Wunderbarer Kindermund

10 urkomische Kindersprüche

Kindermund ist schlichtweg goldig: die putzigen Buchstabenverdreher und Wortspiele, wortwörtlichen Interpretationen mit verblüffenden Ergebnissen, überrumpelnd ehrlichen Ansagen. 10 Sprüche und Situationen, für die wir unschuldige Kindermünder einfach nur zum Fressen süß finden.

Autor: Kathrin Wittwer
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Kindermund: zum Niederknien niedlich

Kindermund
Foto: © colourbox

Kinder können Erwachsene auf viele Weisen sprachlos machen. Die wohl schönste: kreativer Kindermund. Ja, natürlich – diese unbekümmerte, naive Offenheit von Kindern kann manchmal wirklich hochnotpeinlich sein. Viel häufiger lässt Kindermund uns zum Glück aber staunen, schmunzeln oder sogar Tränen lachen. Weil das unbeschwerte Experimentieren mit Sprache zu den tollsten Wortkreationen führt. Weil es uns auf herzigste Weise daran erinnert, dass man alles auch aus einer anderen Perspektive betrachten kann. Und weil uns damit auch erstaunliche Einblicke in kindliche Welt- und Weitsicht gewährt werden. Da wären zum Beispiel:

1. Kreative Wortschöpfungen

  • „Woher hast du das Käsebrötchen?“ „Wir durften uns ein Flanschpaket aussuchen.“
  • „Das ist eine Marzipanflöte.“
  • „Ich will auch ein Spaghettibrötchen.“
  • „Ich möchte noch mal Müllabfuhr.“*
  • „Das Ei ist mir zu verrostet!“*

Was war passiert?

Die Kita verteilte Verpflegungspakete für den Ausflug, es wurden Panflöten gebastelt, auf den Tisch kamen Baguette, Forelle Müllerin und ein gut gebräuntes Spiegelei. Und dann? Falsch verstanden? Verkehrt abgespeichert? Über die Aussprache gestolpert? Ein fremdes Wort durch ein vertrautes ersetzt? Reine Kinderlogik? Egal! Ob, wie an mehr oder weniger appetitlichen Kreationen ebenfalls durchs Netz schwirren, Pomaden beziehungsweise tote Maden, Marotten, Eis-Dieler mit „schwarzer Teller“-Eis, Cappuccinokresse, Müsli-Igel oder dem Tischgebet, in dem Gott für seine Gabeln gedankt wird: Das ist der Kindermund, der Elternherzen schier zum Schmelzen bringt und ein Lächeln in jedes Gesicht zaubert!

Was kommt als nächstes?

Hoffentlich noch viel, viel mehr davon!

Was tun?

Unbedingt alles aufschreiben und sammeln! Immer dann lesen, wenn die Stimmung einen Anschub braucht oder man sich übers Kind geärgert hat. Versöhnt und lässt wieder lachen!

2. Herzerwärmendes Nacheifern

Kind: "Mama! Mama! Ich weiß jetzt, was ich werd, wenn ich groß bin!" Mama: "Aha, ja was denn?" Kind: "Nix! ... so, wie du!"* 

Was war passiert?

Mama ist Hausfrau. Und das Kind hat offenbar entschieden, dass Mamas Leben lebenswert ist. Kann es etwas Schöneres geben?!

Was kommt als nächstes?

Das hängt von Mamas strategischem Geschick ab: Was kann ich dem Kind durch mein Vorbild noch alles schmackhaft machen? Gesundes Essen? Mehr Bewegung an der frischen Luft? Lernen macht Spaß? Nun ja… realistisch bleiben.

Was tun?

Stolz sein! Die Gunst der Stunde pragmatisch nutzen: So nach und nach die Hausarbeit schon mal an den Nachwuchs übertragen. Übung macht ja bekanntlich den Meister.


3. Überrumpelndes Spießumdrehen

U-Termin beim Kinderarzt. Die Arzthelferin bittet den Prüfling, 5: „Ich male jetzt zwei Linien. Du sagst mir, welche die längere ist.“ Kein Problem. Die Arzthelferin: „Gut. Dann malst du mir jetzt bitte einen Menschen.“ Prüfling malt zwei deutlich unterschiedliche Beine. Und spricht: „Gut. Und jetzt sagst du mir, welches Hosenbein länger ist.“

Was war passiert?

