Pille

Die Pille – das beliebteste Verhütungsmittel

Das Jahr 1961 bedeutete eine wahre Revolution für die weibliche Sexualität: die Antibabypille, im Volksmund einfach Pille genannt, kam auf den Markt und ermöglichte es Frauen, selbst darüber zu bestimmen, ob und wann sie schwanger werden. Anfangs eher verhalten aufgenommen und nur verheirateten Paaren ärztlich verschrieben, ist die Pille heute das beliebteste Verhütungsmittel in Deutschland.

Verhütung Pille Teaser
Foto: © fotolia.com/ matka_Wariatka
Die Pille ist ein hormonell wirkendes Verhütungsmittel. Es gibt auf dem deutschen Markt über 50 verschiedene Pillenpräparate, die je nach Zusammensetzung ein oder mehrere Hormone beinhalten, welche den weiblichen Geschlechtshormonen ähneln. Sie verhindern die Reifung der Eizelle und somit den monatlichen Eisprung. Welche unterschiedlichen Präparate erhältlich sind, worin sie sich unterscheiden und welchen Zusatznutzen die Pille hat: urbia klärt über die verschiedenen Arten der Pille auf.

Die Kombinationspille

Wenn die Rede von der „Pille“ ist, ist meist die Kombinationspille gemeint, eine sogenannte Mikropille. Um diese handelt es sich der Definition nach, wenn der Östrogenanteil unter 0,05 Milligramm pro Dragee liegt. Das Östrogen bewirkt in Kombination mit Gestagen, dass:

  • der Eisprung gehemmt wird
  • die Schleimhaut des Gebärmutterhalses sich verändert
  • die befruchteten Eizelle sich nicht in der Gebärmutter einnistet

Voraussetzung für die zuverlässige Wirkung der Pille ist ihre korrekte Einnahme: Diese muss beginnend mit dem ersten Tag der  Menstruation an 21 aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt werden, möglichst zur selben Zeit. Anschließend folgt eine Pillenpause von sieben Tagen, in der die Menstruationsblutung einsetzt. Trotz der Blutung bleibt der Empfängnisschutz bestehen.

Bei der Kombinationspille wird zwischen der Einphasen-Pille und der Zwei- und Dreistufen-Pille unterschieden. Die Einphasen-Präparate beinhalten pro Dragee jeweils die gleiche Menge an Hormonen. In welcher Reihenfolge man sie einnimmt, spielt somit keine Rolle. Mehrstufige Präparate haben eine unterschiedliche Hormondosierung innerhalb des Zyklus, um Hormonschwankungen vorzubeugen. Sie müssen nach einer festgelegten Reihenfolge eingenommen werden, was eine gewisse Disziplin erfordert. Wird die Pille einmal vergessen, ist das kein Problem, wenn die Einnahme innerhalb der nächsten 12 Stunden nachgeholt wird. Bei längerer Zeitüberschreitung sollte ein zusätzliches Verhütungsmittel wie das Kondom verwendet werden. Bei korrekter Einnahme hat die Kombinationspille einen sehr hohen Pearl-Index zwischen 0,1 und 0,9. Gerade zu Beginn der Einnahme kann es zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Spannungsgefühlen in der Brust oder Zwischenblutungen kommen – sie verschwinden jedoch mit der Zeit von selbst. Bei anhaltenden Beschwerden empfiehlt es sich, auf ein Präparat mit einer anderen Hormonkombination umzusteigen.

Die Minipille

Im Gegensatz zur Kombinationspille enthält die Minipille nur das Gestagen Levonorgestrel und das in einer solch geringen Dosierung, dass es zu wenig wäre, um einen Eisprung zu verhindern. Ihre Wirkung setzt am Schleimpfropf an, der am Gebärmuttereingang verdickt wird und die  Spermien daran hindert, in die Gebärmutter vorzudringen. Zusätzlich wird der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut so verändert, dass auch eine befruchtete Eizelle sich nicht einnisten könnte. Die Einnahme der Minipille beginnt genauso wie bei der Kombinationspille mit dem ersten Tag der Menstruation, allerdings wird sie 28 Tage ohne Pause durchgenommen. Disziplin spielt bei der Verwendung dieser Pille eine wichtige Rolle, denn bereits eine Verspätung von mehr als drei Stunden kann den Empfängnisschutz außer Kraft setzen. Neue Präparate mit dem Gestagen Desogestrel haben eine höhere Toleranzgrenze von etwa 12 Stunden. Die Minipille eignet sich vor allem für stillende Frauen, da Gestagen die Milchproduktion nicht beeinträchtigt. Allerdings können als Nebenwirkungen Zwischenblutungen, Kopfschmerzen, Akne oder Brustspannen auftreten. Auch die Minipille ist mit einem Pearl-Index zwischen 0,14 und 0,4 sehr sicher.

