Keine leichte Entscheidung

Ungeplant schwanger - und nun?

Wird der Schwangerschaftstest positiv, löst das nicht immer automatisch Glücksgefühle aus. Wenn die Schwangerschaft nicht geplant war, kann ein verwirrendes Gefühlsgemisch aus Freude, Angst und Sorge bis hin zu der Frage führen: Soll ich das Kind bekommen?

Autor: Ulrike Hahnlein
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Manchmal wird das Überraschungsei zum größten Glück

Paar ungeplant schwanger
Foto: © fotolia.com/ CandyBox Images

Vielleicht fühlt man sich zu jung oder zu alt für ein Kind, steht momentan ohne Partner oder ohne familiäre Unterstützung da, oder aber man wollte sich eigentlich zuerst auf die Karriere konzentrieren. Es gibt viele Gründe, warum eine Schwangerschaft vielleicht gerade nicht in die Lebensplanung der werdenden Mutter passt.

Mein Partner gab mir die Kraft 

Auch gewollt Schwangere kennen Ängste und Sorgen in Bezug auf die neue Situation, umso größer sind diese dann manchmal, wenn das Baby im Bauch so gar nicht geplant war. Das kennt auch Andrea, die mit 20 Jahren aus heiterem Himmel feststellte, dass sie schwanger ist: „Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben damit vorbei sei und habe sogar heimlich über einen Abbruch nachgedacht. Ich habe nur noch geheult und war völlig verzweifelt. Mein Partner aber hat vom ersten Moment an gestrahlt und war überglücklich. Das hat mir die entscheidende Kraft und die Zuversicht gegeben, das Kind zu bekommen. Ich wusste, egal was passiert, er ist für mich und unser Kind da. Rückblickend, war dieses kleine `Überraschungsei´ unser größtes Glück, das wir für nichts auf der Welt wieder hergeben würden!“

Einen perfekten Zeitpunkt hätte es nicht gegeben

Ähnlich erlebte es Katharina. Sie hatte gerade einen neuen Job angenommen und ein Umzug stand bevor. Kinder waren zwar ein Thema in ihrer Partnerschaft, aber zuerst wollten beide beruflich vorankommen. „Mein erster Gedanke war einfach nur `Schei…´ und ich bin sofort in Tränen ausgebrochen“, erzählt die 32-Jährige. „Auch mein Mann war verzweifelt und meinte, das sei jetzt ein ganz schlechter Zeitpunkt.“ Geholfen hat den beiden in dieser Situation die Unterstützung ihrer Familie, die ihnen von Anfang an Mut zugesprochen und ihnen das Gefühl gegeben hat, nicht alleine zu sein. „Abtreibung stand bei uns nie zur Debatte. Wir sind zwar nicht grundsätzlich dagegen, aber wir könnten die seelischen Folgen, die das mit sich bringt, nicht verkraften.“ Katharinas Geschichte fand ihr Happy End mit der Geburt ihres kleinen Sohnes: „Es war definitiv die richtige Entscheidung ihn zu bekommen. Ich weiß heute, dass es bei mir nie den 'perfekten' Zeitpunkt gegeben hätte. Es wäre immer noch etwas gewesen, was ich hätte erledigen müssen. Mein Sohn ist definitiv das Beste, was ich in meinem Leben habe, besser als jeder Job der Welt.“

Das Überraschungskind ist besonders gelungen

Auch im reiferen Alter kann es zu einer überraschenden und zunächst erschreckenden Schwangerschaft kommen: Elisabeth hatte bereits vier Kinder, das Jüngste war bereits sieben Jahre alt und sie fühlte sich seit einiger Zeit erleichtert, blühte auf, meinte, sie sei aus dem Gröbsten raus. Für den Sommer hatte die Familie seit langem einen Urlaub in den Bergen geplant: "Im Frühjahr spürte ich plötzlich regelmäßig morgige Übelkeit." Die damals 37-jährige war zunächst einfach nur überrollt. Noch einmal das Ganze von vorne, von diesem Gedanken fühlte sie sich zunächst einfach nur schockiert und überfordert. Vor allem für ihren Mann, aber auch für sie war ein Abbruch aber aus religiösen Gründen keine Option. Also entschied sie sich für die Schwangerschaft: "Ich muss zugeben, ich hatte die ersten Monate alles andere als freundliche Muttergefühle." Als das Baby schließlich nach einer schweren Geburt in ihren Armen lag, liebte sie es jedoch sofort so stark und innig wie ihre anderen vier Kinder, und heute sagt sie sogar: "Um nichts in der Welt möchte ich sie wieder hergeben, ich glaube gar, Sandra ist das gelungenste Kind von allen."  

