Gute Vorbereitung ist alles

10 Tipps für weniger Angst und Stress beim Kinderarzt

Dein Kind ist krank und quengelig, das Wartezimmer ist voll. Bist du dann endlich im Sprechzimmer, brüllt dein Kind während der gesamten Untersuchung – Stress pur! Doch mit dem richtigen Know-how lässt sich der Kinderarztbesuch bewältigen.

Autor: Dr. Andrea Schmelz
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Kind Arzt Stress

1. Mit Doktorkoffer und Bilderbüchern Vertrauen schaffen

Dein Kind fühlt sich sicherer, wenn es in etwa schon vorher weiß, wie es beim Arzt abläuft. Ihr könnt gemeinsam Bilderbücher zum Thema Arztbesuch ansehen und darüber sprechen. Schon für Kinder ab 20 Monaten gibt es schöne Buchtitel (Tipps siehe unten). 
Mit einem Doktorkoffer kann dein Kind selbst einmal in die Rolle des Arztes schlüpfen und sich mit Stethoskop und Ohrenspiegel vertraut machen kann. So kann es auch seine Kuscheltiere oder dich „verarzten“.

2. Zeige deinem Kind, dass ein Arztbesuch etwas ganz Normales ist

Nimm nach Möglichkeit die U-Untersuchungen wahr. Bei diesen Terminen wird nichts Schmerzhaftes gemacht, sodass dein Kind den Arzt ganz entspannt kennenlernen kann. Du kannst es auch zu eigenen Arztbesuchen mitnehmen, z.B. beim Hausarzt, damit es Ängste vor dem Sprechzimmer verliert oder gar nicht erst entwickelt.

3. Weniger Stress mit guter Vorbereitung

Damit du selbst nicht unter Druck gerätst, solltest du dir Versicherungskarte, gelbes Untersuchungsheft, Impfpass und vielleicht auch eine Liste mit Fragen an den Arzt am Vorabend zurechtlegen. Um deinem Kinderarzt die Diagnose von Beschwerden, die nur gelegentlich auftreten, zu erleichtern, kannst du z.B. Hautausschlag deines Kindes mit dem Handy fotografieren und in der Praxis vorzeigen. Bewegungsstörungen (etwa bei Verdacht auf einen epileptischen Anfall) kannst du als Video aufnehmen.

Ziehe dein Kind praktisch und „ausziehfreundlich“ an (Kleidung zum Reinschlüpfen und ohne Knöpfe, Hose mit Gummibund, Schuhe mit Klettverschluss). Nimm für dein Baby eine Decke mit, damit es nicht friert, falls du es im Arztzimmer schon ausgezogen hast und der Arzt noch auf sich warten lässt.

Nimm den Schnuller mit (falls dein Kind einen benutzt) und/oder das Lieblings-Kuscheltier. Damit fühlt sich dein Kind gleich sicherer und vielleicht kann der Arzt ja beim Untersuchen auch erst mal das Schmusetier abhorchen. 

4. Erste Hilfe gegen Quengeln im Wartezimmer

Weil es zumindest beim Kinderarzt immer Spielzeug für verschiedene Altersgruppen im Wartezimmer gibt und oft auch andere kleine Patienten passenden Alters warten, muss deinem Kind die Wartezeit nicht langweilig werden. Für Notfälle ist es allerdings immer hilfreich, ein neues, noch unbekanntes Spielzeug oder ein noch unbekanntes Bilderbuch (z.B. aus der Bücherei) dabei zu haben. 

5. Wenn schmerzhafte Prozeduren anstehen

Damit dein Kind sich nicht in eine angstvolle Erwartungshaltung hineinsteigert, solltest du Blutabnahmen oder Impfungen erst kurz vorher ankündigen. Weit verbreitet sind gut gemeinte Beruhigungen wie „Du wirst sehen, dass es gar nicht schlimm ist.“ So manches Kind kommt aber gerade durch solche Aussagen erst auf die Idee, dass etwas „Schlimmes“ passieren könnte.

Bleibe ehrlich und behaupte vor Spritzen oder Blutabnahmen nicht, dass es „überhaupt nicht wehtut“. Ein bisschen weh tut der kleine Pieks eben doch und dein Kind würde sich getäuscht fühlen. Sage besser, dass es kurz etwas pieksen kann, dass das aber ganz schnell wieder vorbei ist. Du kannst auch mit einer kleinen Belohnung winken. Oft bekommt dein Kind sogar vom Arzt ein Gummibärchen oder eine andere kleine Belohnung.

6. Erklären zum richtigen Zeitpunkt

Ankündigungen und große Erklärungen vor unangenehmen Maßnahmen sind, wie du eben lesen konntest, kontraproduktiv. Eine australische Studie hat gezeigt, dass Erklärungen während einer unangenehmen Untersuchung/Maßnahme Ängste abbauen können. Kinder zwischen zwei und sieben Jahren konnten den Ablauf besser verstehen und hatten vor allem auch deutlich weniger Angst als Gleichaltrige, die man währenddessen abzulenken versucht hatte.

7. Wie Blutabnehmen weniger wehtut

Babys und Kleinkinder leiden weniger unter dem Pieks, wenn sie währenddessen an Mamas Brust trinken dürfen. Die Kleinsten, speziell Frühgeborene, leiden bei schmerzhaften Prozeduren weniger unter Stress und Schmerzen, wenn sie mit Mama kuscheln dürfen.

