Gefährlich für Schwangere:

Was du über den Hantavirus wissen solltest

Die meisten Menschen, die an dem von Nagetieren übertragenen Hantavirus erkranken, merken davon nichts. Andere dagegen leiden unter teils heftigen Grippesymptomen. Wie gefährlich er für Schwanger und Kinder ist, wie ihr vorbeugen könnt und was bei einer Infektion zu tun ist.

Autor: Heike Byn
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Was ist das Hantavirus und wo kommt es vor?

Hantavirus gefährlich für Schwangere
Foto: © colourbox

Hantavirus ist ein Sammelbegriff für mehrere Virenarten, die von Nagetieren – vor allem von der Rötelmaus – auf den Menschen übertragen werden. Das passiert beim Aufenthalt in Wäldern, bei der Gartenarbeit, beim Aufräumen und Säubern von Kellerräumen oder Abstellflächen, wenn Speichel, Urin oder Kot von infizierten Ratten und Mäusen aufgewirbelt und eingeatmet wird. Zu den Hauptverbreitungsgebieten der Rötelmaus in Deutschland gehören Baden-Württemberg, der Raum Osnabrück, der Odenwald, Oberschwaben, die Fränkische Alb und der Bayerische Wald. Während infizierte Tiere gesund bleiben und dem Virus nur als Wirt dienen, kann eine Virusinfektion beim Menschen heftig verlaufen. Wichtig: Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gilt als sehr unwahrscheinlich. Bislang sind nur einzelne Fälle aus Südamerika bekannt, die ein dort vorkommender Hantavirustyp ausgelöst hat. Auch Haustiere können das Virus nicht übertragen.

Hanta-Viren: Gefährlich für Schwangere, nicht für Babys

In der Schwangerschaft schädigt der Hantavirus anders als z.B. die Erreger von Toxoplasmose das ungeborene Baby nicht. Allerdings kann es bei einer Schwangeren, die an einer Hantavirus-Infektion leidet und starke Beschwerden wie hohes Fieber hat, das Risiko für vorzeitige Wehen und eine Frühgeburt erhöhen. „Frauen mit Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft sollten deshalb die typischen Infektionswege vermeiden", so Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Das heißt: Macht einen Bogen um typische Orte wie Dachböden, Keller, Scheunen, Gartenschuppen oder Ställe, in denen die mit dem Virus befallene Ratten und Mäuse leben und überlasst Aufräum- und Putzaktionen gesunden Helfern.

Hanta-Virus: Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Die Zeit zwischen Ansteckung und Auftreten der ersten Symptome beträgt normalerweise zwei bis vier Wochen. In seltenen Fällen kann das auch bis zu acht Wochen Monate dauern.


Warum sind in diesem Jahr so viele Menschen am Hantavirus erkrankt?

„In diesem Jahr ist die Zahl der Infektionen so hoch wie schon lange nicht mehr", sagt Detlev Krüger vom Labor für Hantaviren an der Charité in Berlin. Er rechnet bundesweit mit 2.000 bis 3.000 Fällen bis Ende 2017. Dabei schwankt die Zahl der Infizierten von Jahr zu Jahr stark: 2016 registrierte das Robert-Koch-Institut 282 Erkrankte, 2012 waren es 2.825. Das hängt hauptsächlich mit der Zahl der infizierten Nagetiere zusammen: In diesem Jahr hat das mit dem guten Ertrag der Buchen in den Wäldern im letzten Herbst zu tun. Dadurch gab es viele Bucheckern, die vor allem der Rötelmaus als Nahrung dienen. Ihre Population ist durch den Futterüberschuss stark gestiegen. Der Schwerpunkt der Erkrankungen liegt derzeit (Stand Juni 2017) in Niedersachsen, vor allem in der Region um Osnabrück sowie in Baden-Württemberg.

