Kinder brauchen andere Kinder

Freunde finden: So unterstützt du dein Kind

Manche Kinder schließen schnell Freundschaften, andere tun sich damit schwer. Mit unseren Tipps finden auch schüchterne Kinder leichter Anschluss.

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Kinder brauchen Kinder

Zwei Jungen Freunde Spielplatz
Foto: © panthermedia.net/ Monkeybusiness Images

Der Trend geht heute immer mehr zur Kleinfamilie mit nur einem oder zwei Kindern. Im Extremfall besteht die Familie gar nur noch aus einem allein erziehenden Elternteil und einem Kind. Und weil auch das zufällige Treffen mit Spielkameraden im Hof, auf der Straße oder auf dem Spielplatz gerade für Kinder im Vorschulalter oft eher die Ausnahme als die Regel ist, planen manche Eltern inzwischen ganz gezielt die Kontaktmöglichkeiten ihres Nachwuchses. Denn eines steht fest: Kinder brauchen Kinder.

Kinderfreundschaften sind wichtig, weil sie ein ideales Übungsfeld zur Entwicklung sozialer Kompetenz darstellen. Anders als im Umgang mit Erwachsenen begegnen sich Kinder auf gleicher Augenhöhe:

  • Freunde haben gleich viel zu sagen und zu bestimmen.
  • Jedes Kind vertritt seine eigenen Wünsche, muss aber auf den oder die Freunde Rücksicht nehmen und so immer wieder nachgeben oder Kompromisse schließen.
  • Regeln werden gemeinschaftlich ausgehandelt und der oder die Freunde wachen aufmerksam darüber, dass sie von allen eingehalten werden.
  • Freunde lernen, dem anderen zuzuhören, andere Meinungen zu akzeptieren und fair zu diskutieren.

Nicht zuletzt tun Freunde dem eigenen Selbstbewusstsein gut: Wer Freunde hat, ist weniger einsam und genießt ein höheres soziales Ansehen.

Freundschaft im Kleinkindalter

Wie eine Freundschaft aussieht, hängt vom Alter ab. Kleinkinder freuen sich meist über die Gesellschaft Gleichaltriger, auch wenn sie häufig nicht mit dem anderen Kind spielen, sondern mehr neben ihm. Doch wenn das eine zu rennen beginnt, macht oft das andere auch gleich mit. Schnell kommt es aber auch zu Streitigkeiten, weil die Kleinen sich sprachlich noch nicht so gut ausdrücken können und mit dem Teilen noch überfordert sind. Wenn der eine dem anderen das begehrte Spielzeug entreißt, werden Kleinkinder schnell handgreiflich, sodass die Eltern schlichtend eingreifen müssen.

Echte Freundschaften entstehen erst ab dem dritten Lebensjahr. Denn erst dann sind Kinder in der Lage, enge Beziehungen zu entwickeln. Kindergartenkinder gehen mit dem Wort „Freund/Freundin“ allerdings recht großzügig um. Jeder, der spontan ihre Sympathie weckt, wird schnell so bezeichnet. Ein Freund ist für Drei- bis Sechsjährige jemand, mit dem man gut spielen kann und der nett ist. Der Freund oder die Freundin sollte also gerne das Gleiche spielen und sich für dieselben Dinge interessieren. So werden z. B. zwei begeisterte Lego-Bauer meist gut miteinander auskommen.

Je jünger ein Kind, desto weniger spielt dabei das Geschlecht des Freundes eine Rolle. Der beste Freund oder die beste Freundin wechseln in diesem Alter oft schnell, denn wichtig ist, dass der Freund oder die Freundin verfügbar sind und man nicht gerade zerstritten ist. Streiten und Spielen gehören in diesem Alter noch eng zusammen, doch im ständigen Hin und Her, was „mein“ und „dein“ ist oder wer mit einem Streit angefangen hat und daran schuld ist, entwickeln Kindergartenkinder mehr und mehr soziale Kompetenz.

Wichtig ist auch der Vergleich mit Gleichaltrigen: Wer kann schneller laufen oder schon seinen Namen schreiben? Spielkameraden lieben es, sich zu vergleichen. Dabei lernen Kinder sich selbst und ihre eigenen Schwächen und Stärken besser kennen. Das Kräftemessen sollte allerdings nicht in bösartigen Rivalitäten ausarten, sonst müssen Eltern oder Erzieherinnen eingreifen.

