Wer leidet mehr?
Männer sind anders krank
Es ist schon erstaunlich, wie der gleiche Virus die Geschlechter so ganz unterschiedlich heimsucht. Männer fallen reihenweise um wie die Fliegen, während die Frauen weiterhin tapfer Haushalt und Beruf managen. Wirlich nur ein Klischee?
Männer sind wehleidig, Frauen sind tapfer?
Wenn Männer krank sind, jammern sie wie kleine Kinder. Damit tut man Kindern eigentlich Unrecht, denn wer weiß, wie tapfer die meisten von ihnen durchstehen, empfindet oft noch mehr Verwunderung über die leidenden Männer.
Frauen dagegen können es sich gar nicht leisten, krank zu werden, schließlich gibt es tausend Dinge zu tun. Wenn man dann aber doch einmal kurzzeitig ans Bett gefesselt ist, eilt allenfalls Mama oder Schwiegermutter zu „Hilfe“. Und da ist keine gerne lange krank.
Lesen Sie zwei nicht ganz ernst gemeinte Krankheitsberichte aus zwei gänzlich unterschiedlichen Perspektiven.
Aus der Sicht eines Mannes
Erste Anzeichen
Es beginnt meist am Abend. Ich verspüre ein beunruhigendes Kratzen im Hals. Ich weiß genau, was nun folgt: Der Kopf wird schwer, die Stirn wird heiß, eine ausgemachte Grippe ist im Anmarsch.
Jetzt noch schnell ein paar alte Hausmittelchen bemühen. Wie war das doch gleich? Genau, ein Grog hilft immer. Hat schon mein Großvater getrunken, wenn er erkältet war. Ausgerechnet jetzt haben wir aber keinen Alkohol im Haus. „Schatz, ich fühle mich nicht gut. Ich glaube, ich werde krank.“ „Soll ich Dir einen Tee machen?“, kommt als fürsorgliche Antwort. „Ein Grog würde mir sicherlich helfen, leider haben wir keinen Rum mehr, würdest Du vielleicht...?“ - „Aber sicher, Liebling.“ Was täte ich nur ohne meine Frau?
Böses Erwachen
Der nächste Morgen. Ich habe tief und fest geschlafen, der Alkohol hat Wunder gewirkt. Aufgehalten hat er die Krankheit aber leider nicht. Ich muss im Bett bleiben, Kopf und Glieder schmerzen zu sehr. Der Chef ist bereits informiert und neben meinem Bett steht ein Frühstück mit Kaffee, einem Brötchen mit Honig und einem Teller mit frischem Obst. Unsere Töchter sind im Kindergarten.
Ich fühle mich schrecklich. Appetitlosigkeit und Erschöpfung machen mir das Aufstehen unmöglich. Zum Glück hat meine Frau nur einen Halbtagsjob, kann mich am Nachmittag pflegen und mir unsere Zwillinge ein wenig vom Leib halten. Wo bleibt sie nur? Ich habe noch nicht einmal die Zeitung gelesen, die liegt in der Küche und da ist es viel zu kalt für mich.
Liebevolle Krankenschwester
Rettung naht
Jetzt höre ich die Wohnungstür. Mit besorgter Miene kommt Monika zu mir ins Zimmer. „Na, du Armer, wie fühlst Du Dich?“ „Furchtbar“, presse ich hervor. „Diese Kopfschmerzen! Hilfst Du mir mal auf die Toilette? Und ich glaube, ich könnte eine Gemüsesuppe vertragen. Machst Du mir eine? Du bist ein Schatz.“
Plötzlich kommen Lena und Paula herein gesprungen. „Papa, Papa, spiel mit uns.“ „Nein, ihr Mäuse, der Papa ist krank. Geht zu Mama, die spielt sicher mit euch.“
Am Nachmittag geht es mir schon ein wenig besser. Ich lese ein Buch, von Zeit zu Zeit kommt Monika mit einem feuchten Lappen für meine Stirn oder einem Glas Saft. Wenn nur nicht diese Langeweile wäre. Ob sie mir wohl einen Film aus der Videothek besorgen würde? Und auf dem Rückweg kommt sie doch am Kiosk vorbei: Ich hätte solchen Durst auf eine kalte Cola. Danke.
Gegen Abend werde ich wieder matter. An Einschlafen ist nicht zu denken. Monika fühlt meine Stirn und liest mir etwas vor. Endlich dämmere ich weg. Ich schlafe sehr unruhig, wälze mich ständig hin und her, schwitze sehr viel. Dreimal muss ich meine Frau wecken, damit sie mir etwas Frisches zum Anziehen bringt.
Alles wieder gut
Am Morgen kann ich es kaum glauben. Es geht mir wieder gut. Frisch und ausgeruht springe ich unter die Dusche. Als ich ins Schlafzimmer zurück komme, liegt Monika noch immer im Bett. „Ich glaube, du hast mich angesteckt. Ich muss wohl zu Hause bleiben. Bringst Du mir bitte noch eine Tasse Tee, bevor du gehst?“
Leider bin ich spät dran. Aber den Wasserkocher habe ich ihr noch angestellt. „Hoffentlich ist sie heute Abend fit, schließlich bekommen wir Besuch“, schießt es mir auf dem Weg zum Büro durch den Kopf. „Sie ist schon ein wenig anfällig.“