Hantavirus-Symptome: Kinder sind seltener krank und haben weniger Beschwerden

Wichtig zu wissen: Kinder erkranken seltener am Hantavirus als Erwachsene. Bei ihnen verläuft die Infektion fast immer auch milder. Grundsätzlich merkt die Mehrheit derer, die sich mit dem Virus angesteckt hat, davon gar nichts oder verwechselt den Virus mit anderen Krankheiten. Ihr Immunsystem hält die Viren in Schach und die Infektion verläuft symptomlos oder mit sehr mildem Verlauf. Ein Teil der Infizierten entwickelt dagegen heftige grippeähnliche Symptome wie Kopf-, Bauch- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Fieber, Husten und/oder Übelkeit. Bei einem schweren Verlauf kommt es zu einer gestörten Nierenfunktion, Blutdruckabfall und vergrößerter Leber. Hat ein Arzt den Verdacht, dass der Patient den Hantavirus hat, sucht er im Blutbild nach typischen Veränderungen wie einer niedrigen Zahl von Blutplättchen und veränderten Nierenwerten.

Wie behandelt man eine Hantavirus-Infektion?

Es gibt keine Medikamente, die speziell gegen den Hantavirus wirken, lediglich die Beschwerden lassen sich behandeln. Z.B. mit fiebersenkenden, schmerzstillenden oder schleimlösenden Medikamenten für Erwachsene und Kinder, die man auch gegen grippale Infekte oder andere Infektionen einsetzt. Wichtig: Wer nach typischen Tätigkeiten wie Gartenarbeit, Aufräum- und Putzaktionen in Kellern oder Schuppen sowie längeren Aufenthalten in Wäldern und Parks Symptome wie hohes Fieber oder grippeähnliche Beschwerden entwickelt, die auf eine Hantaviren-Infektion hinweisen können, sollte sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen.

Hanta-Virus: Wie kann ich vorbeugen?

Da es weder eine schützende Impfung noch spezielle Medikamente gegen die Infektion gibt, rät das Robert-Koch-Institut zur Vorbeugung: Vermeidet, soweit es geht, den Kontakt zu Nagetieren und ihren Ausscheidungen. Bewahrt Lebensmitteln in verschließbaren Behältern und sauberen, trockenen Räumen. Sind Mäuse im Haus oder der Wohnung, solltet ihr sie mit einer Falle schnell loswerden. Wer den Keller, Schuppen oder Dachboden von Dreck und/oder Mäusekot befreiten will, sollte erstmal gründlich lüften. Tragt bitte beim Fegen von Gartenschuppen oder anderen Outdoor-Lagerplätzen einen gut abdichtenden Mundschutz und Arbeitshandschuhe. Für Innenräume besser keinen Staubsauger benutzen, sondern die Flächen nass putzen – und auch dabei Putzhandschuhe tragen. Wenn ihr beim Putzen oder Aufräumen auf tote Nager stoßt, dann benutzt zum Entsorgen Einmalhandschuhe und möglichst auch einen Mundschutz. Packt das tote Nagetier oder seine Exkremente in einen Plastikbeutel und entsorgt ihn zusammen mit den Handschuhen. Reinigt die Fläche gründlich mit Desinfektionsmitteln und wascht eure Hände gründlich.

Mit Kindern unterwegs: Vorsicht in Buchenwäldern und Parks!

Wie gesagt, Kinder sind seltener betroffen als Erwachsene. Wenn ihr trotzdem auf Nummer sicher gehen wollt: Bei Wanderungen durch Buchenwälder oder Campingtrips in Waldnähe vermeidet soweit es geht einen direkten Kontakt mit den Ausscheidungen von Nagern und erregerhaltigem Staub, z.B. indem die Kinder nicht mit bloßen Händen welke Blätter aufwühlen. Säubert ihre Hände zwischendurch schnell mal mit einem Feuchttuch und wascht euch alle bei nächster Gelegenheit ausgiebig die Hände.


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