Entwicklungsphase
Vorpubertät – zwischen Kinderspielzeug und Kajal
"Ist das jetzt schon die Pubertät?", mögen sich Eltern fragen, wenn ihre Kinder mit zehn oder elf (und eigentlich zu früh) motzend und rebellisch vor ihnen stehen. Es ist - das erfuhr auch urbia-Autorin Gabriele Möller - die VOR-Pubertät. Hier erfahren Sie alles über diese Phase.
Vorpubertät - das erste Anklopfen der Hormone
„Mama! Geht’s noch?“ Meine elfjährige Tochter verdreht entnervt die Augen und wirft mir einen Blick zu, der tiefe Zweifel an meinem Geisteszustand offenbart. Dabei habe ich sie nur gebeten, neue Getränke aus dem Keller heraufzuholen. Aber ob ich sie auffordere, den Schmutzwäscheberg von der Höhe des Mount Everest in ihrem Zimmer aufzuräumen oder ihre Hausaufgaben nicht erst zur Geisterstunde zu erledigen – oft ernte ich jetzt Totalverweigerung („Nee, Mama. Ich mach’ das jetzt einfach nicht!“). Andererseits hat sie nah ans Wasser gebaut: Als der Kühlschrank kürzlich nicht den erhofften Snack enthielt, war dies Grund genug für ein paar verzweifelte Schluchzer. Auf meine ratlose Klage antwortet eine Freundin überzeugt: „Das ist die Vorpubertät!“ Da ist es wieder, dieses Wort, das mir schon öfters begegnet ist - obwohl ich mich nicht erinnern kann, selbst jemals in so einer Phase gewesen zu sein. Gibt es die Vorpubertät überhaupt? Wenn ja, was löst sie aus? Verläuft sie bei Mädchen und Jungen gleich? Und was gibt den Noch-nicht-Teens auf dem präpubertären Glatteis Halt?
Zunächst die Nachricht, die den latenten Verdacht vieler Eltern bestätigt: Die Vorpubertät gibt es wirklich. „Heutzutage beginnen im gesunden, wohlernährten menschlichen Körper in der Regel schon ab einem Alter von acht oder neun Jahren die der Pubertät zugrunde liegenden hormonellen Veränderungen“, klärt das Lexikon auf. Dies heißt aber nicht automatisch, dass man dies auch schon äußerlich sieht: „Der Beginn der Pubertät findet im Gehirn etwa im Alter von acht Jahren statt, ohne dass die Kinder zunächst etwas davon bemerken“, so der Erziehungswissenschaftler Dr. Werner Stangl. Er fasst daher etwas weiter: „Die Vorpubertät ist die Phase, die nach dem Latenzalter, also der Zeit zwischen dem 6. und 10. Lebensjahr, folgt.“ Es wird deutlich: Zart wie ein Nebelschleier ist die Abgrenzung dieser Phase. Diese Unklarheit passt gut zum Lebensgefühl der Kinder dieses Alters: Sie wissen oft selbst nicht recht, ob sie noch Kind sind oder schon ein bisschen Teen.







