Glücksgefühle ein Leben lang

6 Gründe, warum Kinder ruhig ans Christkind glauben dürfen

Kleine Kinder glauben an den Nikolaus, Weihnachtsmann, Christkind und Co. Das ist nicht nur normal, sondern kann sogar ihre Entwicklung unterstützen.

Autor: Stefanie Reinberger
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Kinder können profitieren

Kinderglaube Weihnachten
Foto: © fotolia.com/ fotoskaz

Es ist wieder soweit: Am Abend des 5. Dezember stellen viele Kinder ihre Stiefel vor die Tür, und hoffen, dass sie am nächsten Tag reich gefüllt sind. Andere erwarten sogar Besuch vom Nikolaus oder Weihnachtsmann höchst persönlich. Doch für viele Eltern stellt sich die Frage: Ist es überhaupt in Ordnung, wenn mein Kind an diese Fantasiegestalt glaubt?

Auf jeden Fall ist es damit in bester Gesellschaft. Laut einer US-amerikanischen Umfrage aus dem Jahr 1980 sind 89 Prozent der Vierjährigen von der Existenz des Santa Claus überzeugt – in der Gruppe der Siebenjährigen immerhin noch 47 Prozent. Psychologen und Hirnforscher sagen: Es ist nicht nur normal, dass kleinere Kinder an den Weihnachtsmann glauben. Sie können sogar davon profitieren:

Morgen kommt der Weihnachtsmann... dieser Kinderglaube gehört zur Entwicklung

„Kinder haben bis zu einem Alter von fünf bis sechs Jahren Schwierigkeiten zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden", sagt Claudia Roebers, Entwicklungspsychologin an der Universität Bern. Vom dritten Lebensjahr bis zum Alter von ungefähr fünf Jahren, teilweise auch darüber hinaus, erstreckt sich die so genannte magische Phase. Der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget (1896–1980) sprach vom Stadium des „präoperationalen Denkens". Das Kind versucht die Welt um sich herum zu verstehen und sich die Zusammenhänge zu erklären – allerdings mit einer sehr eigenwilligen und fantasievollen Logik: So regnet es beispielsweise, weil die Wolken traurig sind, oder das Auto fährt schneller als die Bahn, weil es das so will.

Sind am Nikolaustag die Stiefel vor der Tür gefüllt und liegen wenig später Geschenke unterm Weihnachtsbaum, glaubt es bereitwillig daran, dass hier Nikolaus und Weihnachtsmann oder – je nach regionaler Vorliebe – das Christkind zugange waren. Irgendwoher müssen die Sachen schließlich gekommen sein. Tritt dann noch eine Person mit rotem Mantel, weißem Rauschebart und einem Sack voller Geschenke durch die Tür, ist die Sache klar: Das ist der Weihnachtsmann.

„Da hilft es dann auch nichts, wenn der Herr Müller seine Verkleidung ablegt", sagt Roebers. „Sobald er sie wieder anzieht, ist er wieder der Weihnachtsmann. Das können Sie mehrfach wiederholen." Erst wenn das Kind die nächste geistige Entwicklungsstufe erklommen hat, ist es in der Lage zwischen Annahme und Realität zu unterscheiden. Und das geht so: Ich denke, dass der Weihnachtsmann vor mir steht. Aber das denke ich nur, denn in Wirklichkeit ist das der Herr Müller von nebenan, der sich als Weihnachtsmann verkleidet hat.

Niklaus ist ein guter Mann... und fördert das selbstlose Miteinander

Der Glaube an den Weihnachtsmann kommt der Entwicklung der Persönlichkeit zugute, wie die britische Psychologin Lynda Breen 2004 im Fachmagazin „Psychiatric Bulletin" schrieb. An andere zu denken und uneigennützig zu handeln sind Fähigkeiten, die Kinder erst nach und nach erwerben. Der Weihnachtsmann kann sie dabei unterstützen. Gütig und wohlwollend wird er zum Vorbild aus einer anderen, einer magischen Welt. Tatsächlich schließen Kinder in ihren Briefen an den Weihnachtsmann oftmals auch Arme oder Kranke mit ein.

„Santa Claus verkörpert Fürsorge und Großzügigkeit, und diese Vorstellung vermittelt den Kindern Gefühle wie Liebe und Trost", ergänzt die Psychologin. Für's Christkind gilt das natürlich gleichermaßen. Und auch Bischof Nikolaus von Myra, dessen Gedenktag wir am 6. Dezember begehen, wird nicht zuletzt wegen seiner Großzügigkeit verehrt.

Aber Achtung: Den Weihnachtsmann als Druckmittel zu missbrauchen, ist keine gute Idee. „Der Weihnachtsmann ist eine ideale Projektionsfläche für die Sehnsüchte der Kinder", sagt Manfred Cierpka, Familientherapeut an der Uniklinik Heidelberg. „Erfüllt diese unerreichbare, idealisierte Person die Wünsche nicht, tut das ganz besonders weh und die Enttäuschung ist riesig." Mahnen Eltern, der Weihnachtsmann bringe ungezogenen Kindern keine Geschenke, wird das Symbolbild der Güte zur Bedrohung.


