Stillen

Stillen – für Säuglinge gibt es nichts Besseres

Stillen wird heute allgemein empfohlen.  Was ein Säugling mit der Muttermilch einsaugt, enthält alle Nährstoffe, die er in dieser empfindlichen Lebensphase benötigt. Außerdem sorgen die innigen Momente zwischen Mutter und Kind für eine starke Bindung und geben dem schutzlosen Wesen das Gefühl von Sicherheit.

Stillbaby
Foto: © D. Ott - Fotolia.com

Noch vor einigen Jahrzehnten rieten die Ärzte vom Stillen ab. Stattdessen sollte künstlich hergestellte Ersatznahrung, meist auf Basis von Kuhmilch, dem Kind als Nahrung für die ersten Lebensmonate dienen. Was die Natur also über hunderttausende von Jahren entwickelt hatte, war plötzlich nicht mehr gut für das Baby. Heute weiß man jedoch, wie wichtig  Stillen für die körperliche und emotionale Gesundheit eines Babys ist. Daher wird eindeutig dazu geraten, sein Kind mindestens sechs Monate voll zu stillen. Wie oft und wie lange, wo Probleme lauern und wie du diese angehen kannst, erfährst du hier.

Die gesundheitlichen Vorteile des Stillens

Muttermilch hat die optimale Zusammensetzung, um vom kindlichen Organismus bestmöglich aufgenommen und verarbeitet zu werden. Schließlich ist sie genau für diesen Zweck von Mutter Natur geschaffen worden. Je nach Bedarf ändert sich die Zusammensetzung der Nährstoffe ständig. Insbesondere die Vormilch, das sogenannte Kolostrum, ist reich an Nährstoffen. Sie bildet sich bereits am Ende der Schwangerschaft und steht so für das Neugeborene zur Verfügung, sobald es auf der Welt ist. Es ist faszinierend, wie der mütterliche Körper beinahe umgehend auf die Bedürfnisse des Babys reagiert. Die folgenden Werte können nur als allgemeine Richtwerte gesehen werden.

Muttermilch enthält:

  • Pro 100 Gramm rund 7 Gramm Kohlenhydrate, 1,2 Gramm Eiweiß und 4 Gramm Fett
  • Vitamine: B1, B2, B6, B12, Nicotinamid, Pantothensäure, Folsäure, A, C, D, E, H, K und mehr
  • Mineralstoffe und Spurenelemente nach Konzentration: K, Cl, Ca, Na, P, Mg, Zn, Fe, Cu, F, J, Mn und Co.
  • Abwehrstoffe des mütterlichen Immunsystems: Makrophagen, Lymphozyten, Antikörper und mehr

Einzig die Konzentration an Vitamin K gilt als zu niedrig, um einen Mangel ausgleichen zu können. Etwa eins von 30.000 Neugeborenen weist einen solchen Mangel auf. Dieser kann sich negativ auf die Blutgerinnung auswirken, was im Extremfall zu inneren Blutungen und zum Kindstod führen kann. Aus diesem Grund wird Müttern, die Ihr Baby anfangs voll stillen möchten, die zusätzliche Gabe des Vitamins empfohlen. Das geschieht heute routinemäßig bei den ersten drei U-Untersuchung oder alternativ durch die tägliche Gabe des Vitamins in Tropfenform.

Insbesondere für die Entwicklung eines gut funktionierenden Immunsystems ist Stillen optimal. Studien wiesen bei voll gestillten Babys sowohl ein vermindertes Risiko an schweren Infektionen zu erkranken, als auch eine geringere Säuglingssterblichkeit nach. Angeregt durch die mütterliche Immunabwehr bildet das Kind später leichter einen eigenen, starken Immunschutz aus. Doch nicht nur körperlichen, sondern auch psychischen Leiden kann durch Stillen vorgebeugt werden. Studien deuten darauf hin, dass gestillte Kinder später seltener zu Süchten wie Alkoholismus oder psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie und Depressionen neigen.

Auch die Mutter profitiert vom Stillen. Gerade in der Wochenbettphase trägt es erheblich zu einer raschen Rückbildung der Gebärmutter und zur Wundheilung bei, indem es die Produktion des körpereigenen Hormons Oxytocin anregt. Außerdem wurde festgestellt, dass Stillen das Risiko mindert, später an Brustkrebs zu erkranken. Auch das Osteoporose-Risiko soll nachweislich sinken.

Stillen fördert die Mutter-Kind-Bindung

Stillen macht also gesund und kräftig. Aber Stillen macht auch stark und mutig. Denn die intimen Momente mit seiner Mama vermitteln einem Baby besonders viel Geborgenheit. Heute ist es normal, das Neugeborene gleich nach der Geburt auf Mamas – oder bei einem Kaiserschnitt auf Papas – Bauch zu legen. Das sogenannte Bonding hilft dem Baby, sich in seiner neuen Welt zurecht zu finden. Neben der körperlichen Nähe wird auch dazu geraten, das Kind so bald wie möglich nach der Geburt zum Stillen anzulegen. Das ist nicht nur für seine Gesundheit sehr wichtig – ein Neugeborenes braucht Flüssigkeit und die reichhaltigen Nährstoffe aus der Vormilch –, sondern unterstützt auch die Mutter-Kind-Bindung.