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Die Pille danach

Wurde die Pille einmal vergessen und es kam zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder sind andere Verhütungsmethoden fehlgeschlagen, gibt es die Möglichkeit, nachträglich mit der  „Pille danach“ zu verhüten. Ihr Wirkungsträger ist das Hormon Levonogestel, das sowohl die Reifung der Eizelle als auch den Eisprung verhindert – vorausgesetzt, dieser hat noch nicht stattgefunden. Die „Pille danach“ ist keine „Abtreibungspille“, denn sobald der Prozess der Einnistung begonnen hat, ist sie unwirksam. Um dem Eisprung zuvorzukommen, ist es darum wichtig, so schnell wie möglich nach der Verhütungspanne zu dieser Notfalllösung zu greifen, je zeitnaher, desto besser. Innerhalb der ersten 24 Stunden besteht ein Schwangerschaftsschutz von etwa 95 Prozent, bereits nach 48 bis 72 Stunden ist lediglich ein wesentlich geringerer Schutz von etwa 58 Prozent gegeben. Nach der Einnahme kommt es zu einer Abbruchblutung, die eventuell stärker als die gewohnte Monatsblutung ausfallen kann. Wichtig: Seit dem 15. März 2015 kann man die "Pille danach" rezeptfrei in Apotheken kaufen, die bis dahin geltende Rezeptpflicht wurde damit aufgehoben.

Auch wenn die normale Pille nach der Einnahme der „Pille danach“ bis zum Packungsende täglich pünktlich eingenommen wird, besteht durch die Hormonstörung kein zuverlässiger Empfängnisschutz mehr – es sollte daher auf zusätzliche Barrieremethoden (zum Beispiel Kondom oder Diaphragma) zurückgegriffen werden.

Was kann die Pille noch?

Die Pille bietet nicht nur einen zuverlässigen Verhütungsschutz, sondern hat auch eine Reihe positiver Nebeneffekte:

  • Zykluskontrolle: Gerade jungen Mädchen, die häufig unter einer unregelmäßigen und schmerzhaften Periode leiden, kann die Pille eine willkommene Hilfe sein. Sie reduziert die Blutungsdauer- und stärke und die Menstruation tritt jeden Monat pünktlich zwei bis drei Tage nach der Einnahme der letzten Pille ein. Bei wichtigen Terminen, wie zum Beispiel sportlichen Wettkämpfen oder Reisen, ist es möglich, die Pille ohne Pause durchzunehmen und die Periode so einmal auszusetzen.
  • PMS: Das  Prämenstruelle Syndrom (PMS) löst bei vielen Frauen in der Woche vor der Periode typische Symptome wie Stimmungsschwankungen, Brustspannen, Wassereinlagerungen oder Müdigkeit aus. Durch die Einnahme der Pille werden diese Beschwerden deutlich gemindert.
  • Krebserkrankungen: Experten haben anhand diverser Studien nachgewiesen, dass die Anwendung der Pille einen lang anhaltenden Schutz vor Eierstockkrebs bieten kann. Auch das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs sinkt.
  • Hautunreinheiten: Pickel, Akne und Mitesser sind gerade unter jungen Mädchen und Frauen ein leidiges Thema. Verantwortlich ist meist eine überschüssige Talgproduktion, hervorgerufen durch zu viel Testosteron. Einige Gestagene regulieren die Produktion und sorgen so für ein ebenmäßigeres Hautbild. Bereits nach drei Monaten gibt es häufig einen sichtbaren Effekt.

Die Kosten der Pille

Je nach Wirkstoff unterscheiden sich die Kosten für die Pille. Bei der Kombinationspille liegen sie bei 15 bis 60 Euro für drei Monate, je nach Hersteller. Die Minipille mit dem Gestagen Levonorgestrel kostet ca. 25 Euro pro Dreimonatspackung, der Preis für den Wirkstoff Desogestrel beträgt rund 30 Euro. Um Geld zu sparen, lohnt sich die Entscheidung für eine Sechsmonatspackung. Auch ein Generikum ist eine gute Alternative: Ist der Patentschutz eines Medikamentes abgelaufen, haben andere Hersteller das Recht, dasselbe Medikament herzustellen und anzubieten – meist zu einem deutlich niedrigeren Preis. Für junge Frauen unter 20 Jahren tragen die Krankenkassen die Kosten für die Pille.

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