Jetzt bringt Niklaus was für mich.... Glücksgefühle für ein ganzes Leben

Das Herzklopfen, wenn der Weihnachtsmann zu Besuch kommt, das Kribbeln der Vorfreude bis das Christkind kommt, das überwältigende Strahlen, wenn es endlich da war und das Wohnzimmer in ein Lichtermeer getaucht hat... All das sind bewegende Momente – bestens geeignet, um sich tief ins Gedächtnis zu gravieren.

Hirnforscher wissen: Erlebnisse, bei denen uns starke Emotionen überfluten, speichern wir besonders gut und lebhaft ab. Später genügt oft nur ein Stichwort, ein bestimmter Duft, oder eine Melodie, um die Erinnerung wieder lebendig zu machen – mitsamt den Emotionen, die mit dem Weihnachtszauber verknüpft sind. Es ist, als ob man eine Zeitreise zurück zu seinen positiven Empfindungen unternimmt. „Diese Vorstellung sagt mir, dass es richtig war, Santa für meine Töchter lebendig zu halten", sagt die US-amerikanische Neurowissenschaftlerin Kelly Lambert. „Jedes Jahr habe ich damit einen neuen Satz Weihnachtserinnerungen in ihr Gehirn gelegt."

Allerdings: Das Ganze funktioniert auch mit negativen Gefühlen. Sollte sich Ihr Kind vor dem rotberockten Kerl im Wohnzimmer fürchten, tun sie gut daran, sich für Ihre Familie ein neue Variante zu überlegen. Der Weihnachtsmann könnte zum Beispiel heimlich seine Geschenke ablegen, solange die Familie einen gemeinsamen Winterspaziergang macht.

Alle Jahre wieder... stärkt der Weihnachtsmann die Familienbande

Weihnachtsmann, Christkind und Co spielen eine wichtige Rolle in den traditionellen Familienritualen der Weihnachtszeit. Und sie tragen so dazu bei, die Familienbande zu festigen. Denn wie Psychologen herausgefunden haben, vermitteln Rituale ein Gefühl von Sicherheit und Zusammengehörigkeit. Gerade für Kinder ist das wichtig. Die US-amerikanische Psychologin Barbara Fiese wertete im Jahr 2002 Forschungsarbeiten aus fünf Jahrzehnten aus. Sie kam zu dem Schluss: Familienrituale fördern nicht nur den Zusammenhalt, die stärken zudem die seelische und körperliche Gesundheit der Kinder auf vielfältige Weise.

Warum ist die Nase wie bei Papa? – Kein Schaden, wenn der Weihnachtsmann enttarnt wird

Eines Tages fliegt die Sache auf, und die Kinder kommen dahinter, dass an den Geschichten von Weihnachtsmann und Christkind etwas nicht stimmen kann. Das ist so sicher, wie Rentier Rudolph eine rote Nase hat. Das stecken die Kleinen aber weit besser weg, als viele Eltern befürchten. Kanadische Wissenschaftler analysierten 2008 zwei ältere Studien, in denen jeweils 1500 Kinder zwischen 7 und 13 Jahren dazu befragt wurden, wie es ihnen mit dieser Enthüllung ging. Tatsächlich gab zwar eine ganze Reihe von ihnen an, sie seien enttäuscht gewesen. Von den Eltern betrogen fühlten sich aber gerade mal zwei beziehungsweise sechs Prozent der Schulkinder.

„Kinder finden die Wahrheit heraus, wenn sie bereit sind, sie zu akzeptieren", folgert Studienleiter Serge Larivée von der Universität Montréal. Oft sind Kinder sogar stolz, dass sie mit dieser Erkenntnis zu den Großen gehören. Sie akzeptieren daher auch bereitwillig die Spielregeln der Eltern, und weihen beispielsweise jüngere Geschwister nicht in ihr Wissen ein.

„Als Entwicklungspsychologin gebe ich keine Ratschläge zur Erziehung", sagt Claudia Roebers. „Aber als Mutter würde ich sagen: Gehen Sie darauf ein, wenn die Kinder älter werden und zu zweifeln beginnen". Dann kann zum Beispiel fragen, ob das Kind meint, dass Rentiere wirklich fliegen können, oder ob das Christkind wohl bei so vielen Kindern gleichzeitig sein kann.

Lasst uns froh und munter sein... weil Weihnachtstraditionen einfach Spaß machen

Briefe an den Weihnachtsmann schreiben, am Nikolaustag prall gefüllte Stiefel vor der Tür finden, gebannt auf das Bimmeln des Glöckchens warten, das verkündet, dass das Christkind endlich da war – all dem wohnt ein ganz besonderer Zauber und eine ganz spezielle Freude inne. Und die dürfen Familien gemeinsam genießen, selbst dann noch, wenn die Sprösslinge längst wissen, wie der Hase, Verzeihung, das Rentier läuft. „Irgendwann geht es vielleicht nur noch darum, zu erraten welcher Nachbar dieses Jahr im Kostüm steckt", lacht Roebers, „Aber das kann schließlich auch Spaß machen."


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