Verhütungsmethoden

Die Qual der Wahl: Kondom, Antibabypille, Spirale & Co.

Die Auswahl an Verhütungsmethoden ist groß. Bietet natürliche Verhütung ein gleiches Maß an Schutz wie hormonelle oder chemische Verhütung? Und was hat es mit diesen Begriffen überhaupt auf sich? urbia bringt Licht ins Dunkel und beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die gängigen Verhütungsmethoden.

Verhütung ist  bei Teenagern ein ebenso großes Thema wie bei Erwachsenen. Die Angst davor, etwas falsch zu machen und deshalb ungewollt schwanger zu werden oder sich mit einer Geschlechtskrankheit zu infizieren, ist zu Recht groß. Deshalb gilt es, die Verhütungsmethode mit Bedacht zu wählen. Nur im Notfall sollte auf die rezeptpflichtige  „Pille danach“ zurückgegriffen werden. Diese Hormon-Pille verzögert den Eisprung und minimiert das Risiko einer Schwangerschaft damit enorm. Für Paare, die gerade ein Kind bekommen haben, wird das Thema  Verhütung nach der Geburt interessant. Denn häufig wählen Mütter in der Interimszeit eher weiche Verhütungsmethoden, da sie grundsätzlich für weitere Schwangerschaften offen sind. Außerdem ist nicht jedes Verhütungsmittel für die Stillzeit geeignet. Doch worauf sollte man zurückgreifen und was schützt verlässlich, wenn kein weiteres Kind gewünscht ist? Wie sicher die jeweilige Verhütungsmethode ist, verrät der Pearl-Index: Dieser gibt an, wie hoch der Anteil von sexuell aktiven Frauen ist, die trotz der jeweiligen Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger geworden sind. Je niedriger der Pearl-Index, desto zuverlässiger die Methode.

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Von Pille bis Pearl-Index

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Hormonelle Verhütungsmethoden

Hormonelle Verhütungsmethoden funktionieren auf sehr unterschiedliche Weise. Einige Methoden bewirken, dass der Eisprung vollständig ausbleibt, andere Methoden verändern die Schleimhaut im Gebärmutterhals oder behindern den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Darüber hinaus erschweren einige hormonelle Verhütungsmethoden den Transport der Eizelle im Eileiter, um eine Befruchtung zu erschweren. Folgende hormonelle Verhütungsmethoden stehen zur Wahl:

  • Pille: Die in Deutschland am meisten verbreitete hormonelle Verhütungsmethode. Sie verhindert den Eisprung, indem sie der Hirnanhangdrüse mithilfe der Hormone Östrogen und Gestagen eine Schwangerschaft vortäuscht. Der Pearl-Index beträgt 0,1-0,9. Je nach Pille kommt eine Kombination mehrerer Wirkstoffe zum Tragen. Andere Kombinationspräparate, die auf dem gleichen Wirkprinzip beruhen, sind die Ein- und Zweiphasenpille, die Mikropille sowie Zwei-und Dreistufenpräparate (Pearl Index bei allen etwa 0,2). Die östrogenfreie Pille verwendet nur das Hormon Gestagen, die Wirkung ist aber dieselbe (Pearl-Index 0,1-0,4).
  • Minipille: Im Gegensatz zur klassischen Pille handelt es sich bei der Minipille nicht um ein Kombinationspräparat. Durch eine geringe Konzentration eines Gestagens namens Levonorgestrel wird hier nicht der Eisprung verhindert, sondern die Gebärmutterschleimhaut und der Schleim im Gebärmutterhals verändert. Dadurch ist es Spermien nicht mehr möglich, in die Gebärmutter einzudringen und befruchtete Eizellen können sich nicht mehr in der Gebärmutterschleimhaut einnisten. Nur bei sehr regelmäßiger Einnahme (täglich zur gleichen Zeit) ist ein Pearl-Index von 0,8 gegeben, sonst liegt er bei 3.
  • Hormonspirale: Wird auch als Intrauterinsystem (IUS) bezeichnet und als T-förmiges Kunststoffteil vom Gynäkologen in die Gebärmutter eingesetzt. Der Wirkmechanismus ist identisch mit dem der Minipille. Dabei wird das Hormon Levonorgestrel kontinuierlich über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren abgegeben (0,6-0,7).
  • Depot- oder Dreimonatsspritze: Dabei wird das Hormon Gestagen zwischen dem ersten und dem fünften Zyklustag in den Gesäß- oder Deltamuskel der Frau gespritzt. Die Spritze muss alle drei Monate erneuert werden und unterdrückt genau wie die Pille den Eisprung (0,3-0,88).
  • Hormonimplantat: Das Implantat, auch als Verhütungsstäbchen bekannt, enthält Gestagen und wird von geschulten Frauenärzten an der Innenseite des Oberarms der Frau angebracht. Dort stößt es kleine Mengen des Hormons aus und ist bis zu drei Jahre haltbar (0-0,3).
  • Verhütungsring: Auch Vaginalring genannt. Ein biegsamer Kunststoff-Ring wird einmal im Monat in die Vagina eingeführt, wo er durch die Ausschüttung von Hormonen den Eisprung verhindert (0,4-0,65).
  • Verhütungspflaster: Hierbei handelt es sich um ein Kombinationspräparat aus Gestagen und Östrogen, das wie die klassische Pille wirkt, aber nicht oral, sondern über die Haut aufgenommen wird. Es wird wöchentlich angewendet und eignet sich vor allem für Frauen, die die Pille nicht regelmäßig einnehmen können (0,72-0,9).

