Fiesta, Feuerwerk, heidnische Bräuche

Weihnachten: So feiern Familien weltweit

Alle Jahre wieder: Die Vorfreude ist groß, der Stress auch. Aber muss Weihnachten immer auf die gleiche Weise gefeiert werden? Lass dich von unserer Reise durch die besinnlichen, gruseligen oder ausgelassenen Traditionen anderer Länder und den zehn Tipps für ein entspanntes Fest inspirieren.

Autor: Sabine Ostmann
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Von wegen stille Nacht: Partys, Fiestas und Umzüge

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Foto: © Colourbox

Köstliche Plätzchen, Weihnachtsbaum schmücken, in der Kirche Lieder singen, strahlende Kinderaugen, das Festmahl im Familienkreis. Die traditionellen Weihnachtsrituale haben etwas anheimelnd Vertrautes – wie ein Idyll aus Kindertagen.

Doch manchmal sind Bescherung und Festmahl der reine Horror – wenn die lieben Kleinen hysterisches Geheul anstimmen, weil es zwar Berge von Geschenken, aber keine Playstation gegeben hat. Oder wenn von fetten Weihnachtsgänsen und überzuckerten Plätzchen alle so schlecht drauf sind, dass der Familienkrach förmlich in der kerzenrauchgeschwängerten Luft liegt.

Beachparty mit dem Weihnachtsmann?

Jetzt einfach wegbeamen, das wär’s. Oder wenigstens mal anders feiern: besinnlicher, entspannter, weniger konsumorientiert. Oder vielleicht so, dass es sich gar nicht mehr nach Weihnachten anfühlt. Dafür müsst ihr aber ganz schön weit weg: Denn wirklich unweihnachtlich geht es eigentlich nur in Down Under in Australien zu. Hier feiert man bei sommerlichen Temperaturen draußen im Freien, am liebsten mit einem typisch australischen „Barbie“ (Barbecue) am Strand. Santa Claus kommt nicht auf dem Rentierschlitten, sondern düst in Badehose und auf Wasserskiern von Strandparty zu Strandparty, um die Kinder zu beschenken. Als Erfrischung bekommt er – ebenso wie die Eltern – ein kühles Bier. Ähnlich wird der Weihnachtsmann übrigens auch in Irland für seine Mühen belohnt. Wetterbedingt bekommt er dort aber eher Whiskey.

Südamerika: Fiesta und Feuerwerk

Partystimmung herrscht auch in Südamerika. Wenn schon der Totentag Allerheiligen Anlass für eine tolle Fiesta ist, warum dann nicht erst recht Weihnachten? Besonders krachen lassen es die Paraguayos. Am 24. Dezember beginnen sie ganz gesittet, mit geschmückten Krippen in jedem Haus und einer leichten Bowle aus Palmblüten und Früchten für alle Besucher. Doch ab Mitternacht, nach der Christmette, steppt der Bär: In Restaurants und Clubs wird ausgiebig getanzt und gefeiert. Und draußen wird nach allen Regeln der Kunst geböllert. Dann ist erst mal Ausschlafen angesagt, denn Geschenke gibt es erst am Dreikönigstag.

Mit Fiesta und Feuerwerk begehen auch die Mexikaner den Weihnachtsabend. Und die nächste Party wird gleich schon geplant. Dafür versammelt sich die Großfamilie am Nachmittag des 25. Dezember und verspeist gemeinsam den Rosca, den traditionellen Weihnachtskuchen, in den eine kleine Jesusfigur eingebacken ist. Wer sie findet, muss am 2. Februar, dem „Diá de Candelaria“ (Maria Lichtmess) alle zu einer großen Fete einladen.

In der Woche vor Weihnachten spielen die Mexikaner die Herbergssuche von Maria und Joseph nach und ziehen in Fantasiekostümen durch die Straßen. Auch die Kolumbianer sind in der Woche vom 16. bis 24. Dezember viel unterwegs, allerdings gehen sie in den Wald, um Moos für die Krippe zu sammeln. Danach wird bis Mitternacht zu Hause gefeiert – und zwar jeden Abend, bis zur großen Weihnachtsfiesta, die auch hier mit Tanz und Feuerwerk endet.

Den Engländern sagt man zwar gewöhnlich eine gewisse Steifheit nach, doch an Weihnachten ist davon nichts zu spüren – das Fest der Liebe gestaltet sich hier ausgesprochen bunt und fröhlich. Schon vor den Festtagen werden alle Räume mit bunten Partygirlanden geschmückt. Mistelzweige, die von der Decke herabhängen markieren den Platz zum Küssen. Beim großen Festessen mit Truthahn und dem traditionellen Plumpudding, in dem eine Münze versteckt ist, die dem Finder das ganze Jahr über Glück bringen soll – ein Brauch, der in vielen Ländern beheimatet ist – tragen alle Partyhütchen und zerlegen Knallbonbons. Nach dem Essen wird getanzt, die Kinder toben in Halloween-mäßiger Verkleidung herum und werfen mit kleinen Krachern um sich.

