Kinder

Was brauchen Kinder?

„Ein Kind ist eine sichtbar gewordene Liebe" (Novalis), „Kinder erfrischen das Leben und erfreuen das Herz” (Schleiermacher) – über kaum eine andere Altersgruppe wird so emotional gesprochen wie über Kinder. Immerhin war nicht nur jeder selbst einmal Kind, für die meisten Menschen gehören eigene Kinder zum vollkommenen Lebensglück einfach dazu. Bei urbia finden Sie Informationen zur Kindesentwicklung, Erziehung und dem Leben mit Kindern.

Kinder Wünsche Mädchen
Foto: © mauritius images / image source
Kinder genießen heute eine besondere Stellung, die nicht zuletzt auch rechtlich verankert ist. In der UN-Kinderrechtskonvention, die 1989 verabschiedet und 1992 in Deutschland in Kraft getreten ist, wird sichergestellt, dass Kinder – definiert als Menschen unter 18 Jahren – einen besonderen Schutz genießen. Dazu gehört unter anderem das Recht auf Gesundheit, das Recht auf Bildung und Ausbildung, Freizeit, Spiel und Erholung sowie auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause. Darüber hinaus wird Kindern das Recht auf Mitsprache bei Entscheidungen, die sie selbst betreffen, eingeräumt. Kinder werden heute – anders als noch im Mittelalter – nicht mehr bloß als zukünftige Erwachsene in der Entwicklung angesehen, sondern vielmehr als selbstständige Akteure betrachtet, denen ihre ganz eigene Welt zugesprochen wird: Das eigene Kinderzimmer, altersgerechtes Spielzeug Kinderbücher und Kinderfilme sind nur einige Beispiele dafür, dass Kinder innerhalb der Gesellschaft einen eigenen sozialen Raum haben.

Kinder entdecken die Welt spielerisch

Dieser Raum bietet ihnen auch die Möglichkeit, ihrer wichtigsten Beschäftigung nachzugehen: dem Spielen. Wie wichtig das Spielen für Kinder ist, zeigt sich bereits im frühsten Säuglingsalter. Sobald das Kind sich seiner eigenen Körperlichkeit bewusst wird, entwickelt es Freude an der Bewegung und testet seine Beweglichkeit spielerisch aus. Im Kleinkindalter kommt das Symbolspiel hinzu: Ob ein Haus aus Bauklötzen oder ein Kuscheltier als sprechender Freund, indem Kinder „so tun als ob” erschließen sie die Welt auf ihre Weise. Je älter sie werden, desto komplexer entwickelt sich ihr Spielverhalten und desto mehr interagieren sie dabei mit anderen Kindern. Typische Rollenspiele wie „Vater-Mutter-Kind”, Konstruktions- und Regelspiele, bei denen Kinder auch lernen, Niederlagen wegzustecken oder das freie Spiel, das ganz der kindlichen Phantasie folgt – all das bietet Kindern die Chance, sich zu entfalten. Dadurch werden nicht nur ihre Motorik, Geschicklichkeit und ihr logisches Denken gefördert, es bereitet ihnen vor allem auch viel Freude und schafft schöne Erinnerungen, die bis ins Erwachsenenalter hinein bedeutend sind.

Wie unterschiedlich die  Erziehung eines Kindes auch aussehen mag, Konsens besteht darüber: Kinder sind sinnliche Wesen. Sie erschließen sich die Welt spielerisch auf ihre eigene Weise und sie brauchen dabei die Unterstützung ihrer Eltern, die ihnen in jeder Entwicklungsphase sowohl Schutz und Halt geben als auch den Freiraum verschaffen, den sie brauchen, um ihre Persönlichkeit zu entfalten. Dabei machen Kinder in nur wenigen Jahren eine sehr intensive Entwicklung durch.

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Kinder lernen ihre Welt durch Spielen kennen. Um so wichtiger ist es, dass Eltern ihnen die Möglichkeiten geben, spontan und gemeinsam mit an ...  mehr

Vom Baby zum Kleinkind: Kinder und ihre Meilensteine

Das Kind ist dem Säuglingsalter entwachsen und hat seine ersten Schritte gemacht. Nun geht seine Entwicklung weiterhin rasant voran. Kinder im zweiten bis dritten Lebensjahr sind kleine Energiebündel und entdecken die Welt auf ihre Weise, sodass das  Leben mit Kleinkind nie langweilig wird. Sie laufen einfach los – zunächst noch wackelig, dann immer sicherer – wann immer ihnen danach ist. Sie brabbeln den ganzen Tag vor sich hin, bevor sie beginnen,  ihre ersten Sätze zu sprechen und beinahe täglich neue Worte zu lernen. Sie essen zunächst noch ohne Rücksicht auf Tischmanieren und erproben ihre feinmotorischen Fähigkeiten, indem sie nach allem greifen, was verfügbar ist. Sie beginnen damit, aufs Töpfchen zu gehen, sich selbst an- und auszuziehen und „helfen” nicht selten schon im Haushalt mit.