Dank Erkenntnissen aus der Hirnforschung weiß man heute, dass eine geborgene, sichere Umgebung entscheidenden Einfluss auf die psychische und geistige Entwicklung eines Menschen hat. Kinder, die gestillt werden, sind vertrauensvoller und weniger ängstlich. Auch auf die Entwicklung der Sprache, Motorik und die visuelle Wahrnehmung wirkt sich das Stillen positiv aus. Die beste Kombination für eine enge Mutter-Kind-Bindung ist Stillen und Tragen.

Mindestens ein halbes Jahr sollte voll gestillt und anschließend schrittweise Beikost eingeführt werden. Insgesamt empfiehlt die WHO eine Stilldauer von 24 Monaten.

Richtig stillen: So geht’s

Viele Mütter haben vor der Geburt ihres ersten Kindes Angst davor, dass ihnen das Stillen Probleme bereitet oder wehtun könnte. Diese Sorgen resultieren zumeist aus Unwissenheit und mangelnder Aufklärung. Um einen möglichst leichten Start beim Stillen zu haben, sollte sich die werdende Mutter am besten schon in der Schwangerschaft von ihrer Hebamme aufklären lassen oder sich an eine spezielle  Stillberaterin wenden. Auf diese Weise lassen sich viele Unsicherheiten bereits im Vorfeld beseitigen. Ist es dann soweit für Babys erste Mahlzeit, geht die Mama gut vorbereitet an die Sache heran. Und mit dem  richtigen Anlegen klappt’s bestimmt. So wird das erste Stillen für beide ein wunderschönes Erlebnis:

  1. Stimuliere den Saugreflex deines Babys, indem du es mit dem Finger oder der Brustwarze leicht am Mundwinkel kitzelst.
  2. Hat dein Baby den Mund weit geöffnet, führst du es an deine Brustwarze heran.
  3. Achte darauf, dass es nach Möglichkeit die ganze Brustwarze inklusive Warzenvorhof in den Mund bekommt.
  4. Halte das Köpfchen die ganze Zeit über sicher fest und streichel es sanft. Halte den Blickkontakt zu deinem Baby.
  5. Lasse es so viel trinken, wie es möchte und gib ihm die Zeit, die es braucht.

Es gibt eine Reihe von Produkten auf dem Markt, die das Stillen erleichtern oder bei Stillproblemen Abhilfe schaffen sollen. Einige dieser Produkte können durchaus nützlich sein, auf andere kannst du aber getrost verzichten. Stilleinlagen sind zum Beispiel sehr nützlich, da Muttermilch auch dann austreten kann, wenn das Baby gerade nicht gesäugt wird. Sie fangen die Milch auf und verhindern so, dass sich nasse Flecken auf der Kleidung abzeichnen. Auch  Milchpumpen können Vorteile bringen, da sie die Mutter etwas flexibler machen, etwa wenn sie auch einmal etwas ohne das Baby erledigen, abends ausgehen oder bald wieder arbeiten möchte. Bei wunden Brustwarzen können Stillhütchen helfen. Sie sollten allerdings nur im akuten Fall eingesetzt werden, da sie die Milchproduktion vermindern können.

Kann jede Mutter stillen?

Nur zwei bis drei Prozent der Frauen können aus verschiedenen Gründen wirklich nicht stillen. Die Ursachen dafür liegen meist in einer Hypogalaktie (die Mutter produziert zu wenig Muttermilch), hochinfektiösen Krankheiten (AIDS, Tuberkolose etc.) oder psychischen Störungen wie Depressionen und anderen  in der Stillzeit medikamentös behandelten psychischen Erkrankungen. Auch eine  Lippen-Kiefer-Gaumenspalte kann Probleme beim Stillen verursachen. Bei  Frühchen ist oft der Saugreflex noch nicht stark genug ausgebildet, sodass sie eigenständig nicht genug Milch aufnehmen können. In den letzten beiden Fällen ist das Stillen aber nicht per se unmöglich, ja sogar wichtig für den Aufbau einer gesunden Mutter-Kind-Beziehung. Hier kann beispielsweise abgepumpte Milch zugefüttert werden, falls das Baby nicht aus eigener Kraft in der Lage ist, ausreichend Milch aufzunehmen. Gerade in diesen Fällen helfen Stillberaterinnen, die Müttern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Mütter, die beim Stillen Schmerzen haben, unter Entzündungen oder ständig wunden Brustwarzen leiden, haben oft den Dreh noch nicht heraus. Hier hilft die  Nachsorgehebamme weiter, bespricht die Probleme und zeigt alternative Haltungen oder kleine Tricks, mit denen es sicher bald besser klappt.


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