Wichtiger Entwicklungsschritt
Warum Kinder fremdeln
Fremdeln - so nennt man es, wenn Kinder gelernt haben, zwischen vertrauten und weniger vertrauten Menschen zu unterscheiden. Was geht in dieser Zeit in einem Kind vor und wie können wir Erwachsenen angemessen darauf reagieren?
Schutz bei Mama oder Papa
Begeistert dreht und wendet Louisa (9 Monate) eine Plastikbanane aus dem Kaufladen ihrer dreijährigen Schwester. Von allen Seiten betrachtet sie den Gegenstand, hebt ihn hoch, beißt hinein und zeigt ihn immer wieder stolz ihrer Mutter. Doch schlagartig ändert sich das vergnügte Spiel: Im Eiltempo krabbelt sie zu Mama und signalisiert ihr jammernd "Nimm mich hoch – sofort". Auf dem Arm ihrer Mutter kuschelt sie ihr Köpfchen an deren Brust und krallt sich mit Armen und Beinen an dem schützenden Körper fest.
Was hat diesen enormen Stimmungsumschwung ausgelöst? Louisas Onkel ist durch die Terrassentür ins Zimmer gekommen und wollte seine Nichte begrüßen. Die Kleine hingegen will nichts von ihm wissen, obwohl sie sich sonst sogar gerne von ihm auf den Arm nehmen ließ. "Sie fremdelt", erklärt die Mutter das Verhalten des Babys. "Ist das normal?", fragt ihr Bruder. "Ja, das ist ganz normal. Das hat nichts damit zu tun, dass sie dich nicht leiden könnte", kann die Mutter beruhigen. Und tatsächlich, nach einiger Zeit auf Distanz sucht die Kleine neugierig den Blick des Onkels und lächelt ihn an. Im Verlauf des Nachmittags spielen die beiden – sehr zur Freude von Louisa und zur Entspannung der Mama – "Nachkrabbeln", das Kuckkuck-Spiel und schauen sich Bilderbücher an.







