Länger stillen als ein Jahr?
Langzeitstillen – warum Mütter sich dafür entscheiden
Über 90 Prozent aller Babys werden in Deutschland nach der Geburt gestillt. Doch wer seinem Kind auch noch mit einem Jahr oder länger Muttermilch gibt, rührt an ein Tabu. Langzeitstillen stößt häufig auf Befremden. Ist das berechtigt? Welche Vorteile hat das lange Stillen, und gibt es auch Nachteile?
Ab wann spricht man vom "Langzeitstillen"?
Ab wann für sie „langes“ Stillen beginne, wurden Frauen im Rahmen einer Studie der Hochschule Ulm 2008 gefragt. Die Antworten umfassten eine Stilldauer zwischen nur einem und 96 Lebensmonaten (acht Jahre). Für die meisten Befragten aber fing das Langzeitstillen bei zwölf Monaten an. Was beim Stillen „lang“ bedeutet, ist nicht definiert und scheint eine Frage des Bauchgefühls zu sein. Dem wird die lebensnahe Definition von Hebamme Regine Gresens aus Hamburg vielleicht am besten gerecht: „Mütter fühlen sich meist dann als Langzeitstillende, wenn sie regelmäßig auf die Frage ‚Stillst du immer noch?’ antworten müssen. Oder wenn sie in ihrem Umfeld keine anderen Mütter mit gleichaltrigen Kindern mehr kennen, die ebenfalls noch stillen."
Mit Langzeitstillen ist dabei ein Stillen gemeint, das zusätzlich zur Beikosteinführung weitergeführt wird, nicht das ausschließliche Stillen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, Kinder vier bis sechs Monate voll zu stillen und nach Beikoststart noch beliebig weiterzustillen. Viele Ärzte und Hebammen raten auch, ein Kind vier bis sechs Monate voll zu stillen, unter anderem, um Allergien vorzubeugen.
Langes Stillen – das Natürlichste der Welt
urbia hat Langzeit-Stillmütter gefragt, warum sie länger stillen als viele andere Frauen. Dabei wurde deutlich: Die meisten von ihnen sehen das lange Stillen einfach als das Natürlichste der Welt an: „Für mich ist der Gedanke absonderlich, wenn man ein Kind abstillt, weil es schon X Monate alt ist - ihm aber dann noch Pré-Nahrung oder Ähnliches füttert, weil das Kind ja ‚die Milch braucht’“, wundert sich Sabine (40), die ihren älteren Sohn anderthalb Jahre, und ihren jüngeren Sohn sogar viereinhalb Jahre gestillt hat. „Solange ein kleines Kind noch täglich Milch braucht, ist meiner Meinung nach Menschenmilch das Richtige. Kuhmilch ist für Kühe, und sollte nur im Notfall für Menschenbabys benutzt werden.“
Melli (31) stillt ihren 19 Monate alten Sohn im Moment tagsüber noch zwei bis drei mal und nachts noch ein bis zwei mal. Sie genießt vor allem die innige Nähe zu ihrem Kind: „Am schönsten daran finde ich einfach die Kuschelzeit. Es wäre für mich auch okay, wenn mein Sohn einfach in meinem Arm liegen würde ohne Stillen, das wäre ebenso schön.“ Sie richtet sich aber hier ganz nach ihrem Sohn: „Stillen will ich eigentlich, solange mein Sohn will. Aber wenn er mal in den Kindergarten geht, dann höre ich wohl auf."
„Das Schöne am langen Stillen ist zum Beispiel, dass man seinem Baby auch in der Beikoststart-Phase immer noch ganz viel Nahrung und Nähe geben kann. Dann ist es auch noch Trost, Beruhigung, ‚Runterkommen’ nach einem stressigen Tag (für beide, Mutter und Kind). Und immer ist da auch noch diese unbeschreibliche Nähe, die man zum Kind hat“, schwärmt Tanja (39), die ihr drittes Kind mit 21 Monaten noch stillt und auch die ersten zwei Kinder lange gestillt hat. „Dazu kommt noch, dass es keine einfachere Methode gibt, ein Kind auch nachts wieder zum Schlafen zu bringen, und das ohne Schnullersuche, Herumtragen etc."







