Angst, Faulheit oder Stress?

Mein Mann kümmert sich nicht ums Baby!

Eigentlich hat auch er sich Nachwuchs gewünscht. Doch seit das Baby da ist, vergräbt sich der junge Vater in seinem Job oder sitzt nur vor dem PC. Kontakt zum Baby hat er kaum. Woran es liegt, und was eine Frau jetzt tun kann.

Autor: Gabriele Möller
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Der Steilsprung vom Mann zum Vater

Mutter alleine Baby
Foto: © fotolia.com/ vodolej

"Mein Partner kümmert sich fast nie freiwillig um unseren Sohn (16 Monate). Stattdessen spielt er lieber Wii oder sitzt am Computer. Wenn ich frage, ob er auch mal was mit ihm unternehmen könnte, sagt er: 'Bring ihn doch rüber!', direkt neben uns wohnen nämlich seine Eltern", erzählt eine urbia-Userin.
Weiter klagt sie: "Ich mache gerade meinen Uni-Abschluss. Ich muss mich zudem um den  Haushalt kümmern, ich räume meinem Freund alles hinterher und bin diejenige, die nachts fürs Kind aufsteht."

Bevor ein Kind kommt, geht es für die Partner meist vor allem darum, einen Job zu finden, in dem man zufrieden ist, und in seiner Freizeit Dinge zu tun, die einem Spaß machen. Doch dann bekommen beide von einem Tag auf den anderen eine ganz neue Verantwortung aufgepackt, und es scheint, dass Frauen diese manchmal leichter übernehmen. Vielleicht, weil sie durch den wachsenden Bauch neun Monate lang daran erinnert wurden, dass sie bald Mutter sein werden. Väter dagegen tun sich nicht selten schwerer mit der neuen Rolle. Wenn ein Mann sich wenig um sein Kind kümmert, kann das dennoch sehr verschiedene Ursachen haben. Es hängt vom Typ, der eigenen Kindheit, dem Rollenverständnis, aber auch vom Job ab.

Der ängstliche Vater: Sind Babys nicht zerbrechlich?

"Bei uns muss alles ich machen. Mein Mann traut sich nicht, unsere Kleine zu füttern oder zu wickeln. Beim Baden kann ich es ja noch verstehen, aber wenn ich sie ihm auf den Arm lege, tut er so, als könnte sie zerbrechen ", schildert eine Mutter die Angst des frischgebackenen Papas. Bei den Zauderern unter den Vätern fahren Frauen oft am besten, wenn sie ihnen das Baby vom ersten Tag an ganz selbstverständlich in die Arme legen und zum Beispiel sagen: "Du musst jetzt einmal wickeln, ich kann noch nicht so gut aufstehen." Väter, die sich auch dieser sanften Überrumpelung verweigern, müssen manchmal in kleineren Schritten an die  Babypflege herangeführt werden. Zum Beispiel beim Baden: "Halte bitte einmal kurz das Baby, ich muss ein Handtuch holen." Je länger eine Frau dagegen alles allein macht, desto höher kann die innere Hürde für den unsicheren Vatertyp werden.

Der gestresste Vater: Ich habe doch schon einen Job!

Wer im Job stark gefordert wird, dem fällt es oft schwer, die wenige Freizeit mit dem Baby zu teilen. "Unser Sohn ist nun sieben Wochen alt. Mein Mann kümmert sich nicht um ihn. Er arbeitet nachts, so dass er tagsüber schläft, und so sieht er ihn auch nur drei bis vier Stunden. Die meiste Zeit sitzt er dann aber am PC", erzählt eine urbia-Userin. Gestresste Väter finden oft, dass sie in der Freizeit ein Recht darauf haben, ungestört zu sein. Doch hat auch die Mutter, falls sie diejenige ist, die nach der Geburt des Kindes Vollzeit zu Hause bleibt, Anspruch darauf, täglich etwas Zeit für sich zu haben, schließlich ist sie 24 Stunden "im Dienst". Außerdem brauchen Kinder ihren Papa, und zwar von Anfang an. "Kinder sind für ihre gesunde Persönlichkeitsentwicklung auf beide Eltern angewiesen", betont Wera Fischer, Dipl.-Sozialarbeiterin und Mediatorin aus Sinsheim.

