Schaukeln, Kitzeln, Krabbeln

Spiele zum Fühlen und Bewegen

Kitzeln, krabbeln, schaukeln - alle Kinder lieben Körperspiele. Und das ist gut so, denn sie helfen, ein gutes Körpergefühl auszubilden - das A und O einer gesunden Entwicklung. Schöne Ideen für Spiele mit den Kleinsten findest du in diesem Artikel.

Autor: Rita Steininger
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Für ein gutes Körpergefühl

Spiele zum Fühlen und Bewegen
Foto: © colourbox

"Ri-ra-rutsch, wir fahren mit der Kutsch’ ..." Der zweijährige Dominik sitzt auf einer Decke am Boden und lässt sich von seiner Mama kreuz und quer durchs Wohnzimmer ziehen. Er ist quietschvergnügt und strahlt übers ganze Gesicht. Dass ihm die Sache einen Riesenspaß macht, ist unverkennbar. Doch dass bei diesem Spiel ganz nebenbei auch der Tast- und der Gleichgewichtssinn und damit die Körperwahrnehmung des Kindes sehr effektiv angeregt werden, daran würde wohl kaum jemand denken.

Für eine gute Körperwahrnehmung beziehungsweise ein gutes Körpergefühl spielen im Wesentlichen drei Faktoren eine Rolle:

  • die Wahrnehmung von Fühlreizen durch den Haut- oder Tastsinn,
  • die Tiefenwahrnehmung unserer Muskeln und Gelenke durch den Muskel- und Stellungssinn,
  • die Wahrnehmung von Gleichgewichtsreizen durch den Gleichgewichtssinn.

Diese drei Sinne – man nennt sie auch "Grundsinne" – müssen gut funktionieren und gut zusammenarbeiten, damit sich ein Kind in seinem Körper zu Hause fühlt und im Lauf der Zeit eine gute Geschicklichkeit, Körperkoordination und Bewegungssicherheit entwickelt. Aber auch das seelische Gleichgewicht des Kindes hängt wesentlich von einem guten Körpergefühl ab. Nehmen wir als Beispiel den Haut- oder Tastsinn: Er wird auch als „die Mutter der Sinne" bezeichnet. Denn durch ihn erlebt schon ein Neugeborenes Kontakt mit seiner Umwelt. Durch die Art, wie es in den Arm genommen, gehalten und berührt wird, erfährt es zärtliche Zuwendung, die für seine emotionale Entwicklung sehr wichtig ist.

Ihr könnt als Eltern auf jeden Fall eine Menge dazu beitragen, dass sich euer Kind in seinem Körper wohl und geborgen fühlt und ein gesundes Vertrauen in dessen Fähigkeiten entwickelt. Gibt ihm einfach viele Möglichkeiten, seine drei Grundsinne zu erproben: durch Tasten und Fühlen, Greifen und Loslassen, Drehen und Bewegen – und viele, viele Wiederholungen. Denn nur durch häufiges Üben kann sich das Körpergefühl und Körpergeschick des Kindes optimal entfalten. Am besten wählt dafür schöne Spiele aus, die dem Kind so viel Spaß machen, dass es von selbst immer wieder nach einer Wiederholung verlangt.

 

Das fühlt sich gut an!

Fühlspiele sind zum Beispiel solche Spiele, die bei einem Baby oder Kleinkind immer hoch im Kurs stehen. Mit gutem Grund: Denn liebevolle Berührungen, am besten in Verbindung mit einem hübschen Reim, vermitteln ihm das Gefühl der Zuwendung und Geborgenheit. Mit Fingerspielen trainiert es seine Feinmotorik. Und mit kleinen Kitzeleien lässt es sich immer gern zum Lachen bringen. Überhaupt spielen Berührungsreize für die ganzheitliche Entwicklung des Kindes eine wesentliche Rolle. Hierzu ein paar Anregungen:

  • Bei kleinen Kindern sind die Handflächen besonders empfänglich für Berührungsreize. Deshalb macht dieses Spiel schon Babys großen Spaß: Streiche mit der flachen Hand über die Handfläche deines Kindes, als ob du ein Butterbrot schmieren willst, und sprich dazu diesen Vers:

    Ich streiche und schmiere die Butter aufs Brötchen,
    da kommt und verspeist es das Kribbelkrabbelkrötchen.

    Beim letzten Wort kitzelst du mit den Fingerspitzen die Handfläche deines Kindes.

  • Ein hübsches Fingerspiel für jede Gelegenheit: Balle die Hand deines Kindes zu einer lockeren Faust und richte dann, beginnend beim Daumen, einen Finger nach dem anderen auf. Sprich dazu den folgenden Vers:

    Der ist ins Wasser geplumpst (Daumen),
    der hat ihn rausgezogen (Zeigefinger),
    der hat ihn abgetrocknet (Mittelfinger),
    der hat ihn ins Bett gesteckt (Ringfinger)
    und der kleine Frechdachs hat ihn wieder aufgeweckt (kleiner Finger).

  • Wie fühlt sich wohl ein „Gewitter“ auf dem Rücken an? Mit diesem Sprüchlein kannst du es ausprobieren:

    Es tröpfelt, es regnet,
    es schüttet, es gewittert,
    es stürmt, es hagelt!
    Alle Kinder laufen schnell nach Haus!

  • Während dein Kind entspannt auf dem Bauch liegt, tippst du zuerst mit zwei Fingern einer Hand zart über seinen Rücken, danach etwas stärker mit drei Fingern. Dann trommelst du mit allen Fingerspitzen kräftig auf den Rücken – und lässt deine Finger schließlich wie trippelnde Kinderfüße über den Rücken davonlaufen.

