Geburtshäuser

Gebären in Geborgenheit

Wem die Geburt in einer Klinik zu technisiert, die Hausgeburt aber zu riskant ist, für den könnte eine Geburt im Geburtshaus der "goldene Mittelweg" sein. Lies in diesem Artikel, was für eine Entbindung in diesen Häusern wichtig ist und welche Angebote es dort außerdem gibt.

Autor: Andrea Lützenkirchen
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Warum Geburtshäuser?

Mutter Neugeborenes kuscheln
Foto: © iStockphoto.com/ clintscholz

In den heute rund 50 Geburtshäusern der Bundesrepublik kommen jährlich etwa 4000 Kinder zur Welt. Die Tendenz ist steigend. Das verwundert nicht, denn Geburtshäuser haben eine Menge zu bieten. Für Frauen, denen eine Hausgeburt zu gewagt erscheint, die sich aber auch in einer Klinik nicht wohlfühlen, kann das Geburtshaus eine gute Alternative sein. Dabei dient das Geburtshaus nicht nur dem Gebären. Werdende und frisch gebackene Eltern finden hier persönliche Betreuung, Beratung und Kursangebote für die Zeit vor und nach der Geburt. Außer Geburtsvorbereitungskursen bieten viele Geburtshäuser auch Yoga für Schwangere, Rückbildungsgymnastik, Vortragsabende, Eltern-Kind-Gruppen und mehr an.

Das Vorbild: "birth centers" in USA

In den 70er Jahren wuchs das Unbehagen an der sterilen und entwürdigenden Gebärpraxis in amerikanischen und europäischen Kliniken. Immer mehr Schwangere, Hebammen und Geburtshelfer kritisierten, dass Frauen mit rasiertem Schamhaar in liegender Position und im gleißenden Licht eines Kreißsaal-Ops ihre Kinder zur Welt bringen mussten. So wurde 1975 in New York das erste "birth center" gegründet, das Frauen eine selbstbestimmte und natürliche Geburt ermöglichte. 1987 war es dann auch in Deutschland soweit: In Berlin entstand das erste Geburtshaus.

Idee und Konzept

EINE Hebamme für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

Das Besondere an einer Geburt im Geburtshaus ist die kontinuierliche, persönliche Betreuung durch eine Hebamme. Im Geburtsvorbereitungskurs, den Vorsorgeuntersuchungen und in der Sprechstunde, in der persönliche Ängste und Probleme besprochen werden können, entsteht bald ein Vertrauensverhältnis. Die erwählte Hebamme begleitet das Paar während der Geburt und ist auch für die Nachsorge im Wochenbett zuständig. "Habe ich eine Schwangere schon während der Schwangerschaft kennen gelernt, kann ich viel eher auf ihre Bedürfnisse während der Geburt eingehen und ihre Belastungsfähigkeit einschätzen", sagt Christiane Ippach, Hebamme am Kölner Geburtshaus.
Auch wer nicht im Geburtshaus entbinden möchte, kann sich hier bei einer Hebamme seiner Wahl zum Vorbereitungskurs und zur Nachsorge anmelden.

Selbstbestimmtes Gebären

Es gehört zum Konzept der Geburtshäuser, dass die Hebamme so wenig wie möglich in den natürlichen Geburtsverlauf eingreift. So werden zum Beispiel keine wehenauslösenden Medikamente verwendet. Die Frau selbst bestimmt, ob sie sich bewegen will oder nicht, ob sie etwas essen oder trinken möchte oder nicht. Sie ist diejenige, die die Geburtspositionen auswählt, in der sie sich am wohlsten fühlt. Treten Komplikationen auf, werden eine weitere Hebamme oder ein Arzt hinzugezogen. Bei zehn bis fünfzehn von hundert Geburten ist ein Umzug ins Krankenhaus notwendig. Meist ist eine Geburtsverzögerung oder ein Geburtsstillstand der Grund dafür. Eine Gefahr für das Kind besteht nur in sehr seltenen Fällen.

Geburt ohne PDA?