Auch kleine Einsätze knüpfen das Band zum Kind

Auch mit wenig Freizeit kann ein Mann ein guter Vater sein. Und zwar, indem er kleinere, aber regelmäßige Aufgaben übernimmt: das Kind zweimal wöchentlich badet, am Wochenende einen Morgen lang früh aufsteht und das Baby versorgt, während die Mutter ausschläft, den Nachwuchs beim Abendessen auf den Schoß nimmt, damit auch die Mutter mal die Hände frei hat, am Wochenende mit dem Baby zum Autowaschen oder zum Getränkekauf geht. Dies ist schon viel, denn für die Bindung zum Kind "muss der Vater nicht im gleichen Umfang wie die Mutter in die Versorgung des Kindes einbezogen sein. Erfahrungsgemäß entwickeln Kinder selbst bei der traditionellen Rollenaufteilung intensive Beziehungen zu beiden Eltern", betont Wera Fischer. Entscheidend sei jedoch, wie gut es dem Vater gelinge, die Bedürfnisse seines Kindes zu erkennen.

Der geistesabwesende Vater oder: das unbekannte Kind

Die Bedürfnisse des Kindes zu erspüren - dafür reicht es nicht, dass ein Vater hier und da mit ihm spielt oder es versorgt. Er muss sich auch innerlich darauf einlassen. "Wenn mein Mann etwas mit unserer kleinen Tochter macht, muss sie immer das tun, was er meint, das sie jetzt tun soll. Wenn sie dazu keine Lust hat, gibt er enttäuscht auf und zieht sich zurück. Es fällt ihm unheimlich schwer, sich auf sie einzulassen. Er ist oft geistig abwesend und reagiert gar nicht auf die Kleine", berichtet eine Userin. „Das ist ein weiser Vater, der sein eigen Kind kennt”, wusste schon William Shakespeare. Um sein Kind aber wirklich kennenzulernen, muss sich ein Vater auch zurücknehmen können, es beobachten und verstehen lernen, was es jetzt gerade braucht.

Der gestrige Vater: sind Mütter nicht sowieso wichtiger?

Auch wie ein Mann seine eigenen Eltern erlebt hat, prägt ihn. Fand der eigene Vater kaum statt und war die Mutter weitgehend allein für alle Bedürfnisse zuständig, fehlt dem frisch gebackenen Vater schlicht das Vorbild. Solche Männer pflegen oft die Überzeugung, dass eine Mutter "eh besser weiß, wie man mit Kindern umgeht." Doch sei dem Mythos 'Mütter sind wichtiger als Väter' längst die wissenschaftliche Basis entzogen, betont Fachfrau Wera Fischer, es gebe keinen wichtigeren oder unwichtigeren Elternteil.

Damit auch dieser Vatertyp gut in seine neue Rolle findet, kann eine Frau ihm helfen. Zum Einen indem sie das Baby oft für ihn "übersetzt", ihm also dessen Signale und Gesten erklärt: "Schau, sie streckt die Ärmchen und Beinchen energisch weg und knöttert - sie ist ungeduldig, weil sie Hunger hat". Zum Anderen kann sie konkret formulieren, was sie erwartet: "Ich möchte, dass du unser Kind jeden zweiten Tag ins Bett bringst, damit es lernt, dir zu vertrauen. Ich wünsche mir, dass Du Samstagnacht aufstehst und mir das Baby zum Stillen anreichst (bzw. die Flasche gibst). Am Sonntag könntest du ein Stündchen mit ihm spazieren gehen, dann seid ihr Zwei mal unter euch. " 

Der entmutigte Vater: Ich mache sowieso alles falsch!

