Lust und Sinnlichkeit

Erotik: ein virtuoses Spiel

Die Werbung zeigt uns, was sie unter Erotik versteht: z. B. nackte Frau schlängelt sich auf Auto. Aber wie lässt sich Erotik im Leben von "Otto Normalbürger" leben? In diesem Artikel erfahren Sie, was Fantasie, Inszenierung und Spiel damit zu tun haben.

Autor: Constanze Nieder
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Werbung setzt auf schöne Körper

Paar Sex iStock Tomasz Szadkowski
Foto: © panthermedia, Tomasz Szadkowski

Was haben Autos und nackte oder leicht bekleidete Frauen miteinander zu tun? Nichts. Aber, wenn sich eine vollbusige Schönheit auf der Kühlerhaube eines PS-starken Schlittens räkelt, dann – davon sind Werbestrategen überzeugt – lassen sich die hübsch präsentierten Airbags besser an den Mann bringen.

Schließlich soll dem maskulinen Kunden mit dem Auto- auch ein Glücksmodell verkauft werden. Die weibliche Kaufkraft wird seit einigen Jahren ebenfalls verstärkt mit muskulösen Armen, knackigen Pos schöner Männer gelockt – makellose Körper verführen zum Erwerb des angepriesenen Produkts. Erotische Spots und Kampagnen erregen schlichtweg mehr Aufmerksamkeit.

Lust steigert sich in der Fantasie

Angesichts dieser seligmachenden Scheinwelt, die ein lust- und genussvolles Paradies auf Erden verspricht, wie ist es denn um die Erotik im Alltag bestellt? Ganz sicher gehören mehr als nackte Tatsachen dazu, eine solch sinnlich, knisternde Stimmung zu erzeugen. Manchmal reicht eine zarte, flüchtige Berührung, ein netter Brief oder ein intensiver Blick aus, um Körper und Sinne in Wallung zu bringen.

Erotik hat sehr viel mit Fantasie zu tun: Zahlreiche Männer finden transparente Blusen unter denen ein Spitzen-BH zu sehen ist, aufreizender als eine Frau, die am Strand oben ohne trägt. Viele Frauen werden durch eine eng sitzende Jeans, die das wohlgeformte Hinterteil des Traumtyps richtig zur Geltung bringt, extrem angeregt – die prickelnde Vorfreude aufs "Auspacken" wird mächtig angekurbelt.

Niveauvolle erotische Filme arbeiten daher mit verschlüsselten Botschaften: Nicht der eigentliche Liebesakt, sondern subtile Gestik, Mimik, anregende Dialoge und Symbolik werden wohldosiert ins Bild gesetzt. Der Zuschauer schmückt das Gezeigte dann in seinen Gedanken aus; er holt sich Appetit und genießt nach seinem eigenen Geschmack.

Küssen ist wie Joggen – nur schöner

Erotik vereint die Elemente körperliches Begehren, emotionale oder seelische Bindung (Liebe) und intellektuelles Spiel (Verführung). Gerade der zuletzt genannte Punkt weist darauf hin, dass Erotik sehr viel mit Inszenierung zu tun hat. So wird bei einem intensiven Flirt die Begierde in Neckereien, Lockungen, Versprechen, Schmeicheleien verpackt – Wortspiele schaukeln Puls und Emotionen hoch.

Wer sich von einem romantischen Treffen zu zweit mehr als Unterhaltung verspricht, der "sorgt" vor, schafft mit Kerzenschein, Schmusemusik und einem Glas Wein ein reizvolles Ambiente. Vielleicht kommt es in dieser Stimmung zum ersten Kuss, dem ersten Lippenbekenntnis der gegenseitigen Zuneigung. Die Erregung nimmt zu – die Schildrüsenaktivität der Küssenden ist erhöht, ihre Bauchspeicheldrüsen geben Insulin ab und die Nebenniere setzt Adrenalin frei.

Keine Depression und kein Frust

Der Puls verdoppelt sich, das Herz rast, der Kreislauf wird wie beim Joggen in Schwung gebracht – nur schöner. Zugleich wird auch die Produktion des Stresshormons Kortisol, das Depressionen und Frustrationen mitverursacht, eingedämmt. Mit einem Mal ist man euphorisch der Welt entrückt; auf einen Schlag sind (vorübergehend) alle Sorgen weg. Küssen ist also nicht nur sinnlich, sondern auch noch gesund!

Möglicherweise war es ein solcher Augenblick, den die französische Schriftstellerin Simone de Beauvoir, Lebensgefährtin von Jean-Paul Sartre, zu dem Ausspruch veranlasste: "Als ich die Lust zur Sinnlichkeit entdeckte, habe ich an Gott zu glauben aufgehört. Denn er stahl mir die Erde."

Auch wenn die Paare nicht mehr frischverliebt sind, muss ihr Liebesleben nicht unerotisch werden. Es gibt viele Möglichkeiten, die sexuelle Spannung zu erhöhen. So kann man das Vorspiel beispielsweise als langen Tanz gestalten. "Bolero" von Ravel eignet sich hierfür gut, weil er die Steigerung der Erregung auch im Tempo schön nachempfindet.

Wem das zu klischeehaft ist, der nehme ein anderes Lied – nur lang muss es sein, schließlich soll der eigentliche Geschlechtsverkehr so weit hinausgezögert werden, bis es unerträglich wird. Während des Tanzens sollten sich die Partner gegenseitig langsam ausziehen und ihre Körper mit Küssen bedecken. Das Stückweise Sichtbarwerden der nackten Haut und die intensiver werdenden Berührungen wirken geradezu ekstatisch.

Abwechslung fürs Liebesleben

Manche steigern den Reiz ihres Sexlebens auch indem sie Spiegel im Schlafzimmer (oder wo auch immer sie miteinander schlafen) installieren. Hierin können sich die Liebenden beobachten und sehen bei bestimmten Stellungen sehr deutlich die Reaktion des Partners. Zudem können Spiegel auch dadurch die Lust steigern, weil man besonders begehrte Körperteile deutlicher oder sogar doppelt und dreifach sieht (je nachdem, wie viele Spiegel angebracht wurden).

Auch vorherige Partnermassagen mit wohlriechenden sowie Haut und Sinne stimulierenden Ölen führen zu explosiven Höhepunkten. Wer aber immer lange Vorspiele inszeniert, für den kann das Sexleben auch langweilig werden.

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