Größere Kinder sollten beim Blutabnehmen abgelenkt werden, da der Einstich weniger wehtut, wenn sie nicht dabei zusehen. Besonders effektiv und schmerzarm ist der „Husten-Trick“: Dein Kind sieht weg und wird vom Arzt (oder von dir selbst) gebeten, einmal zu husten. Dann wird dein Kind noch mal zum Husten aufgefordert und während des zweiten Hustens piekst der Arzt. Ebenso gut funktioniert dieser Trick auch mit der Aufforderung, einmal auf Kommando richtig laut zu schreien. Das macht den meisten Kindern Spaß und der kleine Pieks, den der Arzt gleichzeitig setzt, wird kaum mehr wahrgenommen. Wichtig: Damit der Arm deines Kindes nicht versehentlich wegrutscht, sollte er von einer Helferin festgehalten werden.

Alternativ hat sich auch Kältespray, wie es bei Verletzungen verwendet wird, bewährt. Die Kälte auf der Haut hat eine schmerzstillende Wirkung und einer kanadischen Untersuchung zufolge lässt sich dann sogar die Vene besser treffen.

8. Impfen ohne Stress

Die Tipps fürs Blutabnehmen eignen sich natürlich auch fürs Impfen. Hier noch ein paar weitere hilfreiche Tricks: Gehe am frühen Vormittag zum Impfen, denn falls eine heftige Impfreaktion auftreten sollte, kannst du deinen Kinderarzt noch erreichen. Aus demselben Grund solltest du dein Kind auch nicht freitags oder vor einem Feiertag impfen lassen.

Stehen bei einem Impftermin zwei Injektionen an (z. B. Pneumokokken- und Fünf- oder Sechsfachimpfung), sollte immer mit dem Impfstoff begonnen werden, bei dem das Pieksen weniger wehtut – in diesem Fall der Fünffach- oder Sechsfachimpfung.

Lasse dein Kind bereits im frühen Säuglingsalter impfen. Dann ist der Impfschutz vor dem zweiten Geburtstag komplett und dein Kind kann sich später gar nicht mehr ans Impfen erinnern – das beugt Ängsten vor dem Arzt vor.

9. Selbst ruhig bleiben ist die halbe Miete!

Weint dein Kind beim Kinderarzt und hat Angst, solltest du es nicht zu sehr bemitleiden (es passiert ja auch nichts wirklich Schlimmes!), denn das würde seine Angst noch verstärken. Bleibe möglichst ruhig und gehe mit der Einstellung „Da müssen wir jetzt eben durch!“ an die Sache ran. Bitte „rette“ dein weinendes Kind auch nicht vor dem Kinderarzt, indem du es vom Untersuchungstisch auf den Arm nimmst – es sei denn, der Arzt hätte dich darum gebeten. Halte lieber die Hände deines Kindes, gib ihm sein Kuscheltier, beruhige es, indem du ihm sagst, dass es die Untersuchung gleich überstanden hat. Danach kräftig loben! 

10. Panik vor dem Kinderarzt: Was tun?

Da sich die eigene Erwartungsangst, ob dein Kleines auch diesmal wieder so weinen wird, schnell aufs Kind überträgt, kann es helfen, wenn Papa oder Oma mitkommen und dein Kleines in den entscheidenden Augenblicken übernehmen. Ein bewährtes Mittel bei Angst und Panikattacken sind Bach-Blüten-Notfalltropfen (Rescue Remedy, rezeptfrei in der Apotheke erhältlich). Gib deinem Kind zwei Tropfen direkt in den Mund, bei Bedarf nach einigen Minuten wiederholen.

Falls dein Kind gerade in der Fremdelphase ist und andere Menschen grundsätzlich nicht an sich heranlassen mag, hilft nur Abwarten. Hast du das Gefühl, dass dein Kind speziell vor deinem derzeitigen Kinderarzt Angst hat, könnte ein Arztwechsel einen Versuch wert sein (vorzugsweise zu einer Ärztin, falls der bisherige Kinderarzt ein Mann war bzw. andersherum). Manchmal hängt die Panik vor dem Arzt aber auch einfach von der Tagesform deines Kindes ab. Schreit es panisch und will partout niemanden an sich heranlassen, hilft oft nur, die Situation zu deeskalieren, indem du einfach wieder nach Hause gehst. An einem anderen Tag in anderer Stimmung geht der Besuch beim Kinderarzt dann erstaunlicherweise oft ohne größeren Stress über die Bühne.

Buchtipps:

  • Für Kinder ab ca. 20 Monaten eignet sich das Pappbilderbuch 
    „Jakob geht zur Kinderärztin“ 
    (S. Grimm, P. Friedl, Carlsen 2009, 12 Seiten, 5,99 €)

  • Ist Ihr Kind drei Jahre oder älter, empfehlen sich 
    „Wir gehen heute zum Kinderarzt!“ 
    ( Bondarenko, K. Kiefer, Tessloff 2010, 14 Seiten, 7,95 €) 

    oder das ausführlichere 
    „Wieso? Weshalb? Warum? Zu Besuch beim Kinderarzt“ 
    (D. Rübel, Ravensburger 1999, 16 Seiten, 12,99 €)

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