Heidnische Bräuche und gute Taten

Kracher und Verkleidungen gibt es auch in Griechenland, Spanien und Irland. Diese Bräuche reichen bis weit in vorchristliche Zeiten zurück, als es galt, die zahlreichen Geister und Kobolde zu bannen, die in den zwölf Raunächten nach der Wintersonnwende ihr Unwesen treiben. Die Griechen zünden auch heute noch während dieser Zeit überall große Feuer an. Bei irischen Kindern war es lange Zeit Brauch, einen kleinen Zaunkönig, der in der christlichen Symbolik als „Vogel des Bösen“ gilt, zu töten und in der Nachbarschaft herumzuzeigen.

Die Umzüge am St. Stephans-Tag (26. Dezember) gibt es heute noch, mittlerweile ohne tote Vögel, aber für einen guten Zweck. Die „Wren“-Boys sammeln Spenden für wohltätige Zwecke, bekommen aber auch Geld und Süßigkeiten für sich. Und nach den Umzügen gibt es – na klar, ein großes Fest. Gutes tun übrigens auch die Italiener, allerdings am 13. Dezember: Am Tag der Heiligen Lucia finden bis heute im ganzen Land Armenspeisungen statt, auch die Kinder bekommen kleine Präsente. Die eigentliche Bescherung findet für italienische Kinder traditionell erst am 6. Januar statt. Dann kommt die Hexe „La Befana“. „Bösen“ Kindern gibt sie auch gerne ein Kohlestück, statt eines Geschenks. Noch fieser ist Mari Lwyd in England: Die weiß vermummte Hexe stellt den Kindern Rätsel. Wer sie nicht lösen kann, wird gebissen. Außerdem muss man sie auch noch bewirten.

Spanische Jesuitenschüler haben den Spieß umgekehrt: Bei einem Brauch, der heute allerdings fast in Vergessenheit geraten ist, spielte man am 26. Dezember verkehrte Welt: Die Lehrer mussten Gedichte aufsagen. Wenn sie Fehler machten, waren sie die Esel und wurden von den Schülern bestraft. Außerdem wurde ein Junge zum Bischof gewählt, der an diesem Tag alles bestimmen durfte.

Besinnlichkeit in der Heimat des Weihnachtsmanns

Weniger Partyspaß, dafür mehr Besinnlichkeit – in Skandinavien hat Weihnachten traditionell eine große Bedeutung. Schließlich gab es im Norden bereits zu vorchristlicher Zeit ausgedehnte Feiern zur Wintersonnwende, mit denen die Menschen das Ende der winterlichen Dunkelheit feierten. Ganz ohne Verkleiden geht es aber auch hier nicht, zumindest nicht beim schwedischen „Lussifest“, zu dem sogar ein landesweiter Schönheitswettbewerb stattfindet. Am Morgen des 13. Dezember, dem Tag der Heiligen Lucia, müssen die ältesten Töchter schwedischer Familien besonders früh aufstehen, um sich in ein weißen Gewand zu kleiden, einen Kranz aus brennenden Kerzen aufzusetzen und ihrer Familie als „Lussibrud“ das Frühstück ans Bett zu bringen, mitsamt dem berüchtigten Schwedenpunsch "Glögg". Außerdem gibt es Prozessionen, Paraden und Feiern in Schulen, Unternehmen und Lokalen sowie einen landesweiten Schönheitswettbewerb: Schweden sucht die Lussibrud.

Lichterfeste und Bastelpartys in Skandinavien

Ansonsten begehen die Skandinavier die Weihnachtszeit und die Festtage sehr entspannt, mit Märchenstunden und vielen kleinen Feiern mit Kollegen, Nachbarn oder im Verein. Die Finnen lieben es, sich in den Wochen vor Weihnachten zum gemeinsam Weihnachtsschmuckbasteln zu treffen. Dazu gibt es meist ein paar Geschichten, Gebäck und kleine Gerichte, so dass aus den Bastelstunden richtig kleine Weihnachtsfeiern werden, die die Finnen liebevoll „Pikkojoulu“ (Kleine Weihnachten) nennen.

An Heiligabend entspannen sich die Finnen gerne in der Sauna, bevor sie sich über ihr traditionelles Festmahl, den „Gebackenen Schweden“ (ein panierter Schinken aus dem Backofen) hermachen und sich über Geschenke vom Joulupukki, so heißt der finnische Weihnachtsmann, freuen. Ihre schwedischen Nachbarn hingegen versammeln sich Punkt 15.00 Uhr vor dem Fernseher, um eine Stunde lang über Donald-Duck-Filme zu lachen. Als vor Jahren bekannt wurde, dass das Fernsehen die Comics früher senden wollte, erhob sich ein Proteststurm. Mit Donald Duck starten die Schweden seit 25 Jahren ihr Weihnachtsfest – nach wie vor pünktlich um 15.00 Uhr. Danach tanzen die Familien um den Weihnachtsbaum, packen die Geschenke aus und braten ihre berühmte „Julkörv“, eine ganz spezielle Bratwurst, für die jede Familie ihr besonderes Hausrezept hat. Die Julkörv hat im Lande eine solche Bedeutung, dass sich sogar Königin Silvia höchstpersönlich an den Herd stellt.

