Lese-Lern-Methoden
Wie lernt ein Kind am besten Lesen?
Mit der Anlauttabelle, mit der altbewährten Fibel oder in Silben - an deutschen Schulen herrscht verwirrende Vielfalt, wenn es um den Weg zum Lesen (und Schreiben) lernen geht. urbia stellt die häufigsten Lese-Lern-Methoden vor.
Lesenlernen anno dazumal – wenig Platz für Kreativität
„Hasenmax, der Bösewicht, konnte heut‘ sein Verschen nicht, hat gepfiffen und geschwätzt, Hasenlieschens Rock zerfetzt, eine neue Bank zerkracht und dabei noch laut gelacht. In die Ecke muß er nun. Ei, da kann er Buße tun!“, heißt es im Fibel-Klassiker „Die Häschenschule“, mit der viele deutsche Kinder vor knapp 100 Jahren das Lesen lernten. Diese Fibel mit ihren bunten Bildern und Reimen galt damals als besonders kindgerecht und modern. Beim Lesenlernen sprach der Lehrer erste Wörter vor, die Kinder sprachen sie im Chor nach. Zuvor hatten sie das Alphabet gelernt und sollten sich nun merken, aus welchen Buchstaben das betreffende Wort zusammen gesetzt werden musste.
Erstleser im 21. Jahrhundert – Spaß muss sein
Fibeln gibt es immer noch, aber die I-Dötzchen des 21. Jahrhunderts müssen das erste Lesen nicht mehr durch Nachsprechen lernen. Sie sollen sich die geschriebene Sprache selbständig und kreativ aneignen. Das Ganze soll auch Spaß machen, damit die Lust am Lesen- und Schreibenlernen bleibt. Fachleute gehen dabei davon aus, dass das Lesenlernen in drei Hauptschritten erfolgt: Zuerst kommt das Wiedererkennen von Zeichen oder Schriftzügen (logographische Phase). Dann erfolgt die Zuordnung von Buchstaben zu Lauten, die sogenannte alphabetische Phase. Zuletzt kommt das Textverständnis, wenn das Kind das Wort beim Lesen auch inhaltlich versteht. Doch wie die Vermittlung dieser Fähigkeiten am besten funktioniert, darüber besteht Uneinigkeit.

