Wenn Eltern ins Schwitzen kommen

Aufklärung im Elternhaus

Wie kommt das Baby in deinen Bauch? Wenn es um die Aufklärung ihrer Kinder geht, kommen viele Eltern ins Schwitzen. urbia sprach mit Sexual-Pädagogen.

von Constanze Nieder
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Vater Tochter Gespraech iStockiImagesbybarbara
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Bienen und Störche sind fabelhafte Tiere

Störche und Bienen sind keine gewöhnlichen Tiere. Wie sonst lässt sich ihre hohe Popularität vor allem bei Eltern erklären? Immer dann, wenn die Kinder unangenehme Fragen stellen oder es dringend an der Zeit ist, dass die Sprösslinge über ganz natürliche Vorgänge informiert werden sollten, dann holen sich – auch heute noch – viele Erwachsene Hilfe in der fabel-haften Tierwelt: Aufklärung im Elternhaus hat schon so manchen Vater und manche Mutter ins Schwitzen gebracht. "Mama, wie kommt das Baby denn in deinen Bauch? Und wie kommt es da wieder raus?" oder "Was macht ihr denn, wenn ihr euch ganz doll lieb habt?", wollen schon Kleinkinder wissen, um sich ihre Welt mit allem, was dazu gehört, erschließen zu können. Wie sollten Eltern diese Fragen beantworten und wie sieht die moderne Sexualerziehung aus? Urbia sprach mit Sabine Tolkmitt und Martin Gnielka, Sexualpädagogen bei Pro Familia in Köln.

Sexualpädagogik ist mehr als Aufklärung

Wenn das Stichwort Sexualpädagogik fällt, dann denken die meisten sofort an Aufklärung. Das ist aber zu kurz gegriffen. "Sexualpädagogik beginnt im Elternhaus schon direkt nach der Geburt", versichern die beiden Experten und erläutern: "Auch ein Säugling ist ein sexuell empfindendes Wesen. Das ist natürlich eine andere Sexualität als bei Erwachsenen, aber Kinder wollen sich und ihren Körper entdecken. Und das ist richtig und wichtig." Ein Ziel von Still-, Krabbelgruppen und anderen altersgemäßen Gruppen ist es, das Körpergefühl der Kinder zu stärken. Der enge körperliche Kontakt zu Bezugspersonen ist hierfür wichtig. Doch auf der anderen Seite steht – vor dem Hintergrund des sexuellen Missbrauchs – auch eine große Unsicherheit bei Erziehern und Eltern, wissen die Experten. "Dürfen die Kinder in der Krabbelgruppe noch nackt sein?", "Darf ich mit meinem Kind noch baden?" oder "Mein Kind macht mit anderen Doktorspiele. Ist das normal?" sind Fragen, die an die Pro Familia-Mitarbeiter gestellt werden.

Eltern sind oft verunsichert

"Die Eltern sind oft verunsichert, weil sie mit der Erwachsenenbrille auf ihr Kind gucken", so Sabine Tolkmitt, die zusammen mit ihrem Kollegen auf Elternabenden in Kindergärten, auf Erzieher- oder Lehrerfortbildungen über Sexualerziehung der Kinder informiert. Vereinzelt rufen auch Väter und Mütter direkt in der Beratungsstelle an, wenn sie sich in Sachen Aufklärung ihrer Kinder überfordert fühlen. "Für jedes Alter gibt es viele altersgemäße Bilder- beziehungsweise Sachbücher. Wir versuchen, die Fragen der Eltern zu beantworten und ermuntern sie, ihr Kind aufzuklären", berichten die Sexualpädagogen.