Hörnum: Ruhe und Natur
Sylt-Urlaub mit Kindern
Ruhiger und entspannter Urlaub auf der beliebten Partyinsel Sylt – und das auch noch mit kleinen Kindern? In Hörnum am Süd-Ende der Insel ist das möglich. Unsere Autorin Maja Roedenbeck hat den etwas anderen Sylturlaub abseits von Luxustouristen und kastenförmigen Hotels für urbia getestet.
Sylt einmal anders
Wenn eine Familie mit kleinen Kindern und unspektakulärem Kontostand nach Sylt fährt, geht das meistens so: In Westerland aus der Nordostseebahn gefallen, den Maxitrolley die Friedrichstraße entlang gezerrt bis zu einem der kastenförmigen Hotels in der Nähe der Promenade. Zwei Wochen lang eingekeilt zwischen übernächtigtem Partyvolk, unentschlossenen Tagestouristen und räuberischen Möwenschwärmen am Strand gehockt, einmal für 35 Euro (Familienkarte) im „Sylt Aquarium“ gewesen, einmal für 33 Euro (Familientageskarte) im Freizeitbad „Sylter Welle“ geplanscht und wieder in die Nordostseebahn Richtung Heimat gestiegen.
Dabei kann ein Sylturlaub mit kleinen Kindern so viel schöner, ruhiger und naturverbundener sein. Man muss nur in Westerland noch mal umsteigen, in den Bus der Linie 2 nach Hörnum. Zugegeben, auch das ist noch kein Vergnügen (Alternative: per Autozug mit dem eigenen Wagen anreisen, doch das ist mit viel familienunfreundlicher Warterei verbunden). Der Bus fährt selbst in der Hochsaison nur alle zwanzig Minuten und ist dann so proppenvoll und überhitzt, dass die Kinder gar nicht anders können als quengeln. Doch schon am Westerländer Campingplatz steigen die Jugendlichen mit ihren Bierkästen wieder aus. Auf halber Strecke in Rantum die rüstigen Wanderer mit ihren Nordic Walking Stöcken. Und dann kommt nur noch Hörnum. Weiter geht’s nicht, in Hörnum ist Sylt zu Ende. Und irgendwie auch die Welt. Was für ein erhebendes Gefühl! Exotisch und befreiend als sei man bis nach Neuseeland gereist, auf die gegenüberliegende Seite des Planeten, und das, obwohl Berlin nur sechs und Frankfurt nur acht Zugstunden und 30 Busminuten entfernt sind.
Dennoch braucht die wahre Liebe ein paar Urlaubstage mehr, um zu erblühen. In Hörnum empfangen den Reisenden nämlich nicht wie zum Beispiel in Keitum vom Ortseingang an schmucke Reetdachhäuser, romantische Bauerngärten und die uralten Friesenwälle der Kapitänsvillen. Luxusurlauber beschweren sich in verschiedenen Internetforen über die Bausünden und die mürrischen Einheimischen, auch über die Winterschlafatmosphäre, die in ihren Augen selbst im Sommer über dem Ort liegt (das Nachtleben beschränkt sich zum Beispiel auf „Uwes Club“, die bis vor kurzem einzige Bar des Ortes; eine weitere Bar mit Livemusik gibt’s jetzt auch im Hapimag Resort, kulturelle Veranstaltungen wie Kammermusik und Lesungen im Golfhotel Budersand). Hörnumfans kommen genau deswegen hierher: Weil sie Sylt mögen, sich aber nicht mit verwöhnten Luxusurlaubern herumschlagen wollen. Weil sie es genießen, die Schönheit eines Ortes für sich zu entdecken, anstatt alles vor die Nase gesetzt zu bekommen. Weil sie sich am Kiosk gern von echten Hörnumern bedienen lassen und sie im „Rostigen Anker“ gern in der Skatrunde am Nachbartisch wissen, in der Hoffnung, auf diese Weise teilzuhaben am authentischen Sylter Leben. Und sie kommen wegen der entspannten Gemütlichkeit, der zuliebe sie aber auf keine Annehmlichkeit verzichten müssen – nicht mal auf einen Internetanschluss (in der Touristeninfo (www.hoernum.de) und im „Klabautermann Bistro“). Aber auch in immer mehr Ferienwohnungen ist der WLAN-Zugang bereits im Preis inbegriffen.
Und das Nachtleben – na ja, das findet für Eltern mit kleinen Kindern im Urlaub ja sowieso selten außerhalb der Ferienwohnung statt.

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