Neue Studie? Na und!

Warum wir unsere Babys nicht schreien lassen

Eine Studie behauptet: Babys schadet es nicht, wenn Eltern sie beim Einschlafen schreien lassen. Angeblich kann ihnen das Schlaflernprogramm der Ferber-Methode helfen, zur Ruhe zu kommen. Das mag sein, wir lassen unsere Babys trotzdem nicht schreien.

Autor: Heike Byn
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Studie zur Ferber-Methode: Schreien schadet Babys nicht

Studie schreien lassen
Foto: © Fotolia

Schlaflernprogramme wie die Ferber-Methode, bekannt aus dem Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen", sollen Babys helfen, das Einschlafen zu lernen. Eine Ende Mai 2016 veröffentlichte Studie australischer Forscher der Flinders University hat den vermeintlichen Erfolg des Programms an 43 Babys untersucht. Ergebnis dieser Studie: Die untersuchten Babys schliefen auf Dauer besser ein, ihr Stresslevel (gemessen durch den Cortisol-Level im Blut) blieb normal und die Eltern-Kind-Bindung litt auch nicht darunter. Natürlich wollen wir das Beste für unser Kind – und interessieren uns auch für Forschung rund ums Baby. Aber nun deswegen unser Baby schreien lassen? Wir sagen aus 5 Gründen ganz laut „Nein!".

1. Wir hören auf unser Bauchgefühl

Das Baby schreit minutenlang – und niemand kommt, um es zu trösten: Für viele Mütter und Väter fühlt sich das einfach nur schrecklich und falsch an. Wenn Babys abends weinen, weil sie nicht einschlafen können, dann sind sie verzweifelt. Auf diese Art bitten sie um Hilfe, weil sie sich noch nicht selbst beruhigen können. Kinder brauchen Körperkontakt, Geborgenheit, Zuwendung und Sicherheit – und ihre Eltern, um wieder zur Ruhe zu kommen. Deshalb ist es völlig okay, wenn du das Schreien deines Babys nicht erträgst und zu ihm gehst.

2. Wir wollen unseren Babys Vertrauen geben

Viele Eltern, Pädagogen und Familientherapeuten kritisieren die Ferber-Methode heftig: Wer sein Baby über einen längeren Zeitraum schreien lässt, gefährde die vertrauensvolle Bindung zwischen Eltern und Kind. Ob das im späteren Leben zu Schlaf- und Bindungsproblemen führen kann, ist noch gar nicht abschließend erforscht. Schließlich wendeten erst in den 1990er Jahren die ersten Eltern die Ferber-Methode an.


3. Wir WOLLEN für unsere Babys da sein

Wenn du dein Baby am Abend immer wieder alleine weinen lässt, dann schläft es irgendwann vor Erschöpfung ein. Dadurch hat es aber keineswegs gelernt, wie es sich selbst beruhigen und alleine einschlafen kann, sondern nur dass niemand auf sein Schreien reagiert, wenn es deine Hilfe doch besonders nötig hat.

4. Unsere Babys sind kein Versuchsobjekt

Du hast ein Schreibaby, das seit Wochen fast täglich stundenlang am Stück schreit und bist mit den Nerven am Ende? Kein Wunder. Was du und dein Baby jetzt brauchen, kann euch kein Schlaflernprogramm mit endlosen abendlichen Versuchsreihen geben. Frag lieber einen Profi um Rat, z.B. die Hebamme, den Kinderarzt oder die Berater in einer Schreiambulanz.

5. Eine Studie mit 43 Babys ist ein Witz

Bei den 43 Babys, die an der Studie teilnahmen, konnten die Forscher keinen Anstieg des Stresshormons Cortisol feststellen. Das soll uns Eltern als Ergebnis reichen, um die Erfolge der Ferber-Methode zu untermauern? Eine ernstzunehmende, repräsentative Studie sieht da ja wohl anders aus. Außerdem: Wie haben die Forscher denn bitte die Intensität der Eltern-Kinder-Bindung nach den Versuchen gemessen? Zu diesem wichtigen Punkt gibt die Studie keine Auskunft.

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