Eltern

Eltern werden

„Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr“, besagt ein bekanntes Sprichwort. Aber was erwartet ein Paar wirklich, wenn es den Schritt in Richtung Familie gehen möchte? Wie fühlt sich Elternsein an? Wird sich wirklich alles verändern? Und was macht die perfekten Eltern aus?

Wenn sich zwei Liebende dazu entschließen, ein Baby zu bekommen, ändert sich auf einmal alles. Das bedeutet natürlich Verantwortung, weniger Zeit zu Zweit und Flexibilität. Aber vor allem bedeutet es unendliches Glück und ein neues, intensives Familiengefühl. Dafür, dass die Umstellung von Paar auf Familie gut klappt, können die werdenden Eltern einiges tun. Denn immerhin haben sie mindestens neun Monate Zeit, sich auf diesen  neuen Abschnitt in ihrer Beziehung einzustellen.

Kommunikation und Interesse sind essentiell bei der Vorbereitung auf das Baby. Das bedeutet, dass die werdenden Eltern sich gleichermaßen mit dem beschäftigen sollten, was auf sie zukommen wird. Gerade  für Väter ist eine Schwangerschaft oft eine recht abstrakte Angelegenheit, können sie zwar mit dem wachsenden Bauch sehen, dass etwas passiert, es selbst aber nicht spüren. Erst, wenn die ersten Tritte des Babys auch von außen fühlbar werden, gewinnt die Schwangerschaft auch für sie an Realität. Um vorher schon besser mitfühlen zu können, können Väter sich durch entsprechende Literatur und vor allem ausgedehnte Gespräche mit der Frau zeitig in die Situation einfühlen. Doch nicht nur über die Schwangerschaft, sondern besonders auch über die Zukunft mit Kind sollte gesprochen werden. Wie stellt man sich das Elternsein vor? Wer soll welche Rolle übernehmen und gibt es gravierende Differenzen bei einigen Themen, wie zum Beispiel der Erziehung? Wie wird die  Elternzeit aufgeteilt? Wer sich mit solchen Fragen frühzeitig auseinandersetzt, kommt schneller auf einen Nenner und kann die erste Zeit mit Kind viel mehr genießen.

Eltern sein – die Sache mit der Erziehung

Das Kind ist da und die erste Zeit als Eltern hat man überstanden. Man hat gestillt, gewickelt, getröstet, beschützt, liebkost und sehr wenig geschlafen. Hat sich alles eingependelt, geht der Spaß erst richtig los. Je aktiver das Kleine wird, umso mehr sind die Eltern gefragt. Und jetzt beginnt auch  die Erziehung immer wichtiger zu werden. Nun macht es sich bezahlt, wenn grundlegende Erziehungsfragen bereits im Vorfeld diskutiert wurden. Denn wenn beide Elternteile an einem Strang ziehen, entstehen weniger Konflikte und auch dem Kind nutzt eine gemeinsame Linie. Es braucht klare Strukturen, um zu lernen, was richtig und was falsch ist, was es darf und was nicht. Statt also „guter Cop, böser Cop“ zu spielen, sollten klare Regeln gelten, mit denen sich beide Elternteile wohl fühlen und die gemeinsam durchgesetzt werden. Und wenn das Kind mal wieder seinen eigenen Kopf hat, hilft nur Gelassenheit.

Dass sich Eltern – besonders beim ersten Kind – oft unnötig Sorgen machen, ist völlig normal. Doch sollten sie nicht in die Sorgenspirale geraten und ihr Kind überbehüten. Die sogenannten Helikoptereltern lassen ihre Schützlinge kaum aus den Augen, halten sie von allen möglichen Gefahrenquellen fern und fördern sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Was gut gemeint ist, hilft dem Kind allerdings wenig, denn so lernt es kaum selbstständig zu handeln, Fehler zu verkraften und etwas aus eigener Kraft zu schaffen – das Selbstbewusstsein hat keinen Raum zu wachsen. Die besten Eltern sind immer noch die, die nichts erwarten, sondern ihr Kind mit Interesse und ganz viel Liebe beim Großwerden unterstützen, indem sie es so sein lassen, wie es ist.

Nicht nur Eltern sein

Kinder bedeuten großes Glück. Doch möchte man manchmal eben nicht nur Eltern sein, sondern hin und wieder auch einfach Frau und Mann. Liegt der Fokus nur noch auf dem Kind, leidet oft die Partnerschaft. An  Zeit für Sex ist kaum mehr zu denken und jede freie Minute ohne Kind wird in den Haushalt gesteckt. Schnell geraten Eltern da in eine Spirale, die sie weiter und weiter voneinander entfernt. Um das zu verhindern, ist es wichtig, immer wieder Zeit zu zweit einzuplanen und diese bewusst wahrzunehmen. Gerne übernehmen Mütter die Rolle der „Familienmanagerin“ und halsen sich dadurch mehr auf als nötig. Die Verantwortung lässt sich besser teilen, wenn man sie gut organisiert. Jeder braucht seinen Zuständigkeitsbereich und auch die Kinder sollten im Haushalt mit anpacken. Verpackt man die Arbeit spielerisch, lernen Kinder auf positive Art Verantwortung und entlasten die Eltern dabei. Die gewonnene Zeit kann dann in die Partnerschaft investiert werden.

Wichtig für die elterliche Freiheit ist es auch, sein Kind bereits frühzeitig an andere Bezugspersonen zu gewöhnen. Das können die Großeltern sein, die Tante oder ein Kindermädchen, das gleich von Anfang an dabei ist. Denn so können Mama und Papa das Kleine guten Gewissens auch mal abgeben und etwas zu zweit unternehmen: einen Kinobesuch, ein romantisches Dinner beim Lieblingsitaliener oder sogar einen Wochenendausflug ins Grüne.

Loslassen lernen

Wenn aus dem Kind langsam ein Erwachsener wird, ist das für die Eltern oft eine schwierige Zeit. Nicht nur die Tücken der Pubertät, sondern auch das Wissen, es bald gehen lassen zu müssen, belasten die Seele. Die Abnabelung ist aber ein wichtiger Prozess für das Kind, der auch ihm nicht leicht fällt. Daher braucht es die Unterstützung seiner Eltern gerade jetzt. Es geht jetzt nicht mehr so sehr um die Erziehung des Jugendlichen, denn was bis dahin nicht an Werten und Verhaltensregeln vermittelt wurde, wird nun schwerlich noch zu vermitteln sein. Immerhin möchte das Kind jetzt seinen eigenen Weg gehen und selbst lernen, was es heißt, erwachsen zu sein. Jetzt ist es an den Eltern, zu unterstützen, zu fördern und für die Sorgen und Nöte des Heranwachsenden ein offenes Ohr zu haben, aber auch, ihm seine Grenzen aufzuzeigen. Nicht alles mit sich machen lassen, sondern machen lassen, aber bei deutlichen Grenzüberschreitungen konsequent sein, heißt die Devise.

Eltern werden ist nicht schwer – sofern mit dem  Kinderwunsch alles klappt. Eltern sein dagegen sehr – doch auch wunderschön und spannend. Kinder sind eine Bereicherung für das Leben und wer die verantwortungsvolle Aufgabe der Erziehung mit ganz viel Liebe und einer ordentlichen Portion Gelassenheit übernimmt, wird eine sehr wertvolle Zeit erleben.


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