Das schaff ich doch mit links?

Erstes Kind: Kleiner Wurm schmeißt alle Pläne um

Ich werd' das Kind schon schaukeln. Dachte sie. Doch dann kam das Kind, sie schaukelte und trotzdem kam alles ganz anders. Andrea Grüten über ihre Erfahrungen mit Baby, Mann und dem ganz normalen Chaos nach der Geburt des ersten Kindes

Autor: Andrea Grüten
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Muttersein kann man nicht studieren

Neugeborenes Schulter Mutter iStock molka
Foto: © iStockphoto.com / molka

Ich erinnere mich noch gut: Vollmundig habe ich während der Schwangerschaft verkündet - mein Kind wird die schönste Nebensache der Welt. Natürlich gehe ich sofort wieder arbeiten. Wozu habe ich mich schließlich all die Jahre im Beruf hochgedient? Als so genannte (sehr) Spätgebärende konnte ich mir ein Leben ohne Job auch gar nicht vorstellen. Doch in dem Moment, wo der kleine Wurm auf der Welt war, schienen Lichtjahre vergangen zu sein, plötzlich war alles wie umgewandelt. Vor allem ich selbst. Mutter kann man nicht lernen oder studieren. Man ist es plötzlich. Und ist erstmal der allgemeine Jubel der Verwandtschaft verhallt, steht man ziemlich allein da - inmitten von Chaos, Windeln und wüsten Gedanken.

Kleiner Wurm schmeißt alle Pläne um

Ein Klacks, das schaffe ich auch noch. Das wäre doch gelacht. Schließlich habe ich mich all die Jahre ja auch im Beruf durchgebissen. Schon im Krankenhaus plane ich generalstabsmäßig unser gemeinsames Leben. Ach, das wird schön ... Doch bereits die erste Nacht zu Hause holt mich auf den Teppich. Dieses kleine Etwas schreit unaufhörlich. Und ich weiß nicht, warum. Verzweifelt rufen wir die Nachtschwester im Krankenhaus an. "Vielleicht hat er Blähungen", lautet der Rat der Fachfrau. Mit zittrigen Händen versuchen wir mit einem Fieberthermometer Erleichterung zu verschaffen. Umsonst. Entgegen aller Empfehlungen gibt es noch eine Portion Milch außer der Reihe. "Du musst ihn in einen Rhythmus bringen", hallt der Rat meiner Mutter - aus sicherer Entfernung wohlgemerkt - in meinen Ohren. Sei es drum - hier geht es um meine Nachtruhe. Schnell stelle ich fest: Ich habe nicht nur mal eben ein Baby bekommen - da ist ein Individuum mit einem eigenen Kopf, Wünschen und Nöten. Und das macht es mir rund um die Uhr lautstark klar.

Gestörte Mittagsruhe

Nie werde ich zu den Frauen gehören, die abends dem heimkehrenden Mann entgegenfiebern. Pah, kein Thema. Denn schließlich habe ich während meines anfänglichen Hausfrauendaseins ja auch genug zu tun. Und doch schiele ich schon wieder zur Uhr. Mein zweiter Blick fällt auf den schlafenden Knirps, auf Berge von Wäsche, ungemachte Betten und Stapel schmutzigen Geschirrs. Es schellt an der Haustüre - auch das noch, ausgerechnet jetzt. Wutendbrannt mache ich auf. Ich hab es geahnt - die kleine Sirene geht postwendend wieder los. Vorbei der Mittagsschlaf. Weiß so ein Postbote eigentlich, was er da anrichtet? Meinen Terminkalender im Büro hatte ich gut im Griff - das hier nicht. Demonstrativ halte ich dem Störenfried an der Haustüre das schreiende Bündel unter die Nase. Doch den berührt das wenig, liefert seine Post ab und macht sich schnell von dannen.

Wann kommt endlich mein Mann?

Was hat der Kleine jetzt? Hunger, frische Hose, Fieber, Blähungen. Ich habe jedes Zeitgefühl verloren. Wie viel Uhr ist es, wann kommt endlich mein Mann? Kurzfristig entscheide ich mich, in den Heulkrampf meines Sprösslings einzusteigen. "Es wird alles besser und einfacher." Wer behauptet denn so was? Natürlich, meine Mutter. Am Telefon, oder wenn sie ihren gut gelaunten wohlriechenden Enkel einmal besucht. "Dann laß doch das bisschen Haushalt einfach mal liegen." Und das ausgerechnet aus ihrem Mund. Von wem habe ich denn den Perfektionismus in die Wiege gelegt bekommen? Außerdem habe ich mir fest vorgenommen, von der ersten Minute zumindest von zuhause aus wieder zu arbeiten. Wieso kriege ich überhaupt nichts mehr geregelt? Ich schmeiße die Waschmaschine an. Die hat auf meinen Sohn eine äußerst beruhigende Wirkung: Er ist wieder eingeschlafen. Und ich mit ihm.

Es gibt kein Patentrezept

Jahre später bedauere ich sehr, dass ich die Baby-Zeit sowenig genossen habe. Spätestens, als mein Kind mir zum ersten Mal offenbart, dass er lieber mit seinen Freunden spielen will als bei Muttern zu bleiben, wird mir klar, er nabelt sich immer mehr ab. "Sei nicht traurig, ich komme ja wieder", tröstet er mich. Und was ist mit mir? Wieder einmal muss ich alles umkrempeln. Vor allen Dingen mich selbst und meine “Freizeit“. Die nutze ich erneut ein Stückchen mehr für den Beruf. Und dennoch plagt mich immer die Frage: Habe ich alles richtig gemacht? Es ist halt so: Mutter wird man eben mal nebenbei - da gibt es kein Patentrezept.

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