Wo das Ja zum Kind nicht möglich war

Doch nicht immer finden Frauen den Mut, diese Herausforderung anzunehmen. Martina erzählt, warum sie sich gegen ihr Kind entschieden hat: „Ich war fast 40 und mir wurde vom Frauenarzt gesagt, dass ich wahrscheinlich nicht mehr schwanger werden kann. Deshalb nahmen wir es mit der Verhütung nicht mehr so genau. Als es dann passiert war, konnte ich im Grunde nur noch weinen. Auch mein Freund hat geweint, weil er sich so gefreut hat.“ In den kommenden Wochen hat sich das Paar, das sich erst ein halbes Jahr kannte, nur noch gestritten. Martina war bereits alleinerziehende Mutter einer 8-Jährigen und wurde in der ersten Schwangerschaft verlassen: „Ich weiß, was es bedeutet mutterseelenallein dazustehen, ohne Unterstützung von Eltern oder Partner. Alle Versprechen in Bezug darauf, dass man das schon hinkriegt und Hilfe von irgendwoher bekommt, greifen leider am Ende nicht wirklich.“

Bis zur siebten Schwangerschaftswoche war sich Martina sicher, nie zu einem Abbruch fähig zu sein, doch sie wurde immer panischer: „ Die Verzweiflung, Panik und Traurigkeit haben alles andere überdeckt. Ich hatte Angst, dass das Kind aufgrund meines Alters nicht gesund ist. Ich hatte Angst, dass ich mit zwei Kindern von zwei Männern alleine dastehe und das nicht schaffe. Über mir hing die ‚Hartz4-Glocke’…“

Ich hätte das Kind geliebt

Martina wendete sich an „pro familia“: „Nach dieser wirklich tollen und sehr neutralen Beratung fühlte ich mich zum ersten Mal wieder gut. Ich habe sehr klar gedacht: Ich kann das Baby leider nicht bekommen. Ich wusste, ich werde so oder so traurig sein. Wenn ich es behalte, werde ich traurig und verzweifelt sein, wenn nicht, auch. Ich habe mich ganz friedlich und in Liebe von der kleinen Seele verabschiedet und dann den Abbruch vornehmen lassen.“ In den Tagen danach fühlte sich die Alleinerziehende erleichtert: „Eingeholt hat mich das ganze erst wieder bei meiner Periode. In diesen Tagen bin ich jedes Mal traurig, dass ich dieses unschuldige Wesen nicht bekommen habe. Ich hätte es geliebt, wie meine Tochter“. Martina hadert mit der Entscheidung, doch sie hat sie bewusst getroffen, akzeptiert alle persönlichen Konsequenzen und empfindet großes Mitgefühl für jede Frau, die vor solch einer Entscheidung steht.

Nein, nicht jetzt!

Weniger innerlich „zerrissen“ hat dieser schwere Schritt urbia-Userin „kiki2000“. Die damals 18-Jährige war mit ihrem gleichaltrigen Freund erst drei Monate zusammen, beide steckten mitten in der Ausbildung. Von ihren Eltern konnten die beiden keine Unterstützung erhoffen, die Mutter der jungen Frau war schon lange gestorben, der Vater für zwei Jahre im Gefängnis. Die Eltern des Freundes hatten keinerlei finanzielle Möglichkeiten dem jungen Paar unter die Arme zu greifen. „kiki2000“ erzählt, dass sie nicht lange überlegen musste: „Als ich den positiven Schwangerschafts-Test in der Hand hielt, war sofort klar: Nein! Auch mein damaliger Freund konnte sich kein Kind vorstellen, nicht jetzt! Da gab es nichts zu diskutieren, ich wollte unter diesen Umständen kein Kind in die Welt setzen.“ Der Abbruch wurde in der zehnten Woche vorgenommen: „Ich fühlte mich danach erleichtert und bereue diesen Schritt keine einzige Sekunde.“ Inzwischen ist die junge Frau Mutter eines einjährigen Sohnes: „Er war zwar auch ungeplant, aber er war sofort erwünscht, da sich die Umstände geändert hatten und ich keinen Grund sah, ihn nicht zu bekommen.“

