30.01.2013 Sprunghafter Anstieg des "Zappelphilipp"-Syndroms

Generation ADHS

Im Jahr 2011 wurde in Deutschland 620.000 mal bei Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahren das "Zappelphilipp"-Syndrom ADHS diagnostiziert. Damit stieg die Zahl der Fälle innerhalb von fünf Jahren um 42 Prozent. Laut Arztreport 2013 der BARMER GEK waren 472.000 Jungen und 149.000 Mädchen betroffen.

Autor: BARMER GEK
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Schulkinder Generation ADHS
Foto: © Fotolia.com/ Christian Schwier

Unter Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahre kletterte die Zahl diagnostizierter Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) zwischen 2006 und 2011 von 2,92 auf 4,14 Prozent." Am häufigsten waren im Jahr 2011 Jungen im Alter von 10 Jahren von der Diagnose "Hyperkinetische Störung" betroffen.

Dieser Anstieg erscheint inflationär, warnt Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, BARMER GEK-Vorstand. "Wir müssen aufpassen, dass ADHS-Diagnostik nicht aus dem Ruder läuft und wir eine ADHS-Generation fabrizieren. Pillen gegen Erziehungsprobleme sind der falsche Weg." Es gebe eine Reihe von alternativen Therapieoptionen, wie zum Beispiel ein effektives Elterntraining oder Verhaltenstherapie. "Ritalin darf nicht per se das Mittel der ersten Wahl sein", so Schlenker weiter.

Die "Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.v." hat zu dieser Studie eine Stellungnahme verfasst, die hier nachgelesen werden kann.

Größeres Risiko bei jüngeren und schlechter ausgebildeten Eltern

Die Wissenschaftler aus Hannover ermittelten außerdem elternabhängige Faktoren, die das Risiko für eine ADHS-Diagnose und die Verordnung von Medikamenten bei Kindern beeinflussen. Demnach sinkt das Risiklo mit steigendem Ausbildungsniveau und bei besserverdienenden Eltern. Umgekehrt sind Kinder arbeitsloser und jüngerer Eltern häufiger betroffen. "Ob das an einer größeren Gelassenheit von Eltern im fortgeschrittenen Alter liegt oder an Erziehungsproblemen jüngerer, bleibt offen", sagt Schlenker.

Würzburg "ADHS-Hauptstadt"?

Auffällig sind auch die regionalen Unterschiede. In Würzburg zum Beispiel liege die Diagnosehäufigkeit um 75 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Hintergrund könne die hohe Anzahl von Kinder- und Jugendpsychiatern in der Region sein. Auch in der Region Unterfranken liegt die ADHS-Diagnoserate bei Jungen im Alter von zehn bis zwölf Jahren mit 18,8 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von knapp 12 Prozent. Noch deutlicher fällt der Unterschied bei der Arznei-Verordnungspraxis aus: Im Alter von zehn bis zwölf Jahren erhielten bundesweit rund 6,5 Prozent der Jungen eine Verordnung – in Unterfranken waren es mit 13,3 Prozent mehr als doppelt soviel (Mädchen ca. 5,5 Prozent gegenüber 2 Prozent im Bundesdurchschnitt). Letztlich blieben die Ursachen für den ADHS-Boom im Raum Würzburg aber unklar, so Schlenker.


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