Freundschaft unter Grundschulkindern

Ab dem Grundschulalter suchen Kinder vor allem Verbündete, denn jetzt geht es verstärkt darum, sich einen Platz in einer Gruppe Gleichaltriger zu sichern. Beleidigungen oder der Verrat von Geheimnissen wiegen da besonders schwer, denn der beste Freund oder die beste Freundin müssen loyal sein. Angeber, Besserwisser und Egoisten sind schnell aus dem Rennen, denn auch in diesem Alter kann der beste Freund von gestern heute schon endgültig abgeschrieben sein.

Gerade Mädchen gehen nun eine enge und vertrauensvolle Zweierbeziehung mit ihrer besten Freundin ein – allerdings gibt es neben der besten oft noch eine zweit- und eine drittbeste Freundin. Nicht selten wechselt der Status der jeweiligen Auserwählten auch ziemlich schnell und der Schmerz der Entthronten sitzt dann tief. Jungenfreundschaften sind häufig weniger eng, aber zuverlässiger und mehr praktisch orientiert. Wichtig ist, dass der oder die Freunde die gleichen Interessen teilen und gerne dieselben Spiele spielen.

Überlasse deinem Kind die Wahl!

Ich gebe es offen zu: Manche Kinder würde ich liebend gerne als Freunde meiner Kinder sehen, während ich hoffe, von anderen verschont zu bleiben. Den meisten Eltern wird es ähnlich gehen. Schnell ist man von einer derben Ausdrucksweise oder der wilden Art eines Kindes, das jedes Kinderzimmert innerhalb kürzester Zeit ins Chaos stürzt, abgeschreckt.

Es ist aber ratsam, die Freunde des Kindes möglichst unbefangen mit dessen Augen zu sehen. Was mag dein Kind an diesem Freund so sehr? Vielleicht sprüht gerade der kleine Chaot vor tollen Spielideen und seine Unbeschwertheit färbt auf dein vielleicht eher ernstes und schüchternes Kind ab? Der „nette Junge“, den Sie sich wünschen würden, weil er immer so höflich grüßt, folgsam aufräumt und sich sogar ohne Aufforderung im Vorplatz die Straßenschuhe auszieht, ist vielleicht ein rechter Langweiler oder Besserwisser, der mit seinem Spielzeug angibt und immer bestimmen will, was gespielt wird…

Eltern tun sicher am besten daran, sich möglichst nicht in die Wahl der Freunde einzumischen. Versuche dich freizumachen von der Vorstellung, wir Eltern könnten am besten beurteilen, welche Freunde für unser Kind gut sind und welche nicht.

Mein Tipp: Versuche tolerant zu sein, wenn der neue Freund deines Kindes anderer sozialer Herkunft, Religion, Nation oder Kultur sein sollte. Kinder gehen häufig ganz selbstverständlich und vorurteilsfrei damit um. Sieh eine solche Freundschaft weniger als Gefährdung, sondern mehr als Bereicherung an. Dein Kind kann sehr von einem solchen Freund profitieren wie auch dieser viel von deinem Kind lernen kann.

Kinder müssen selbst nach eigenen Sympathien entscheiden, wen sie mögen, mit wem sie spielen wollen und mit wem nicht. Nur so können sie ihre sozialen Fähigkeiten entwickeln und lernen, verlässliche Freundschaften aufzubauen. Natürlich darfst du von dem einen Freund mehr begeistert sein als von einem anderen – das ist dein gutes Recht. Doch widerstehe der Versuchung, eine neue Freundin oder einen neuen Freund schlecht zu machen. Auch negative Äußerungen über die Familie des Freundes sollten tabu sein, denn selbst ein „Wie das bei denen immer aussieht!“ könnte dein Kind als Affront gegen seinen Spielgefährten interpretieren.


Wie schließen Kinder Freundschaft?

Die ersten Kinderfreundschaften entstehen häufig im Kindergarten oder auf dem Spielplatz. „Neue“ Kinder beobachten das Spielgeschehen meist zunächst aus sicherer Entfernung. Nachdem die sprachlichen Fähigkeiten noch nicht so ausgereift sind, probiert ein Neuankömmling verschiedene nonverbale Taktiken, um in eine spielende Gruppe aufgenommen zu werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei z. B. die Nachahmung des Verhaltens der anderen Kinder. Oft versucht das neue Kind die anderen auch durch lautes Lachen oder Rufen, Händeklatschen oder das Überreichen eines Spielzeugs auf sich aufmerksam zu machen.

