Vorbeugung beginnt in der Wiege

Sucht: Wie kann ich mein Kind schützen?

Viele Eltern stellen sich die Frage: "Wie kann ich mein Kind vor Drogen schützen?" Der erste Schritt ist es, Ihr Kind zur Unabhängigkeit zu erziehen.

von Anne Rodler
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Maedchen Schulflur allein
Foto: © panthermedia/ Monkeybusiness Images

Selbstbewusste Kinder sagen nein!

"Kinder zu stärken, sie so zu stärken, dass sie selbstbewusst und eigenständig werden und buchstäblich nein sagen können, ist bei der Vorbeugung von Sucht zentral", betont Marion David-Spickermann, Diplom-Pädagogin in Bochum. "Die beste Voraussetzung, nicht abhängig zu werden, ist der Weg in ein unabhängiges Leben", fügt die Sozialpädagogin Marlies Hendriks hinzu. Und das beginnt in der Wiege.

Die beiden Fachkräfte aus der Abteilung Suchtvorbeugung der Krisenhilfe e. V. in Bochum-Wattenscheid informieren Eltern, Erzieher und Lehrer darüber, wo Suchtprävention stattfinden kann und was diese alles umfasst. Neben Selbstbewusstsein ist auch die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen, diese angemessen auszutragen und Frust zu tolerieren wesentlich. "Wer gelernt hat, Krisen zu bewältigen, wird weniger in die Versuchung kommen, diese mit Rauschmitteln zu verdecken", unterstreichen die beiden Mitarbeiterinnen der Suchtvorbeugung.

Perfekte Eltern gibt es nicht

Kinder brauchen grundsätzlich jemanden, der ihnen zur Seite steht und in Krisensituationen hilft. Die Personen ihres Vertrauens geben ihnen das Gefühl, nicht alleine zu sein.

Natürlich gibt es Tage, an denen Mutter und Vater völlig genervt und abgekämpft nach Hause kommen und Ruhe und Zeit für sich brauchen. Denn niemand ist perfekt und immer gleich aufmerksam und aufgeschlossen. "In dem Moment sollten Eltern dann jedoch transparent sein", unterstreicht Marion David-Spickermann. "Das bedeutet, den Kindern deutlich zu machen, dass das Problem jetzt gerade nicht an ihnen liegt, sondern an den Eltern. Kinder müssen lernen, auch mit solchen Situationen umzugehen, und wissen, dass es gute und schlechte Tage gibt."

Wer vom Weg abkommt, lernt die Umgebung kennen

Kinder wollen ihre Welt entdecken und etwas erleben. "Hierfür brauchen sie Freiräume, in denen sie sich alleine, ohne die Eltern erproben und eigene Wege einschlagen können. Dabei lernen sie, für sich Verantwortung zu übernehmen und selbstständig zu handeln", erklärt Marlies Hendriks.

Es ist deshalb günstig, wenn Eltern ihre Kinder in deren Abenteuerlust und Erlebnisfähigkeit unterstützen. Gleichzeitig benötigen Kinder Grenzen als Orientierungshilfe: Immer gewähren lassen, immer alle Wünsche erfüllen und keinen Verzicht fordern kann auch bedeuten, dass Kinder in ihrer Eigenständigkeit und Lebenstüchtigkeit eingeschränkt werden.

Die Dinge genießen

Zu der Erlebnisfähigkeit gesellt sich die Genussfähigkeit: Dinge zu schätzen, bestimmte, schöne Momente ganz bewusst zu erleben und das auch vorzuleben. Wer mit Genussmitteln umgehen kann, läuft auch nicht so leicht Gefahr, sie als Suchtmittel zu missbrauchen. "Wenn man zum Beispiel ein Stück Schokolade annimmt, weil man sich mal etwas Leckeres gönnen möchte, steht der Genuss im Vordergrund. Wenn man aber die ganze Schokolade aus Frust in sich hineinstopft, wird die Schokolade nicht mehr als Genussmittel eingesetzt, sondern soll etwas ersetzen," verdeutlichen die beiden Expertinnen.