„i-Size-Norm“ für Autokindersitze

8 Dinge, die du über Reboarder wissen musst

Eine neue EU-Norm verspricht mehr Sicherheit bei Kinderautositzen und gibt Reboardern den Vorzug. Wir erklären euch, ab wann sie Pflicht sind, welche Vorteile Reboarder haben und ob sie tatsächlich sicherer sind als vorwärtsgerichtete Kindersitze.

Autor: Heike Byn
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Was bedeutet die „i-Size-Norm“?

Reboarder-Teaser
Foto: © Colourbox

Lange Zeit sorgte die EU Norm ECE R44-03 bzw. -04 dafür, dass Autokindersitze vor dem Verkauf auf Sicherheit und Qualität geprüft wurden. Im Juli 2013 trat eine neue Kindersitznorm in Kraft, die höhere Ansprüche an die Produkte stellt: Mit der ECE R129, auch als „i-Size-Norm" bekannt, soll vor allem die Sicherheit von Kindern im Auto verbessert werden. Die Norm sieht deshalb vor, dass Kinder bis zu 15 Monaten im Auto in sogenannten Reboardern mit dem Rücken zur Fahrtrichtung mitfahren sollen. Bislang ist das rückwärtsgerichtete Fahren nicht an das Alter, sondern an ein bestimmtes Körpergewicht gebunden. Kinderautositze, die nach der „i-Size-Norm" zugelassen werden, müssen neben den üblichen Produkttests jetzt auch einen Seitencrashtest überstehen, den es bei den alten ECE-Prüfverfahren nicht gab.

Alte Kindersitze weiterhin nutzbar

Seit die neue Kindersitznorm gilt, können Hersteller in einer Übergangsfrist entweder die Zulassung ihrer Produkte nach der alten Norm ECE R44-03 bzw. -04 oder nach der neuen Norm ECE R129 beantragen. Der Gesetzgeber plant jedoch, ab 2018 neue Kindersitze nur noch nach der „i-Size-Norm" zuzulassen – und dann auch nur noch solche Sitze für Kinder bis zu 15 Monaten im Auto zu erlauben. Doch bis zu einer definitiven und verbindlichen Regelung können Eltern sowohl vorwärtsgerichtete Autokindersitze nutzen als auch neue nach der „i-Size-Norm" geprüfte Sitze. Letztere sind vor allem für Fahrzeuge mit Isofix-Verankerungspunkt konzipiert, weil das Isofix-System seit 2012 für alle Neuwagen Pflicht ist. Hat euer Auto keine Isofix-Ausstattung? Dann könnt ihr das System nachrüsten lassen. Wenn ihr das nicht möchtet, könnt ihr einen anderen Reboarder nach „i-Size-Norm" oder ein alternatives Reboarder-Modell wählen, die mit dem Fahrzeuggurt befestigt werden. Wenn ihr unsicher seid, welcher Norm euer jetziger Kindersitz entspricht, dann schaut auf die orangefarbene Plakette, die jeder Kindersitz trägt. Wichtig: Achtet bei älteren Kindersitzen darauf, ob sie einen Hinweis auf die veralteten Normen ECE 44-02 oder 44-01 enthalten. Solche Sitze dürfen seit April 2008 nicht mehr benutzt werden.

Vorteile von Reboardern

In einem Reboarder sitzt ein Kind im Alter von bis zu etwa 4 Jahren entgegen der Fahrtrichtung im Auto. Nach Expertenmeinung schützen Reboarder Kinder sehr gut bei einem möglichen Unfall: Bei einem Frontal-Crash wird die Energie des Aufpralls breitflächig über den Rücken des Kindes verteilt, Kopf und Nacken bleiben in ihrer Position. Bei einem Seiten-Crash bremst man stark. Aus einem vorwärtsgerichteten Kindersitz wird das Kind dadurch förmlich herausgezogen und ist beim anschließenden Aufprall von der Seite ungeschützt. Im Reboarder dagegen wird das Kind in den Sitz hineingedrückt und ist dann durch die Seitenbacken des Sitzes geschützt.