Bauen die anderen Kinder gerade eine Sandburg, wird der Neuling vielleicht versuchen, an einer Ecke mitzubauen. Erntet er damit Protest, wird er sich eine andere Form der Annäherung überlegen. Wenn er etwa schöne Steine zur Verzierung anbietet oder ein begehrtes Sandspielzeug herleiht, wird dies von den anderen Kindern meist akzeptiert und der Bann ist gebrochen.

So unterstützt du dein Kind bei Anfangsschwierigkeiten

  • Lasse deinem Kind erst einmal Zeit und warte gelassen ab. Meist finden Kinder selbst heraus, wie sie am besten Kontakt zu anderen aufnehmen. Dass manche Kinder anfangs sehr lange zusehen, bevor sie sich trauen, erste Annäherungsschritte zu machen, sollte Sie nicht gleich beunruhigen. Gut gemeinte Aufforderungen wie „Nun geh doch einfach hin und frag, ob du mitspielen kannst!“ bewirken manchmal eher das Gegenteil, denn Ihr Kind wird sich dadurch erst bewusst, dass es Ihren Vorstellungen nicht entspricht.
  • Ist dein Kind sehr schüchtern, solltest du es nicht mit mehreren Kindern auf einmal überfordern. Dann ist es besser, Situationen herzustellen, in denen dein Kind mit nur einem Kind zusammenkommt. Lade einen möglichen Spielkameraden, an dem dein Kind schon einmal Interesse gezeigt hat oder von dem du annimmst, dass dein Kind damit zurecht kommen wird (z. B. gleiche Interessen, eher ruhiges Kind), zu dir nach Hause ein. Als „Herrscher über das Kinderzimmer“ hat dein Kind einen deutlichen Heimvorteil und wird sich sicherer fühlen. Musst du jedoch befürchten, dass dein Kind nur seine Spielsachen verteidigen wird und Streit vorprogrammiert ist, ist es besser, zusammen einem anderen Kind einen Besuch abzustatten. Während du dich mit dessen Mutter im Wohnzimmer unterhältst, können die Kinder alleine ins Kinderzimmer verschwinden (und fremdes Spielzeug hat oft eine fast „magische“ Anziehungskraft) und trotzdem bist du da, falls dein Kind Rückhalt braucht.

    Mein Tipp: Im Kindergartenalter ist die Bindung zu Gleichaltrigen häufig enger als zu jüngeren oder älteren Kindern. Deshalb macht es Sinn, für erste Kontaktaufnahmen Kinder im selben Alter auszuwählen.

  • Fördere die Spielfähigkeit deines Kindes. Im Vorschulalter werden Freunde hauptsächlich über das Spielen definiert, deshalb sind Kinder mit guten Spielideen schnell beliebt. Die Spielfähigkeit deines Kindes kannst du fördern, indem du selbst fantasievoll mit ihm spielst. Du musst dazu nicht stundenlang im Kinderzimmer hocken. Besser sind Ideen und Anregungen für lustige Spiele, die dein Kind alleine oder später mit einem Freund umsetzen kann. Beliebt sind etwa Klassiker wie Verkleiden oder Höhlen bauen, für die du die erforderlichen Utensilien zur Hand haben solltest.
  • Dein Kind hat kein Interesse an Gleichaltrigen? Manche Kinder spielen gerne alleine und sollten nicht ständig gezwungen werden, mit anderen zu spielen. Vielleicht ist dein Kind aber sehr reif für sein Alter. Dann könnte es sein, dass es mit Gleichaltrigen aufgrund anderer Interessen wenig anfangen kann. Versuche es in diesem Fall einmal mit Kontakten zu jüngeren oder älteren Kindern. Es kann sein, dass es sich in der Rolle als Beschützer und „Lehrer“ eines jüngeren Kindes wohler fühlt oder aber mit einem etwas älteren Kind besser spielen kann. Ist dein Sohn z. B. fußballbegeistert, liegt es natürlich nahe, ihn bei einem Fußballverein anzumelden, weil er dort Kinder mit denselben Interessen kennen lernt. Keinesfalls unterschätzen solltest du zudem deine Vorbildfunktion, denn: Gesellige Eltern haben aufgeschlossene Kinder.
  • Zeige deinem Kind, dass Freundschaften wertvoll sind. Pflege selbst viele Kontakte zu Freunden und Verwandten. Dein Kind sollte erkennen können, dass dir der Umgang mit Freunden Freude bereitet und nicht etwa lästig ist. Wenn du beim Anruf einer Freundin die Augen verdrehst, sendest du eine Doppelbotschaft aus, die dein Kind noch nicht verstehen kann. Es versteht lediglich, dass dir ein anderer Mensch auf die Nerven geht.
  • Lade regelmäßig Freunde zu dir ein und zeige dich in der Rolle als Gastgeber. Hat dein Kind Spielkameraden zu Besuch, solltest du als guter Gastgeber den Spielkameraden deines Kindes ebensoviel Wertschätzung entgegenbringen wie einem deiner Gäste. Sofern du dafür Zeit hast, werden es die Kinder genießen, wenn du sie als kleine ViPs behandelst und Obstspießchen bereitstellst oder extra zu diesem Anlass das Planschbecken neu befüllst. Dann solltest du dich aber wieder zurückziehen und die Kinder unter sich sein lassen.
  • Interessiere dich für die Freunde deines Kindes, ohne bohrende Fragen zu stellen. War dein Kind zum Spielen bei einem anderen Kind, erkundige dich danach, wie es dort war, ohne dein Kind sofort beim Nachhausekommen damit zu überfallen. Besonders geeignet für solche Gespräche ist die abendliche Zeit an der Bettkante, wenn dein Kind vor dem Schlafengehen von seinem Tag erzählen kann. Auf diese Weise entwickelt dein Kind ein Gespür dafür, dass Freundschaften etwas sind, worüber sich zu sprechen lohnt.