Auf allen Vieren

Was viele Eltern nicht wissen: Die Krabbelphase ist für ein Kleinkind von großer Bedeutung. Denn in dieser Phase lernt es Überkreuzbewegungen, die auf seine motorische Entwicklung wesentlichen Einfluss haben, insbesondere auf die Entwicklung einer guten Körperkoordination. Wenn dein Kind daher die Krabbelphase überspringt (was gar nicht so selten vorkommt), solltest du es das Krabbeln spielerisch nachholen lassen. Sonst könnte es sein, dass sich später bei deinem Kind Bewegungsauffälligkeiten bemerkbar machen. Beuge also lieber vor.

  • Mit einem Krabbelparcours kannst du dein Kind bestimmt zum Krabbeln motivieren. Lege beispielsweise eine Schaumstoffmatte, eine Luftmatratze, einen offenen Karton (als „Tunnel“) und ein breites Holzbrett (als „schiefe Ebene“) auf dem Fußboden aus. Solche Krabbelstrecken sind eine reizvolle Herausforderung für das Kind, sich mit den Bewegungsmöglichkeiten seines Körpers und mit der Schwerkraft auseinander zu setzen.
  • Lasse dein Kind aus seinen Spielsachen ein Stofftier aussuchen, zum Beispiel ein Schaf oder einen Teddybären. Setze das Stofftier auf den Boden, krabbel durchs Zimmer und ahme dabei die Laute des Tieres nach (ein „Määäh“ oder ein lautes Brummen). Ganz sicher wird dein Kind hinter dir herkrabbeln und vielleicht auch versuchen, deine Laute nachzuahmen.
  • Auch wenn dein Kind schon laufen kann, solltest du ihm hin und wieder ein Krabbelspiel anbieten. Wie wäre es damit: Lege deinem Kind und dir selbst ein Kissen auf den Rücken und bewege dich damit auf allen vieren durch den Raum – aber vorsichtig, damit das „Gepäck“ nicht herunterfällt. Das weckt den Ehrgeiz und fördert die Koordination und Geschicklichkeit.

Schaukeln und Drehen macht Spaß

Sehr spannend sind auch Spiele, bei denen das Kind Schaukel- und Gleichgewichtsreize erfährt und die Schwerkraft seines Körpers spüren kann. Dabei erlebt das Kind nicht nur einen wonnigen Angstkitzel, auch der Gleichgewichtssinn in seinem Innenohr wird sehr effektiv angeregt. Das fördert seine Grobmotorik und Geschicklichkeit.

  • Umfasse von hinten den Oberkörper deines Kindes unterhalb der Achseln. Hebe es hoch und drehe dich im Kreis – erst langsam, dann immer schneller, dann wieder langsamer. Nach einer kurzen Pause geht es in Gegenrichtung weiter.
  • Lege dein Kind auf eine Decke. Dann hebst du und ein zweiter Erwachsener die Decke an jeweils einem Ende hoch, sodass das Kind darin wie in einer Hängematte liegt. Schaukelt das Kind eine Weile hin und her und lasst es zum Schluss mit einem weichen Plumps auf einer gut gepolsterten Unterlage landen.
  • Für ein unternehmungslustiges Kleinkind ist es sicher reizvoll, die Welt einmal auf dem Kopf stehend zu betrachten. In der Ausgangsposition steht dein Kind dir gegenüber und soll seinen Oberkörper nach vorne beugen. Dann umfässt du mit beiden Armen seinen Oberkörper und hebst das Kind hoch, sodass sein Kopf nach unten hängt und die Beine nach oben gestreckt sind. Schwinge nun dein Kind behutsam nach links und rechts wie ein Uhrpendel. Danach drehst du dich mit ihm langsam im Kreis, bis das Kind zu erkennen gibt, dass es genug ist.

Wie Sie Ihr Kind behutsam fördern können

Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, mit denen du deinem Kind helfen kannst, ein gutes Körpergefühl zu entwickeln – und das praktisch schon vom ersten Lebenstag an: Durch engen Körperkontakt und Schaukelbewegungen zum Beispiel (etwa beim Tragen in einem Tragetuch) vermittelst du deinem Baby wohlige Empfindungen und das Gefühl der Geborgenheit. Eine sehr positive Wirkung hat auch das sogenannte „Pucken“: Wenn du dein Kind vor den Schlafenszeiten fest in Tücher, eine Decke oder einen Ganzkörper-Pucksack einwickelst, fühlt es sich wie einst im Mutterleib: fest umschlossen und geborgen. Das hat nicht nur einen günstigen Einfluss auf seinen Schlaf, sondern auch auf die Entwicklung seiner Körperwahrnehmung.

Auch später, wenn dein Kind laufen gelernt hat, kannst du ihm helfen, seine Körperwahrnehmung weiterzuentwickeln – zum Beispiel, indem du es aktiv und bewusst in alltägliche Tätigkeiten einbeziehst, sei es beim Saubermachen im Haushalt oder bei der Blumenpflege im Garten. Bieten deinem Kind außerdem täglich viele Bewegungsmöglichkeiten, vor allem im Freien. So lernt es, seine Körperfähigkeiten ausgiebig zu erproben.

Weiterführende Links und Literatur:

  • Rita Steininger: Geborgenheit und Selbstvertrauen. Wie Babys und Kleinkinder ein gutes Körpergefühl entwickeln. Klett-Cotta, 2007: In diesem Buch werden diese und weitere alltagspraktische Anregungen anschaulich erläutert und dazu eine Fülle an Wahrnehmungsspielen vorgestellt, die Kindern von 0 bis 3 Jahren besonders viel Spaß machen.
  • Kinderturnstiftung Baden-Württemberg: TV-Ratgeber "Babys in Bewegung"
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