Eltern sind Vorbilder

Lesen so wichtig wie Zähneputzen

Lesen ist überaus wichtig für die Entwicklung von Kindern. "Bücher wirken oft wie Medizin", sagt die Stiftung Lesen und fordert Eltern zum Vorlesen auf.

Autor: Andrea Grüten
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Bücher schon für kleine Kinder

Kind Sofa Buch lesen panthermedia Nicole Effinger
Foto: © panthermedia/ Nicole Effinger

"Bücher erweitern nicht nur den Wortschatz, sie fördern auch das soziale Verhalten", sagt Katharina Bötsch, Referentin Leseförderung der Stiftung Lesen. "Schon mit einem halben Jahr kann man Kindern Bücher in die Hand geben", betont Katharina Bötsch. Bereits für dieses Alter gibt es Bücher aus dickem Karton, eventuell mit Tierchen zum Anfassen. "Wichtig ist, dass die Eltern eine Vorbildfunktion haben. Wenn sie keine Bücher lesen, kann man das auch von den Kindern nicht erwarten."

Nur schwer kann sie angesichts des breiten Angebotes Tipps geben, welche Bücher man wählen soll. "Eltern sollten sie sich schon genau ansehen und auf Alter und Entwicklungsstufe ihres Kindes abstimmen", rät Katharina Bötsch.

Ansprüche an ein Buch

In jedem Fall gibt es laut Stiftung Lesen einige Kriterien, die ein gutes Buch erfüllen sollte. So ist es wichtig, dass Bilder, Text und Inhalt harmonisch aufeinander abgestimmt sind. "Auch sollte das Buch klare Bilder zeigen. Ein Kind darf nicht erst suchen oder sich den Zusammenhang zusammenreimen müssen", meint Katharina Bötsch.

Die Sprache sollte lebhaft und abwechlungsreich sein. Und das Kind muss sich mit den Figuren identifizieren, vielleicht Erfahrungen schon selbst machen können. Die Textlänge sollte altersgerecht abgestimmt sein. "Es ist auch eine Frage des Typs. Manche Kinder können schon früh stundenlang zuhören."

Sichere Sprache untergräbt Gewalt

"Bücher erweitern nicht nur den Wortschatz", weiß Katharina Bötsch. "Kinder mit einer sicheren Sprache sind auch weniger gewaltbereit. Sie versuchen eher, Konflikte und Probleme mit Argumenten zu lösen. Die Sprachentwicklung ist im übrigen mit sechs Jahren abgeschlossen. Dann wird nur noch der Wortschatz erweitert.

Man muss am Anfang auch keine Riesen-Bibliothek haben. "Kinder wollen nicht immer etwas Neues", sagt Katharina Bötsch. "Sie achten nicht auf Worte, sondern mehr auf Mimik und Gestik. Sie wollen nur hören und können aus abstrakten Worten eine Geschichte entstehen lassen."

Geschichten machen ruhiger

Aus Erfahrung wissen viele Kindergärten und auch Eltern: Vorlesen macht auch aufgekratzte Kinder wieder ruhiger. Ganz abgesehen davon, dass sie es lieben, mit den Eltern dabei meistens zu kuscheln. So hat schließlich auch die beruhigende Gute-Nacht-Geschichte ihre Berechtigung. "Bücher wirken oft wie Medikamente", sagt der Deutsche Ärztinnenbund.

Bereits 1968 hatte eine Ärztin geklagt: "Die Kinder haben oft nur zerfledderte Illustrierte oder Comics dabei, wenn sie ins Krankenhaus kommen." Das wiederum führte zur Gründung des Vereins "Das fröhliche Krankenzimmer". So wird zum Beispiel am Münchner Kinderspital Dr. von Haunerschen die rollende Bibliothek von Zimmer zu Zimmer geschoben: Sie bietet den Kindern von der Bildergeschichte bis zum Jugendroman Werke zum Ausleihen an. Inzwischen gibt es in 90 deutschen und österreichischen Kliniken Partnergruppen.

Bücher geben Kraft und Mut

"Bücher trösten und verleihen den Kindern Kraft zum Gesundwerden", sagt Monika Meyer. Die Buchhändlerin betreut den Verein "Das fröhliche Krankenzimmer" in München. "Oft spricht das Lieblingsbuch der Kinder das Thema Kranksein nicht direkt an, sondern enthält ein Symbol, in dem die Kinder ihre Situation wiederfinden."

Monika Meyer hat die Erfahrung gemacht, dass viele Kinder durch den Krankenhaus-Aufenthalt zum ersten Mal Zugang zu Büchern bekommen. "Manche stellen hier ganz erstaunt fest, dass Bücher nicht unbedingt etwas mit Hausaufgaben und Lernen zu tun haben. Bei ihnen springt dann der Funke über, und sie entdecken den Spaß am Lesen."

Fantasie und Denkvermögen

Von Sprachentwicklungsstörungen bis hin zum Fernseh-Hospitalismus: Nach Auskunft von Heinrich Kreibich ist es eine gesicherte Erkenntnis, dass kindliches Medienverhalten die Gesundheit beinflusst. "Fantasie und Denkvermögen, aber auch das körperliche und seelische Wohlbefinden von Kindern sind davon abhängig, dass im Elternhaus vorgelesen wird," betont der Geschäftsführer der Stiftung Lesen.

Weitere Informationen auf der Site Stiftung Lesen



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