Klassisches Beispiel für „Angriff ist die beste Verteidigung“: Immer wollen die Erwachsenen, dass ich mache, was die mir sagen. Es reicht. Wollen doch mal sehen, ob die wirklich so schlau sind, wie sie immer tun! Und mit dem Charme wird der kleine Spießumdreher noch weit kommen. 

Was kommt als nächstes?

Wenn das Kind den Applaus liebt: Pausenclown-Gefahr. Aber mal ehrlich – wer wird sich davon schon diesen Spaß verderben lassen?!

Was tun?

Der Arzthelferin ein Taschentuch für die Lachtränen reichen. Gleich den nächsten U-Termin buchen.

4. Überraschende Lobhudeleien

„Mama, du bist einfach unvergesslich!“

Was war passiert?

Wechselwäsche für nach dem Abkühlspaß im städtischen Springbrunnen? Schläppchen fürs Bällebad? Das Lieblingsknusperbrot, ohne das das Kind auf der zehnminütigen Autofahrt dem Hungertod nahe kommen würde? Der Sportbeutel mit dem zweiten Paar Turnschuhe für draußen? Fünfzig Cent für den Kuchenbasar? Mama denkt wirklich immer an alles! Und endlich endlich endlich hat das Kind das auch mal gemerkt.

Was kommt als nächstes?

Bevor Mama einen Höhenflug bekommt, tut sie garantiert was, was das Kind wieder „total enttäuscht“ – und unfreiwillig anrührende „Ich hase dich!!!!!!“-Zettel nach sich zieht.

Was tun?

Keine allzu großen Erwartungen in Sachen zukünftige Wertschätzung hegen. Den Moment genießen und sich selbst einen Orden anheften. Den Tag zum ganz persönlichen besten Muttertag aller Zeiten erklären.

5. Gnadenlose Ehrlichkeit

„Opa, das Thema hatten wir schon.“

Was war passiert?

Opa hat einmal mehr eine seiner „Ich bin ein toller Hecht“-Geschichten zum Besten gegeben. Die Erwachsenen sind zu höflich, ihn darauf hinzuweisen, dass sie die schon selbst mitsprechen können und ihnen die Prahlerei zum Hals raushängt. Das Kind nicht. Zum Glück. 

Was kommt als nächstes?

Das Kind ist in Fahrt und holt zum Rundumschlag aus: „Oma sieht morgens aus wie ein Igel. Ganz wusselig.“ Auch die Eltern bleiben nicht verschont: „Mama, wie alt bist du? 60?“

Was tun?

Jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt, um zwischen dem nötigen Mindestmaß an Takt und bewundernswerter Ehrlichkeit die richtige Balance in die Wege zu leiten. Abstruse Altersschätzungen sind aber garantiert keine Beleidigungen: Kinder leben nach dem Motto „Je mehr desto besser“. Wenn Leons Mama also 40 ist, muss meine tollere Mama einfach mehr Alter haben!

6. Verblüffende Hellseherei

„Ich habe mir bald wehgetan.“ 

Was war passiert?

War denn schon was passiert? Hat Sohnemann eben die Treppe geschrammt? Oder gerade tatsächlich vorhergesagt, dass er sich in den nächsten Minuten beim geplanten Baumklettern verletzen wird? Ein Mysterium kindlichen Zeitverständnisses!

Was kommt als nächstes?

Im Normalfall: nichts – denn es ist schon passiert. Im besten Fall: fällt das Kind tatsächlich vom Baum – denn es beweist damit echte Vorausschau. 

Was tun?

Für den Normalfall: das Kind auf frische Schrammen und wachsende Beulen scannen. Für den besten Fall: Pflaster bereitlegen, unauffällig in Baumnähe bleiben. Mit der Berufsplanung des neuen Nostradamus und dem Kauf einer Kristallkugel trotzdem noch auf weitere Beweise warten.

7. Pedantische Korrekturen

Mutter: „Hand weg vom Pillermann!“ 
Sohn: „Ich war doch nur am Po.“

Was war passiert?

Es hat halt gejuckt, Kind hat folgerichtig was dagegen unternommen. Grundsätzlich nachvollziehbar. Am Tisch mit Gästen aber doch ausgesprochen unappetitlich. Egal ob Pillermann oder Po.

Was kommt als nächstes?

Möchte man eigentlich lieber nicht drüber nachdenken.

Was tun?

Natürlich Händewaschen! Gegebenfalls auch den Po. Dann Korrektheit des Kindes ausnutzen, um klare Regeln einführen, wann Pokratzen ok ist. Und nachschauen, ob noch genug Flüssigseife im Haus ist.