Option Adoption

Wenn sich Frauen nicht zutrauen, ihr Kind zu behalten, Abtreibung aber auch keine Option ist, kann Adoption (offen oder anonym) ein möglicher Weg sein. Diesen schlug auch urbia-Userin „yvi86“ ein, die mit 16 Jahren nach einem familiären Missbrauch schwanger wurde. „Ich wollte diesem Kind das Leben schenken, wusste aber gleichzeitig, ich kann ihm nichts bieten“, erzählt die heute 26-Jährige. Sie wendet sich ans Jugendamt und besteht darauf, die potenziellen Adoptiveltern kennenzulernen. „Es war sofort eine unglaubliche Sympathie und sie waren bereit, mit mir den Weg der offenen Adoption zu gehen.“ Sogar bei der Geburt durfte die „Ersatzmama“ dabei sein und blieb anschließend noch fünf Tage im Familienzimmer auf der Entbindungsstation. „yvi86“ erinnert sich: „Dadurch hatte ich Zeit mich von meinem wunderbaren Jungen zu verabschieden und die Adoptiveltern konnten ihn kennenlernen.“

Im ersten Jahr werden Fotos geschickt, ein Wiedersehen folgt, als der Kleine ein Jahr alt ist. Nach weiteren vier Kindern, die bei ihr leben, ist die junge Frau zufrieden mit der Situation: „Wir telefonieren regelmäßig, einmal die Woche erzähle ich ihm dabei eine Gute-Nacht-Geschichte und wir sehen uns viermal im Jahr. Er weiß, dass ich seine `Bauchmama´ bin und findet es cool, zwei Mamas zu haben. Meine Kinder wissen auch, dass sie einen großen Bruder haben und lieben ihn sehr.“ Der enge Kontakt ist von allen gewollt, „yvi86“ redet viel mit den Adoptiveltern: „Es ist gut so, wie es ist. Er hat dort eine wunderbare Familie, es ist sein zu Hause.“

Das Chaos im Kopf sortieren

Frauen, die ungeplant schwanger werden, fühlen sich oft überrumpelt und überfordert von ihren Gefühlen diesen unerwarteten Umständen gegenüber. Um eine gefühlsmäßige und auch vernünftige Entscheidung treffen zu können, muss aber das „Chaos im Kopf" erst einmal sortiert werden.

Beratung ohne Bevormundung

Für betroffene Frauen ist es häufig leichter, anonym mit einer Person zu sprechen, die nicht in den Konflikt involviert ist. So können sie ihre persönlichen Gedanken und Gefühle schon mal ordnen, bevor Familie und Freunde eingeweiht werden. Zahlreiche Anlaufstellen für Frauen in dieser Situation bietet zum Beispiel der gemeinnützige Verein „pro familia". Ausgebildete Beraterinnen helfen den Klientinnen ihre Bedürfnisse, Ängste und Zweifel zu formulieren, ohne sie dabei zu bevormunden.

Regine Wlassitschau vom Bundesverband „pro familia" weist darauf hin, dass Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch erwägen, verpflichtet sind, sich in einer anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle beraten zu lassen: „Das Beratungsgespräch ist ein Angebot, über die Gründe zu sprechen, die die Frauen zum Abbruch bewegen. Die Inhalte der Beratung sind gesetzlich geregelt, Frauen sollen dabei prinzipiell zur Fortsetzung der Schwangerschaft ermutigt werden. Sie brauchen deshalb jedoch nicht befürchten, dass sie sich im Gespräch in irgendeiner Weise rechtfertigen müssen oder bedrängt werden, Ihre Gründe zu nennen oder ihre bereits getroffene Entscheidung zu ändern. Die Entscheidung, ob die Schwangerschaft abgebrochen wird oder nicht, liegt allein bei der Schwangeren. Auf Wunsch erhalten die Frauen außerdem Informationen über alle finanziellen und sozialen Hilfen, die in Betracht kommen, um ihnen die Fortsetzung der Schwangerschaft zu erleichtern und Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen. Und: Das Beratungsgespräch ist absolut vertraulich."

Hilfe für Betroffene

Ein innerer Konflikt aufgrund einer ungeplanten Schwangerschaft kann eine große emotionale Herausforderung für die werdenden Eltern sein. Ein Patentrezept, wie Frauen in dieser Lage entscheiden sollten, gibt es nicht. Dies hängt immer von der individuellen Situation und den Gefühlen der Schwangeren gegenüber dem ungeborenen Kind ab.

Rat und Hilfe in einer Konfliktschwangerschaft, ob telefonisch, via E-Mail oder im persönlichen Gespräch, finden Sie über die

Suchmaschine der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)


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