Ihr überlegt, jetzt oder in Zukunft einen Reboarder zu kaufen? Im Mai 2016 hat die Stiftung Warentest 350 Autokindersitze getestet, darunter auch einige Sitze für rückwärtsgerichtetes Fahren. Einen umfassenden Überblick über Reboarder, nach Postleitzahl geordnete Händlerlisten und eine ebenso diskussionsfreudige wie gut informierte Community findet ihr auf der Site des unabhängigen Eltern-Vereins Reboard-Kindersitze e.V.

Ab wann in den Reboarder?

Schon euer Neugeborenes könnt ihr im Reboarder transportieren – solange der Sitz eine Schlafposition hat und mit einem Einlegekissen für Neugeborene ausgerüstet werden kann. Trotzdem empfehlen die meisten Hersteller, zuerst eine auf den Babykörper angepasste Babyschale zu verwenden. Sobald das Baby sitzen kann oder eine gute Körperspannung hat, kann es aber in den Reboarder umziehen. Für Kinder, die dann noch immer sehr klein sind, gibt es Keileinlegekissen zum Unterlegen. Spätestens wenn das Kind in der Babyschale sehr unruhig wirkt oder nicht mehr hineinpasst – weil die Gurte zu eng sitzen, sein Kopf über den Rand hinausragt oder die Gewichtsangabe des Sitzes überschritten ist – steht ein Umzug in den Reboarder an.

Auch größere Kinder sitzen gut im Reboarder

So ein Reboarder ist ohne weiteres auch für Kinder bis 4 Jahre geeignet. Da der rückwärtsgerichtete Sitz ja nicht bündig mit der Rückenlehne der Rücksitzbank endet, haben größere Kinder auch genug Platz, um ihre Füße dazwischen abzustellen. Manche Kinder finden es sogar schön, im Schneidersitz zu fahren. Der Sicherheit tut das keinen Abbruch.


Reboarder: Über Preise und Modelle

Bei den Reboardern unterscheidet man zwischen den Pseudo-Reboardern, die man vor- und rückwärtsgerichtet nutzt; den Reboardern, die nur rückwärtsgerichtet eingesetzt werden und den klassischen Babyschalen, in denen das Kleine auch entgegen der Fahrtrichtung liegt oder sitzt. Manche Reboarder sind für Kinder von bis zu 18 Kilo geeignet, andere reichen von 9 bis 25 Kilo oder sogar bis hin zu 36 Kilo. Auch die Preisgestaltung fällt sehr unterschiedlich aus: Die untere Preisklasse fängt bei um die 150 Euro an, für einen Sitz aus dem Hochpreissegment zahlt ihr unter Umständen auch bis zu 500 Euro.

 Passt der Reboarder in jedes Auto?

Es gibt Reboarder-Modelle, die nehmen viel Platz ein, andere brauchen nicht so viel Raum. Manche Reboarder könnt ihr nur mit dem Isofix-System nutzen, andere wiederum sind mit Isofix-Verankerungen als auch mit normalen Gurtsystemen kompatibel. Wenn der Airbag ausgeschaltet ist, könnt ihr zahlreiche Modelle auch auf dem Beifahrersitz befestigen. Wenn ihr unsicher seid, Tipps beim Einbau oder korrekten Anschnallen braucht, wendet ihr euch am besten an den Service beim Autohersteller, im Fachgeschäft oder in der Autowerkstatt eures Vertrauens .

Reboarder-Vorurteile: Keine Aussicht, oft Übelkeit

Kinder sehen im Reboarder nicht viel von ihrer Umgebung und ihnen wird darin schneller schlecht – so lauten gängige Vorurteile. Da Reboarder Kindern aber eine höhere Sitzposition bieten, können sie tatsächlich sogar sehr gut aus dem Seitenfenster herausschauen. Vor allem die Kleinen sehen viel mehr und können Punkte wesentlich besser fixieren, weil sie nicht wie beim Vorwärtsfahren schnell vorbeifliegen. Wenn ein Kind anfällig für Reiseübelkeit ist, macht es keinen Unterschied, ob es vorwärts oder rückwärts mitfährt. Deshalb wird Kindern in Reboardern auch nicht schneller schlecht. Viele Kinder sind es gewöhnt, auch im Kinderwagen rückwärts mit Blick auf die Eltern geschoben zu werden. Deshalb haben sie auch keine Anpassungsprobleme, wenn das beim Autofahren genauso ist.


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