Eine Herausforderung für Eltern
Wenn Kinder trotzen
Es passiert vielleicht auf dem Wickeltisch oder beim Anziehen für einen Spaziergang. Plötzlich will das Kleinkind etwas ganz Alltägliches nicht mehr tun und schreit, als ginge es um sein Leben. Willkommen im Trotzalter! Aber warum trotzen Kinder?
Wickeln wird zum Ringkampf
Es kommt meist unerwartet: Das Wickeln zum Beispiel, bisher Zeit der Zärtlichkeit zwischen Mutter/Vater und Kind, verwandelt sich plötzlich in einen Ringkampf. Keine Chance mehr, dem zappelnden und sich wie eine Schlange windenden Körper eine Windel zu verpassen. Oder es tritt beim Anziehen der Schuhe vor dem Gang nach draußen zutage: Das fröhliche Kind, das bisher freudig "draußen gehen" rief, sobald jemand zum Aufbruch rüstete, schreit nun um sein Leben und beißt jeden, der ihm die Schuhe überstreifen will. Oder es passiert auf dem Weg zum Einkauf: Der knapp zweijährige Spross, der sich bisher mit Vergnügen herumkutschieren ließ, macht sich plötzlich steif wie ein Brett, wenn Mutter ihn in den Buggy hieven will: Unmöglich, das sich aufbäumende Kind in das Gefährt einzufädeln.
Alle halbwegs informierten Eltern wissen, was es die Stunde geschlagen hat: Die Zeit der Dauerharmonie geht zu Ende, im Kind erwacht der eigene Wille. Es spürt, dass seine und Mamis Wünsche nicht immer gleich sind - eine Erfahrung, die das Kind verunsichert und ängstigt. Zugleich ist es noch nicht in der Lage, seine starken Wünsche zu regulieren. Werden sie ihm versagt, kommt es häufig zu einem Ausbruch heftigen Gefühls von Wut, Zorn und Verzweiflung – die berühmt-berüchtigten Trotzanfälle.
Ist Trotz das richtige Wort?
Der Begriff "Trotz" wird unter Fachleuten immer wieder kritisch gesehen. Möglicherweise verführt er dazu, den Trotzanfall schlichtweg als willkürliches Aufmüpfigsein des Kindes zu verstehen, das nicht allzu ernst genommen werden, bzw. dem man auf keinen Fall nachgeben sollte. Der Pädagoge Manfred Hofferer ist zum Beispiel dafür, die Trotzphase als "Autonomiephase" zu bezeichnen. Autonomie bedeutet Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Die so genannte Trotzphase gilt heute - wie auch die Pubertät – als eine ganz normale und sogar wichtige Phase auf dem Weg zur Selbständigkeit eines jeden Menschen.

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