Saugglocke

Die Saugglocke – Geburtshilfe bei der vaginalen Entbindung

Manchmal benötigt das Baby bei seinem anstrengenden Weg auf die Welt Unterstützung von außen. In solchen Fällen kann der Geburtshelfer die Saugglocke oder die Geburtszange einsetzen, um den Kopf des Babys sanft hinauszuziehen und die Entbindung voranzutreiben. Doch was genau passiert eigentlich bei einer Saugglockengeburt?

Die Mehrheit der vaginalen Geburten in Deutschland verläuft planmäßig. Lediglich bei etwa acht Prozent der Entbindungen benötigt der Fötus beim Austritt aus dem Geburtskanal Unterstützung von außen. In so einem Fall kommen Geburtshilfen wie die Saugglocke oder die Geburtszange zum Einsatz. Die Saugglocke wird dabei häufiger benutzt, denn sie ist das sanftere der beiden Instrumente.

Wann wird die Saugglocke eingesetzt?

Die Saugglocke wird auch Vakuum-Extraktor genannt, da ein Vakuum zwischen Glocke und Babykopf genutzt wird, um den Kopf mithilfe der nächsten Wehe aus dem Geburtskanal zu ziehen. Das Instrument besteht aus einer Schale, einer Vakuumpumpe und einem Griff. Eine Saugglockengeburt oder Vakuumentbindung lässt sich nicht voraussehen, sondern wird dann vorgenommen, wenn:

  • die  Geburt zum Stillstand gekommen ist.
  • die Geburt beschleunigt werden muss, da Baby oder Mutter in Not geraten sind.
  • die  Wehen zu gering sind oder die Gebärende zu kraftlos ist.
  • der Geburtskanal wider Erwarten zu eng ist, zum Beispiel durch eine ungünstige Position der Arme des Babys.

Die Saugglocke wird nicht verwendet, wenn das Baby eine dafür ungeeignete Lage wie die  Steißlage eingenommen hat, das Kind  zu früh entbunden werden muss (hier besteht ein erhöhtes Risiko für Hirnblutungen) oder der Muttermund nicht vollständig geöffnet ist.

Sind Zange und Saugglocke heute noch üblich?

Wie verläuft eine Saugglockengeburt?

Der Arzt wird zunächst erklären, weshalb die Geburt mit einer Saugglocke unterstützt werden muss und welche Komplikationen auftreten können. Die Beine der Gebärenden finden manchmal in Steigbügeln Halt und werden so in der optimalen halbsitzenden Position gehalten. Die Blase der Gebärenden wird für die Geburt mit Saugglocke über einen Katheter entleert. Dadurch schafft man zusätzlich Platz im kleinen Becken und verringert das Verletzungsrisiko. Außerdem erhält die Gebärende ein Schmerzmittel oder eine lokale Betäubung (fachsprachlich Pudendus- oder Lokalanästhesie genannt).

Ist der Geburtskanal trotz Geburtsinstrument zu eng für den Kopf des Babys, kann der Geburtshelfer zusätzlich einen Dammschnitt vornehmen. Dieser Eingriff wird heute noch häufig vorgenommen, da die Geburt mit Saugglocke und Zange in den meisten Fällen zu Verletzungen des Geburtskanals führt. Der gezielte  Dammschnitt entlastet das Gewebe und hilft, tiefere Verletzungen zu vermeiden.

Der Arzt ertastet zunächst die Lage des Babys und setzt die Glocke in der Vagina am Kopf des Kindes zwischen den großen  Fontanellen an. Es gibt inzwischen die verschiedensten Materialien und Größen für Saugglocken. Der Aufsatz ist aber wesentlich kleiner als der Kopf des Babys. Über die Größe müssen Sie sich also keine Gedanken machen. Hat der Geburtshelfer das Geburtsinstrument positioniert, erzeugt er mit der Saugglocke einen Unterdruck und zieht den Kopf des Kindes bei der nächsten Wehe vorsichtig aus dem Geburtskanal. Sobald der Kopf geboren ist, wird die Saugglocke entfernt und das Kind normal entbunden.

Durch den Unterdruck der Saugglocke entsteht bei den meisten Säuglingen am Kopf eine deutlich sichtbare Schwellung, die in der Fachsprache Kephalhämatom genannt wird. Die Verformung wirkt auf viele Eltern beängstigend. Doch keine Sorge: Sie bildet sich innerhalb der ersten beiden Tage nach der Entbindung von allein zurück.

Alternative zur Saugglocke: Die Geburtszange

Manchmal wird auch die Geburtszange (Forceps) eingesetzt, um die Entbindung voranzutreiben. In der Regel verkürzt sich die Geburt mit diesem Instrument stärker als mit der Saugglocke, da es schneller angelegt werden kann. Allerdings sollte die Geburtszange nur von sehr erfahrenen Geburtshelfern angelegt werden, um Verletzungen am Kopf des Babys wie Schädelfrakturen oder Zangenmarken zu vermeiden.

Wie bei der Geburt mithilfe der Saugglocke nutzt der Geburtshelfer die nächste Presswehe, um den Kopf des Babys vorsichtig aus dem Geburtskanal zu ziehen. Der Rest des Körpers wird normal entbunden. Welches Instrument zur Geburtshilfe eingesetzt wird, entscheidet sich erst bei der Geburt und ist von der Lage des Kindes und dem  Stadium der Entbindung abhängig. Auch klinikspezifische Präferenzen spielen dabei eine Rolle.


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