszunahme erweckt bei vielen Schwangeren den Verdacht, Zwillinge zu erwarten. Das mag in einigen Fällen zutreffen, hundertprozentige Klarheit bringt jedoch nur ein Ultraschallbild. Zwischen der achten und der zwölften Schwangerschaftswoche wird der Arzt gezielt nach einer Mehrlingsschwangerschaft suchen und kann dann auch erkennen, ob es sich um eine Schwangerschaft mit eineiigen Zwillingen handelt und ob diese sich eine Plazenta teilen. Eine gemeinsame Plazenta stellt ein erhöhtes Schwangerschaftsrisiko dar, darum sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt während einer Zwillingsschwangerschaft besonders wichtig und finden auch häufiger statt als bei gewöhnlichen Schwangerschaften.

Welche Komplikationen sind zu erwarten?

Zwei Babys bedeuten nicht nur doppeltes Glück – für den weiblichen Körper stellt eine Zwillingschwangerschaft auch eine höhere Belastung dar. Die lästige  Schwangerschaftsübelkeit macht sich bei den Schwangeren meist stärker bemerkbar und sie leiden häufiger unter Bluthochdruck, Gestosen, Blutungen und Eisenmangel. Auch muss ihre Wirbelsäule eine beträchtliche Menge an Mehrgewicht tragen.

Um den Alltag gut zu meistern, hilft es, so oft wie möglich eine kurze Pause zu machen und die Beine hochzulegen. Wirksam gegen Rückenschmerzen sind außerdem Gymnastikübungen und Yoga, denn dadurch wird die Rückenmuskulatur gestärkt. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung versorgt die Schwangere mit allen wichtigen Nährstoffen und verhindert eine überhöhte Gewichtszunahme, die die Schwangerschaft und den Geburtsverlauf belasten kann.

Ist das Risiko bei einer Zwillingsschwangerschaft grundsätzlich erhöht?

Medizinisch gesehen gelten Zwillingschwangerschaften immer als sogenannte Risikoschwangerschaften. Weil sie aber sehr genau überwacht werden, verläuft der Großteil ohne Probleme. Es kann jedoch auch zu Komplikationen kommen. Wenn sich die Föten eine Plazenta teilen, aber getrennte Fruchthöhlen haben, droht das Risiko des fetofetalen Transfusionssyndroms (FFTS): Der Blutaustausch der Ungeborenen ist nicht im Gleichgewicht – während das eine Blut abgibt, nimmt das andere es nur an. Die Fruchtwassermenge des Letzteren steigt dadurch stark an, was zum Absterben beider Föten führen kann. Bei einer Früherkennung kann der Arzt das FFTS in der Regel gut therapieren und die Kinder werden gesund geboren. Frauen mit dieser Föten-Konstellation sollten darum einen 14-tätigen Kontroll-Rhythmus einhalten.

Teilen sich die Babys hingegen sowohl Fruchthöhle als auch Plazenta, funktioniert der Fruchtwasserausgleich zwar meist gut, jedoch besteht in diesem Fall ein anderes Risiko: Die Nabelschnur eines Fötus kann sich um den Hals des jeweils anderen schlingen, was für beide lebensgefährlich ist. Bei Schwangeren mit dieser Konstellation wird darum meist zwischen der 32. und der 34. SSW ein Kaiserschnitt durchgeführt.

Zum Glück geht auch in einer Zwillingschwangerschaft meist alles gut. Zwillinge kommen in der Regel etwas früher auf die Welt als einzelne Kinder, weil der Platz in der Gebärmutter für beide schneller eng wird. Kündigt sich die Geburt bis zur  38. SSW noch nicht an, wird sie spätestens dann künstlich eingeleitet. Die Säuglinge sind nicht so groß und im Durchschnitt ein Kilo leichter sind als einzeln geborene Babys. Bei dem ersten Kind muss sich der Muttermund noch weiten, das zweite kommt meist schnell hinterher. Um die Risiken so überschaubar wie möglich zu halten, sollte eine Zwillingsgeburt immer in einer Klinik stattfinden.

Frauenärztin erklärt: Worauf müssen Zwillings-Mamas achten?


Seitenanfang