Nicht immer liegt es am Vater, wenn der sich zu wenig einbringt. Es gibt Frauen, die ihren Mann für zu linkisch, zu ungeschickt oder zu wenig informiert halten, um wirklich gut für das Baby zu sorgen. Kaum hebt er das Kind hoch, wird ihm schon gesagt, dass er es nicht richtig hält. Bei seinen ungeübten Wickelversuchen wird sie schon vom Zuschauen so ungeduldig, dass sie ihn zur Seite schiebt und es lieber selbst macht. Will auch er einmal die Flasche geben, sagt sie beim ersten Protest des Babys: "Das Kind ist es halt gewohnt, dass ich das mache", und schon ist er es wieder los.

Ein Mann, der nichts recht machen kann, wird sich aber vom Zweierteam Mutter-Kind irgendwann abgehängt fühlen und sich nicht selten zurückziehen. Frauen, die sich hier wiedererkennen, sollten sich daher in Vertrauen üben. Am besten gehen Mütter mit Neigung zum Perfektionismus aus dem Zimmer, wenn der Mann das Baby badet oder wickelt, die beiden schaffen das allein. 

In der Schwangerschaft die Weichen stellen

"Am Anfang habe ich meinen Mann mit der Babypflege in Ruhe gelassen, weil ich dachte, unser Sohn ist eh zu klein. Aber jetzt finde ich, dass es meinem Mann Spaß machen sollte, ihn zu baden oder ins Bett zu bringen. Er hat das nur ein Mal gemacht, nachdem ich ihm das aufdringlich vorgeschlagen habe", erzählt eine enttäuschte Mutter. Das Beispiel zeigt: Eine Frau sollte ihren Partner unbedingt von Beginn an mit einbeziehen. Das  Wochenbett ist dabei eine gute Gelegenheit, einem Mann einen Crashkurs in Sachen Babyvater zu geben: Viele Männer haben jetzt etwas Urlaub genommen und wollen die Partnerin entlasten - und genau dazu sollte frau ihnen auch die Gelegenheit geben.

Damit dieser Einstieg für den Mann leichter klappt, sollte ein Paar sich aber bereits gegen Ende der Schwangerschaft einmal zusammen setzen und sich die erste Zeit mit dem Baby ausmalen:

  • Babys werden oft mehrere Male pro Nacht wach. Eine Mutter, die hier immer allein zuständig ist, kann tagsüber keine geduldige Mutter (und Partnerin) mehr sein. Wie wird der Vater sie hier entlasten? Vielleicht im zweitägigen Wechsel? An den Wochenenden?
  • Freizeit wird knapper. Auch wer einen anstrengenden Job hat, kann sich jetzt nicht mehr auf den "Feierabend" berufen. Denn eine Mutter hat ebenfalls einen stressigen, verantwortungsvollen Job. Wie werden beide zu etwas Freizeit kommen? Vielleicht kann der Mann sich nach der täglichen Heimkehr kurz ausruhen, um dann für anderthalb Stunden das Baby zu übernehmen? 
  • Die Wochenenden verändern sich. War ein Mann es vielleicht gewohnt,  sich viel mit seinen Freunden zu treffen, gilt jetzt: gleiches Recht für alle. Auch die Frau braucht einen Abend für sich, ihre Freundinnen, einen Gang ins Kino. Manchmal möchte eine müde Mutter aber gar nicht ausgehen, doch ist auch dies ist kein Freifahrtschein für Wochenenden nach Junggesellenart. Denn im  Babystress ist es wichtig, auch mal nur auf dem Sofa zu kuscheln oder zu reden.
  • Aktivitäten mit Freunden werden schwieriger. Solange ein Säugling noch zu jung ist, um ihn dem Babysitter oder den Großeltern zu überlassen, können beide sich zum Beispiel bei Abendeinladungen abwechseln.

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