Sie werden immer selbstständiger und demonstrieren das auch bei jeder Gelegenheit. Damit einher geht auch das sogenannte Trotzverhalten, das für Kinder in dieser Phase typisch ist. Die Kinder beginnen sich selbst als Individuum, als „Ich“, wahrzunehmen, sie erkennen sich im Spiegel und lernen ihre Wünsche klar und deutlich zu äußern. Werden diese nicht erfüllt, kann sie das schon mal richtig wütend machen. Das Wörtchen „nein” wird zum Lieblingswort. In dieser Phase ist es wichtig, dass Eltern unaufgeregt bleiben und klare liebevolle Botschaften aussenden – nur so lernen Kinder ihren Handlungsspielraum und die Grenzen kennen, an denen sie sich in Zukunft orientieren können. Nicht nur für Kinder ist diese Phase eine sehr prägende Zeit, auch Eltern erleben durch die intensive Beschäftigung mit dem Kleinkind viele aufregende Entwicklungsschritte.

Die frühe Kindheit: bereit machen für den „Ernst des Lebens”

Im Alter zwischen 4 und 6 Jahren werden Kinder zunehmend zu kleinen Persönlichkeiten. Sie machen große motorische Fortschritte, laufen geschmeidiger und meistern auch schwierigere Bewegungsaufgaben. Sie lernen Radfahren und Ballspielen und schließen die ersten Freundschaften mit Gleichaltrigen. Ihr Wortschatz vermehrt sich explosionsartig und sie beginnen, Zusammenhänge zu hinterfragen. Jetzt sind Eltern als Welterklärer gefragt, denn „Warum?” wird jetzt zur Lieblingsfrage. Nicht nur im Fragen, auch beim Spielen entwickeln Kinder nun enorm viel Kreativität und Phantasie. Auch wenn die Konzentrationsfähigkeit noch nicht allzu stark ist, können sie sich doch über Tage hinweg in Rollenspiele und Phantasiewelten vertiefen. Für Eltern stellt sich nun die Frage: Wann ist mein Kind reif für die Schule?. Zwar ist bei der Beantwortung dieser Frage wichtig, dass das Kind ein gewisses Maß an Selbstständigkeit und Selbstkontrolle mitbringt, etwa die Fähigkeit, eine Schulstunde still zu sitzen oder allein auf Toilette zu gehen, zum Schulkind wird es jedoch erst in der Schule. Eltern dürfen dem großen Tag der Einschulung daher entspannt entgegensehen und sich zusammen mit dem Kind auf den neuen Lebensabschnitt freuen, auch wenn oder gerade weil er natürlich ein Stück weitere Loslösung und Selbstständigkeit des Kindes bedeutet.

Schafft mein Kind das?

Elternsorgen zur Einschulung - und einige Gegenmittel

Vor der Einschulung ihres Kindes fragen sich Eltern oft, ob ihre noch unruhigen oder unkonzentrierten, verspielten oder verträumten Kinder de ...  mehr

Mittlere Kindheit bis Pubertät: Kinder werden zu Persönlichkeiten

Ungefähr zeitgleich mit der Einschulung beginnen Kinder noch aktiver, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Während Kinder in jüngeren Jahren die Welt naiv staunend entdecken, beginnen sie nun, die Informationen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen und ihre Erfahrungen kritisch zu beurteilen. Sie bekommen neue Einflüsse von Freunden oder Lehrern und lernen zwischen Realität und Phantasie und folglich auch zwischen wahr und unwahr zu trennen. Diese Kritikfähigkeit bezieht mit der Zeit allmählich auch die Eltern mit ein, deren Autorität nun manchmal in Frage gestellt wird. In dieser Phase beginnen Kinder sich in ersten kleinen Schritten geistig von ihren Eltern abzunabeln, was weniger als Abkehr, sondern vielmehr als eine Hinwendung zum eigenen, selbstbestimmten Leben verstanden werden sollte. In dieser Zeit müssen viele Eltern erst noch lernen, den Spagat zwischen der berechtigten  Sorge um das Kind und der Wahrung der  Privatsphäre des Kindes zu finden.

Den Höhepunkt des Abnabelungsprozesses der Kinder stellt die  Pubertät dar. In dieser Phase, die typischerweise kaum ohne beidseitiges Unverständnis, Tränen und Wutausbrüche auskommt, findet die endgültige Ablösung der Kinder von der Kindheit statt. Die inneren wie äußeren Veränderungen auf dem Weg zum Erwachsenwerden führen nicht nur dazu, dass Kinder sich als Persönlichkeiten immer wieder erproben, sondern auch zu einem neuen, bestenfalls freundschaftlichen Eltern-Kind-Verhältnis. Auch in der Pubertät müssen Eltern oft erst  den richtigen Erziehungsstil zwischen Haltgeben und Loslassen finden.


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