Hormonelle Verhütungsmethoden zeichnen sich durch eine hohe Zuverlässigkeit aus. Nachteilig ist jedoch, dass sie zum Teil stark in den Hormonhaushalt der Frau eingreifen und eventuelle Nebenwirkungen mit sich bringen.

Barrieremethoden

Auch eine mechanische Empfängnisverhütung kann bei richtiger Anwendung guten Schutz bieten. Die einfache Grundidee dahinter: Eine Barriere hindert die Spermien daran, in die Gebärmutter einzudringen. Barrieremethoden erfordern etwas Übung bei der Anwendung, greifen dafür aber nicht in den Hormonhaushalt der Frau ein. Gängige Barrieremethoden sind:

  • Kondom: Diese besonders beliebte Barrieremethode gibt Männern die Chance, sich bei der Verhütung aktiv einzubringen. Ein großer Vorteil des Kondoms liegt darin, dass es nicht nur vor einer Schwangerschaft, sondern auch vor Geschlechtskrankheiten schützt. Der Pearl-Index liegt bei 0,2-4.
  • Diaphragma: Funktioniert als Barriere in Verbindung mit einem Spermizid. Wird es richtig verwendet – es wird wie eine Kappe über den Muttermund gesetzt – blockiert es das Eindringen der Spermien in die Gebärmutter (1-20).
  • Frauenkondom: Ein weicher Latexschlauch, den sich die Frau als Alternative zum Männerkondom in die Vagina einführen kann. Vorteil: Es dient auch als Schutz vor Geschlechtskrankheiten (5-25).
  • Portiokappe: Elastische Kappe aus Latex, die ähnlich funktioniert wie ein Diaphragma: vor den Gebärmutterhals geschoben, verhindert sie in Verbindung mit einem Spermizid das Eindringen von Spermien (6-18).

Intrauterinpessare

Intrauterinpessare (IUP) werden durch einen Gynäkologen in der Gebärmutter der Frau platziert. Sie wirken auf mehrere Arten, weswegen sie hier gesondert aufgeführt werden. Die genaue Wirkweise ist unklar, sicher ist aber, dass sie einerseits die Gebärmutterschleimhaut verändern und so die Einnistung einer befruchteten Eizelle unterbinden und andererseits der Kupfer schädigend auf die Spermien einwirkt. Die bekannteste Form der Intrauterinpessare ist die Kupferspirale (0,9-3). Zudem gibt es aber auch das Kupferkettchen, das als noch sicherer gilt (0,1-0,5), weil es so in der Gebärmutter fixiert wird, dass ein Verrutschen deutlich unwahrscheinlicher ist. Goldspiralen arbeiten wie Kupferspiralen, beinhalten aber neben dem Kupfer auch Gold, das antibakteriell wirken soll. Ganz neu auf dem Markt ist die Kupferperlenschnur, die als besonders schonend für die Gebärmutter beworben wird.