8. Gestrenger Fahnenappell

Kind an Eltern: „Stellt euch bitte mal beide nebeneinander vor mir auf.“ Eltern tun wie geheißen. Kind macht eine dramatische Pause, senkt den Blick. Dann: „Ich muss euch sagen, dass ich es nicht gut finde, dass ihr mich immer so drängelt.“

Was war passiert?

Das Kind darf seit einigen Tagen selbst die Zähne putzen und tut dies, sehr lobenswert, mit viel Hingabe. Allerdings auch, sehr nervig, stundenlang. Das Problem: die übliche Zeitknappheit. Morgens drängt die Arbeit, abends der Zapfenstreich.

Was kommt als nächstes?

Wenn Mama und Papa das nicht ernst nehmen: Frust und Machtkämpfe, denn immerhin ist die Sache dem Kind wichtig genug für eine höchst formelle Rüge. Wenn Mama und Papa diese höchst formelle Rüge zu ernst nehmen: werden sie ab sofort zu jeder Gelegenheit zum Fahnenappell zitiert, denn welches Kind hätte nicht seine helle Freude daran, so das Kommando über die Großen zu gewinnen?

Was tun?

Erst mal Haltung bewahren. Selbst beschämt den Kopf senken. Versprechen, dass man drüber nachdenkt. Am nächsten Morgen früher aufstehen, um guten Willen zu beweisen. Dann eine Zahnputzuhr im Lieblingsdesign des Bummelkindes kaufen, um das Zepter über die sinnvolle Zeiteinteilung in der Rush hour wieder zu übernehmen.

9. Magische Harmonie

Am Adventssonntag, beim Frühstück. Kind seufzt, schaut in die Runde und säuselst: „Ich finde es schön, dass jetzt gerade in unserem Haus die Welt in Ordnung ist.“

Was war passiert?

Ja was nur?! Ein Wunder! Pure Magie! Der Weihnachtszauber wirkt! Das Kind, dessen Grabinschrift dereinst „Ich bin traurig, weil…“ lauten wird, ist schlicht glücklich und zufrieden. Sogar ohne was geschenkt bekommen zu haben, einfach nur bei Kakao und Frühstücksbrötchen. Unfassbar 

Was kommt als nächstes?

Herzen und drücken! Weihnachtslieder singen! Plätzchen backen! Tannenbaumschmücken! Das volle Adventsprogramm! Denn das kommt so schnell nicht wieder.

Was tun?

Mit geschlossenen Augen nachspüren und die Wärme tief im Herzen konservieren: So fühlt sich also echtes Weihnachten an!

10. Präpubertäre Unabhängigkeitskämpfe

„Ihr habt mir gar nichts zu sagen, ich gehöre nur mir!“

Was war passiert?

Das Kind hat in den vergangenen Tagen exzessiv Bibi Blocksberg, Folge 27 – „Die Hitparade“ gehört, in der Bibi eigenwillig entscheidet, keinen blöden Kitschsong vorzutragen, sondern mit „Ich bleib immer ich“ für sich selbst einzustehen. Das hat tiefen Eindruck gemacht und zum Nachmachen motiviert. Nächstpassender Anlass: die allabendliche Aufforderung zum Tischdienst, die diesmal nicht nur mit dem üblichen Murren, sondern mit dem vollen Gegenangriffsprogramm pariert wurde.

Was kommt als nächstes?

Jetzt geht’s los! Das Kind hat Lunte gerochen und den ersten ganz bewussten Aufstand geprobt. Was bald folgen wird: ein vorwurfsvolles „Das ist Erpressung!“ als Antwort auf jegliche Bitten und wenn man auf Einhaltung von Abmachungen besteht, zu denen das Kind nun mal grad keine Lust hat. Die Eltern dazu: „War ja klar, dass das kommt, man hat ja schon mal was von Pubertät gehört. Aber dass die schon mit 7 einsetzt, das war uns neu.“ Nein, Spaß macht das nicht, eher wird einem bange vor der Zukunft. Aber ist es nicht auch toll, wenn das Kind anfängt, Selbstbestimmtheit nicht mehr nur als diffuses Gefühl wahrzunehmen, sondern geplant damit zu experimentieren? Braucht Mut!

Was tun?

Den Weinvorrat auffüllen, er wird jetzt abends öfter gebraucht. Und ein paar Baldrianperlen kaufen. 

* gelesen im urbia-Forum

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