Sicherheit und Geborgenheit statt Schmerzmittel

Geburtshaus-Hebammen gehen davon aus, "dass eine gesunde Frau in der Lage ist, eine normale Geburt auch ohne Schmerzmittel zu bewältigen". (Dorit Zimmermann: Geburtshäuser, s. u.) Sie sind der Meinung, dass eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Hebamme und gebärender Frau und eine persönliche Atmosphäre sich positiver auf die Geburt auswirken als medizinische Kontrollapparate und starke Schmerzmittel. Denn je mehr Angst und Unsicherheit eine Frau vor und während der Geburt empfindet, desto unerträglicher sind ihre Schmerzen. "Vertrautheit und Geborgenheit wirken sich hingegen angstmindernd aus", sagt Christiane Ippach. Doch ganz ohne Schmerzmittel will man auch im Geburtshaus nicht auskommen. Zur Schmerzbekämpfung werden natürliche Mittel eingesetzt wie Akupunktur, homöopathische Mittel, Massagen und Bachblüten. Macht der Geburtsverlauf eine PDA unumgänglich, wird die gebärende Frau in eine Klinik verlegt.


Die Frage nach der Sicherheit

Wie sicher ist eine Geburt im Geburtshaus?

Die Frage nach der Sicherheit lässt viele Frauen zögern, im Geburtshaus zu entbinden. Da beruhigt das Ergebnis einer Studie der Technischen Universität Berlin, die Geburtsverläufe in Kliniken in Berlin und Bayern mit Geburtsverläufen in 60 Geburtshäusern verglich. Die Untersuchung zeigte auf, dass bei einer Geburt im Geburtshaus kein höheres Risiko besteht als bei einer Geburt im Krankenhaus. Bei den meisten Geburtshäusern ist eine Klinik in der Nähe, so dass eine Verlegung meist undramatisch verläuft.

Entscheidung im letzten Moment

"Viele Frauen setzen sich unter Zugzwang und wollen die perfekte natürliche Geburt hinlegen. Dabei ist es ist gar nicht notwendig, sich von Anfang an auf das Geburtshaus festzulegen", betont Christiane Ippach. "Die Frau kann sich noch im letzten Moment dafür entscheiden, ins Krankenhaus zu gehen, wenn sie sich zu unsicher fühlt. Und: Spätestens mit Einsatz der Wehen weiß jede, wo sie gebären möchte." Umgekehrt wachsen mit fortschreitender Schwangerschaft bei vielen Frauen die Sicherheit und das Vertrauen zu ihrem Körper. "Ich habe oft erlebt, dass sich Frauen kurz vorher für eine Geburt zu Hause oder im Geburtshaus entschieden statt für eine Klinikgeburt", erzählt Christiane Ippach.

Wie lange sollte man nach der Geburt im Krankenhaus bleiben?

Was zahlt die Kasse?

Die Kosten

Viele Krankenkassen übernehmen inzwischen den Kostenbeitrag, den die werdenden Eltern erbringen müssen. Dieser Betrag ist von Geburtshaus zu Geburtshaus verschieden. In Köln zum Beispiel wird eine Gebühr von 400 EUR erhoben. Für die fünfwöchige Rufbereitschaft der Hebamme um den Geburtstermin herum werden 250 EUR veranschlagt. Immer häufiger übernehmen Krankenkassen die Geburtshaus-Gebühren, es macht also Sinn, dies vorher mit der eigenen Krankenversicherung abzuklären.

Wer kann im Geburtshaus entbinden?

"Das Geburtshaus eignet sich für Frauen, die ein gutes Körpergefühl besitzen und Vertrauen zu ihrem Körper haben", erklärt Christiane Ippach. "Sie sollten sich bei ihrer Hebamme und im Geburtshaus gut aufgehoben fühlen." Wer dagegen von starken Zweifeln und Ängsten geplagt wird und der modernen Medizin viel Vertrauen entgegenbringt, sollte lieber in einer Klinik entbinden.
Frauen mit Risikofaktoren wie eine Mehrlingsschwangerschaft, Beckenend- und Steißlage oder eine tiefliegende Plazenta können wegen der notwendigen medizinischen Betreuung nicht im Geburtshaus gebären. 

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