Chemische Verhütungsmethoden

Als Verhütungsmethoden für die Frau stehen außerdem chemische Verhütungsmittel zur Verfügung, die sogenannten Spermizide. Spermien abtötende Wirkstoffe in Form von Gel, Zäpfchen oder Schaum sorgen hier dafür, dass die Spermien auf ihrem Weg zur Befruchtung des Eies behindert werden. Spermizide stehen jedoch mitunter in der Kritik, die Vaginalschleimhaut zu reizen und dauerhaft zu schädigen. Außerdem besteht bei alleiniger Verwendung nur ein Pearl-Index von 3-21. Es ist daher empfehlenswert, sie in Kombination mit einer der Barrieremethoden anzuwenden (Diaphragma oder Kondom).

Operative Methoden

Wer auf volle Sicherheit setzen will, ist letztendlich mit einer Sterilisation für Mann oder Frau am besten beraten. Dabei werden Samen- oder Eileiter durchtrennt, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft – bei einem Index-Wert von 0,1-0,3 – praktisch bei null liegt. Doch damit verschwindet auch meist endgültig die Möglichkeit, Kinder zu zeugen. Man sollte sich diesen Schritt also sehr genau überlegen. Darüber hinaus gilt: Einen absolut hundertprozentigen Schutz gibt es mit keiner einzigen Methode.

Keine leichte Entscheidung

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Natürliche Verhütungsmethoden – künstliche Mittel adé

Alternative Methoden taugen zwar nicht zum Schutz vor sexuellen Krankheiten wie Aids, Hepatitis oder Herpes, doch sie können durchaus einer unerwünschten Schwangerschaft vorbeugen. Neben- und Wechselwirkungen und Spätfolgen, wie sie durch hormonelle Mittel aufgrund der zum Teil massiven Eingriffe in den Körper auftreten können, bleiben eher die Ausnahme. Wird eine natürliche Methode gründlich und gewissenhaft angewandt, kann sie eine Schwangerschaft verhindern, auch wenn sie im direkten Vergleich mit künstlichen Mitteln oft unsicherer erscheint. Nicht empfehlenswert ist sie für spontane Typen oder Frauen mit unregelmäßigem Zyklusverlauf.

Natürliche Verhütungsmethoden funktionieren nach dem Prinzip der natürlichen Familienplanung. Das Paar passt die sexuellen Aktivitäten an den Zyklusverlauf der Frau an. Um den Zeitpunkt des Eisprungs und der fruchtbaren Tage möglichst genau zu berechnen, können ein  Zykluscomputer oder Tools wie der urbia-Zykluskalender und die  Eisprungkalender-App zur Hilfe genommen werden. Studien bescheinigen Zykluscomputern lediglich einen Pearl-Index zwischen 0,7 und 6,5. Alternativ berechnen Frauen mithilfe der Temperaturmethode ihren Eisprung. Dazu ist es erforderlich, nach dem morgendlichen Aufwachen immer an der gleichen Stelle die Temperatur zu messen. Zur Zeit des Eisprungs steigt die Körpertemperatur um 0,4 bis 0,6 Grad Celsius.

Die Billings- oder Zervixschleim-Methode beruht hingegen auf der Tatsache, dass sich die Konsistenz des Schleimes am Gebärmutterhals verändert und anhand seiner Beschaffenheit fruchtbare von weniger fruchtbaren Tagen unterscheidbar sind. Mit einem Index von 5-35 ist sie nicht verlässlich, kann aber die Temperaturmethode sehr gut ergänzen. Die Knaus-Ogino- oder Kalendermethode gilt ebenfalls als unsicher, der Pearl-Index liegt hier zwischen 9-16. Dabei wird anhand reiner Schätzung durch Beobachtung des Menstruationszyklus vorgegangen. Mit einem besonders hohen Index von bis zu 27 und damit als überaus unsicher gilt der Coitus interruptus. Hierbei zieht der Mann seinen Penis aus der Scheide, kurz bevor es zum Samenerguss kommt. Da jedoch bereits vorher Spermien austreten, ist hier die Gefahr einer Schwangerschaft sehr hoch.

Welche Verhütungsmethode für ein Paar die richtige ist, hängt von der Verträglichkeit genauso ab wie vom finanziellen Aspekt, dem Alter der Frau sowie von den persönlichen Vorlieben. Informieren Sie sich ausführlich über die Vor- und Nachteile der einzelnen Verhütungsmittel, bevor Sie sich für Ihre Verhütungsmethode entscheiden.

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