Probleme meistern, an Krisen wachsen
So kommen Kinder im Leben zurecht
Der beste Freund wendet sich plötzlich ab. Mama und Papa streiten sich oft. In der Schule läuft es schwierig. Kinder sind mit unzähligen Enttäuschungen und beängstigenden Situationen konfrontiert. Wie schaffen sie es, sich von den kleinen und großen Stolpersteinen des Lebens nicht unterkriegen zu lassen?
Verzweiflung? Krisen? Was ist das?
"Habt um mich keine Angst. Ich komme immer zurecht.“ So tönt, unbekümmert und restlos von sich überzeugt, ein neunjähriges Mädchen, das ohne Mutter und Vater in einer kunterbunten Villa wohnt. Ein Koffer voller Gold, ein Pferd und ein Äffchen gehören zu ihr – und unglaubliche Superkräfte. Egal, welche Widrigkeiten das Leben für sie bereit hält, nichts bringt sie aus der Fassung, nichts um ihre Lebensfreude. Fantasie hin, Realität her: Wäre es nicht schön, wenn alle Kinder ein kleines bisschen Pippi Langstrumpf wären? Autark, nicht unterzukriegen, nichts einfach hinnehmend, sondern ihre Welt selbst gestaltend – und glücklich und zufrieden damit?
Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Selbständigkeit
Ja, sagen im Prinzip die meisten Eltern: Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit sind die Haupteigenschaften, die sie sich laut „Generationenbarometer 2009“ für ihre Kinder wünschen. In der Tat ist es das Wissen darum, wer man ist und was man kann (und auch, was man nicht kann) sowie das Vertrauen darin, dass man selbst etwas bewirkt, das Leben in der eigenen Hand hat und aktiv daran arbeitet, genau das, was Menschen stark und widerstandsfähig macht. Resilienz nennt man eine solche innere Kraft, die daraus erwächst, dass ein Mensch flexibel, eigenwirksam und unabhängig ist, und die dazu führt, dass man mit potentiellen Krisen gut fertig wird. Statt an Problemen zu verzweifeln, den Mut zu verlieren und auf einen Retter zu warten, akzeptieren resiliente Menschen Widrigkeiten als Teil des Lebens, als Herausforderungen, die lösbar sind und denen man sich eben stellt. Sie leiden zwar auch, richten sich aber nicht häuslich im Jammertal ein, sondern entscheiden, wie es weitergehen soll und machen sich wieder auf den Weg. Was dabei hilft, ein solches Stehaufmännchen zu werden, hat die Resilienzforschung – mit Einflüssen aus Medizin, Psychologie, Pädagogik, Anthropologie und Gesundheitsforschung – herausgefunden: ein ganzes Arsenal an förderlichen Schutzfaktoren, sowohl Aspekte des Charakters, der Familie und des Umfeldes.
Beharrlichkeit, Kontaktfreude, Fantasie: Die Vorteile des Charakters
Zuversichtlich, kreativ, ehrgeizig: Wer mit solchen Eigenschaften geboren wird, bringt einige hilfreiche Zutaten innerer Stärke schon mit auf die Welt. Auf andere leicht zugehen können, Beziehungen knüpfen, sich Freunde und Helfer erschließen, sind ebenfalls vorteilhafte Fähigkeiten. Auch die Fantasie hilft Kindern enorm, sich erfolgreich mit der Welt auseinanderzusetzen. Das zeigt nicht nur Pippi, sondern sogar fast idealtypisch Laura mit ihrem Stern: Ob sie allein ist, traurig oder wütend, Streit mit der Freundin oder Heimweh hat, ob sie sich ängstigt, dass die Familie verarmt oder den Eltern eine Missetat beichten muss – in ihrem Stern hat das Mädchen einen Vertrauten, der ihr durch dick und dünn hilft, mit dem sie sich Auszeiten nimmt, die ihr Gelegenheit geben, eigene Lösungen zu finden.
Lernen müssen alle Kinder – Stichwort Trotzphase – für ein selbstbestimmtes Leben vor allem erst einmal eines: auf ihre Bedürfnisse zu hören, auf sich zu achten und, wenn nötig, Nein zu sagen, so der Psychologe Wolfgang Jaede, der sich seit fast 20 Jahren mit Resilienz beschäftigt, in Freiburg die Psychologischen Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche leitete und als Ausbilder und Supervisor arbeitet. „Manchen, sehr altruistischen Kindern, fällt das richtig schwer, sie kümmern sich lieber um andere als um sich selbst. Wir kennen das auch als Bewältigungsstrategie in Familien, in denen die Kinder im Grunde aber mehr Fürsorge für sich selbst wünschen.“ Das heißt jedoch nicht, dass diese Kinder gleich von vornherein im Leben verloren haben. Für sie geht es darum, neue Perspektiven und Strategien zu verinnerlichen, die ihnen Kraft geben statt rauben.

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