Erste Hilfe bei Konflikten

Wenn Kinder streiten, kann das schnell in Handgreiflichkeiten ausarten, weil im Eifer des Gefechts schnell mal geschubst oder gehauen wird. Natürlich ist es richtig und wichtig, dass Kinder lernen sollen, ihre Konflikte mit Worten statt mit den Fäusten auszutragen. Bis sie sich aber so gut in der Gewalt haben, dass sie nicht mehr handgreiflich werden, sind sie meist schon im Schulalter. Trotzdem erscheint es nicht sinnvoll, sich als Erwachsener sofort in jede Auseinandersetzung unter Kindern einzumischen, sofern die folgenden Streitregeln eingehalten werden:

  • Es dürfen niemals mehrere auf einen losgehen.
  • Schwächere zu verdreschen oder einzuschüchtern ist unfair und uncool.
  • Mit harten oder spitzen Gegenständen darf nicht gekämpft werden.
  • Niemand darf an den Kopf getreten werden.
  • Es wird sofort aufgehört, wenn einer weint, am Boden liegt, nicht mehr kann oder will.

Kommt dein Kind weinend aus dem Kindergarten nach Hause, weil es sich mit seinem Freund oder seiner Freundin zerstritten hat, solltest du erst einmal nur zuhören. Lasse dir von deinem Kind erzählen, wie das alles gekommen ist. Sein angeknackstes Selbstbewusstsein kannst du am besten stärken, indem du ihm zeigst, dass du seine Gefühle verstehst und dass du auf die Richtigkeit seiner Entscheidung vertraust. Versuche herauszufinden, ob dein Kind sich besonders starrsinnig oder rechthaberisch verhalten hat. In diesem Fall kannst du durch Fragen wie „Wie würdest du dich fühlen, wenn dein Freund sich so verhalten hätte?“ Verständnis für die Gefühle des Spielkameraden wecken und so den ersten Schritt für eine Versöhnung vorbereiten. Besonderen Trost und viel Zuwendung braucht dein Kind, wenn es um Eifersucht geht, weil etwa die beste Freundin nun eine neue beste Freundin hat und nicht mehr mit Ihrem Kind spielen will. Dein Kind sollte sich seinen ganzen Kummer bei dir von der Seele reden dürfen. Gestehe ihm zu, dass es durch diese Situation sehr verletzt ist und beschwichtige es nicht vorschnell mit gut gemeinten Ratschlägen wie „Aber du kannst doch auch mit Lisa spielen, die ist doch auch nett!“ Bestärke es lieber fürs Erste darin, dass es notfalls auch ein paar Tage allein spielen kann und dann, wenn ihm wieder danach ist, auf neue Freunde zugehen kann.

Übrigens: Weitere Tipps der Autorin Dr. Andrea Schmelz zum Thema lest ihr regelmäßig in Gesundheit & Erziehung für mein Kind.

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