Zeit des Glücks

Die Stunden nach der Geburt

Den ersten Stunden nach der Geburt haftet ein unvergesslicher Zauber an. Was ist wichtig für das Entstehen einer guten Eltern-Kind-Beziehung?

von Andrea Lützenkirchen
Eltern Neugeborenes
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Zauber der ersten Stunden

Es ist ein wunderbarer Moment, wenn Ihnen die Hebamme Ihr gerade geborenes Kind in die Arme gibt. Freude durchströmt Sie. Freude, dass das Baby endlich da ist, dass Sie es berühren, ansehen können und die Strapazen der Geburt überstanden sind. Die ersten Stunden mit Ihrem Kind werden Sie sicher Ihr ganzes Leben nicht vergessen, so intensiv erleben Sie es, Ihr Baby zu halten, zu streicheln, zu riechen.
In einer guten Klinik kann die junge Familie mindestens zwei Stunden ungestört im Kreißsaal bleiben. Eltern und Neugeborenes brauchen jetzt Zeit und Ruhe, um sich kennen zu lernen und die Fülle ihrer Gefühle zu verarbeiten.

Was passiert nach der Geburt?

"Nach der normalen Entbindung liegt das Neugeborene auf der Brust der Mutter in engem Hautkontakt", berichtet Professor Friedrich Wolff, Chefarzt der Frauenklinik in Köln-Holweide. "Darüber kommt ein warmes Tuch, um ein Auskühlen zu verhindern. Baden, Messen und Wiegen haben Zeit und geschehen erst viel später, denn ein kurzer Check-up des Kindes ist auch auf der Brust der Mutter möglich (Herztöne, Atmung und "ist alles dran?")." Nach einem Kaiserschnitt kann der Vater das Kind auf seine Brust nehmen.

Das "Bonding": Wie wichtig sind die ersten Stunden?

"Die ersten Stunden sind sehr wichtig, da die Prägung auf die Mutter/Eltern erfolgt", so Wolff. Das Neugeborene erkennt die Herztöne, den Geruch und die Stimme seiner Mutter und erhält durch den Haut-an-Haut-Kontakt die Wärme und Geborgenheit, die es dringend braucht. Umgekehrt ist auch die Mutter nach der Geburt besonders offen und aufnahmefähig für ihr Baby. In dieser sensiblen Phase entsteht "die einzigartige Beziehung zwischen Mutter/Eltern und Kind, die von langer Dauer ist". Die amerikanischen Kinderärzte Marshall Klaus und John Kennell prägten für diesen intensiven ersten Kontakt den Begriff "Bonding".

Nicht immer ist alles ideal

Nicht immer ist dieses frühe Bonding möglich. Das Neugeborene ist vielleicht zu schwach und muss auf die Intensivstation verlegt werden oder die Mutter ist zu erschöpft, um sich um ihr Kind zu kümmern. Ist die Trennung von Mutter und Kind aus medizinischen Gründen unumgänglich, kann das Entstehen einer tiefen Beziehung zwischen Eltern und Kind später nachgeholt werden. Hier ist zum Beispiel das "Känguruhen" von Frühchen auf der nackten Brust der Eltern eine gute Möglichkeit, Nähe und Kontakt herzustellen.

Das erste Stillen

"Bis zu zwei Stunden nach der Geburt ist der Saugreflex des Neugeborenen besonders ausgeprägt", meint die Hebamme Andrea Wehling. "Es kommt viel seltener zu Problemen beim Stillen, wenn das Kind in dieser Zeit das erste Mal an der Brust seiner Mutter trinkt." Nach dem Stillen kann das Baby dann untersucht, gebadet und angezogen werden.