Weihnachtsmann oder Christkind?

Die Geschenke bringt der Weihnachtsmann übrigens aus seiner Heimat in Ostlappland, am Berg Korvatunturi, wo er mit seiner Frau und vielen Elfen lebt, die ihm das ganze Jahr beim Basteln der Geschenke und beim Verpacken helfen. Das jedenfalls hat der Finnische Rundfunk herausgefunden. Der Berg ist wie ein riesiges Ohr geformt, damit Santa Klaus die Weihnachtswünsche aus aller Welt in Korvatunturi hören kann.

Wer sich nicht darauf verlassen möchte, dass seine Wünsche bis in den hohen Norden gehört werden, kann sich auch direkt an die Konkurrenz wenden, die praktischerweise ihr Domizil in Deutschland hat: Das Christkind residiert östlich von Köln, in Engelskirchen, im idyllischen Bergischen Land und hat sogar eine eigene Postleitzahl: An das Christkind, 51777 Engelskirchen. Wer bis zum 22. Dezember schreibt, bekommt garantiert Antwort.

10 Tipps für ein entspanntes Fest

Ob Party unter Palmen oder besinnliches Fest im Familienkreis – Weihnachten sollte für alle ein schönes und erholsames Fest sein, auch wenn es mal ganz anders gefeiert wird. Unsere Tipps für entspannte Feiertage und gute Taten:

  1. Kein Stress:
    Perfektion ist Stressfaktor und Harmoniekiller Nummer 1. Die Knödel fürs Weihnachtsmenü dürfen ruhig aus der Packung kommen, die Gans aus einem Restaurant angeliefert werden und die Kerzen am Baum müssen nicht militärisch ausgerichtet sein. Lass ruhig mal Fünfe gerade sein – Hauptsache, die Stimmung stimmt.
  2. Arbeit aufteilen:
    Delegieren kann ungemein entspannend sein. Die Kinder schmücken den Baum, dein Partner deckt den Tisch und die Gäste dürfen gerne etwas Leckeres zum Weihnachtsessen beisteuern. Du musst nur rechtzeitig einen Plan entwickeln, damit jede helfende Hand weiß, was sie zu tun hat.
  3. Noch entspannter: Buffet statt Menü.
    Viele Köche tragen zum Gelingen bei. Jeder bringt ein tolles Gericht mit. Du gibst einfach nur das Thema vor und stimmst ab, wer was beisteuert – damit du nicht am Ende vor einem Berg von Desserts sitzt.
  4. Keine Weihnachtsrallye:
    Mittags Großeltern A, nachmittags Tante X und am nächsten Tag Großeltern B und Großtante Y – Schluss damit. Wer dich und deine Familie sehen will, muss schon selber kommen. Wohnt die Verwandtschaft weiter weg, wird sie im jährlichen Wechsel besucht. Harmoniebegabte können auch die gesamte Sippschaft an einem Tag einladen – und sich am nächsten Tag ein üppiges Entspannungs- und Verwöhn-Programm gönnen.
  5. Krisengipfel vor dem Fest:
    Nur Friede, Freude, Honigkuchen gibt es nicht, schon gar nicht an Feiertagen. Wenn schon im Vorfeld dicke Luft herrscht, bringst du besser alle Familienmitglieder zusammen und schaffen reinen Tisch – das reinigt die Atmosphäre.
  6. Frischluft für alle:
    Viel Essen, wenig Bewegung – das macht schlaff, träge und schlägt auf die Stimmung. Scheuche deinen Ihre Lieben nach dem Essen erst mal an die frische Luft (du kannst dich natürlich auch drücken und in Ruhe ein Nickerchen halten).
  7. Schenken beschränken:
    Was schenkt man Menschen, die schon (fast) alles haben? Statt mehrere Tage im Internet oder in Geschäften zu verbringen, schlägst du vor, dass jeder (Kinder ausgenommen) nur ein Geschenk besorgt, das einen bestimmten Preis nicht überschreiten darf. Alle Geschenke kommen in einen großen Sack und dann wird gewichtelt.
  8. Gutes tun:
    Ihr könnt auch ganz auf Geschenke verzichten (gilt natürlich nicht für die Kinder) und das gesparte Geld stattdessen für einen guten Zweck spenden, den ihr alle gemeinsam auswählt.
  9. Bedürftige einladen:
    Beim Fest der Liebe sollte keiner außen vor bleiben. Bestimmt gibt es auch in Ihrem Umfeld Menschen, die an den Feiertagen einsam sind – lade sie doch einfach ein. Das kann Weihnachten ungemein bereichern. Wenn du persönlich keine einsame Seele kennst, sprich doch mal mit dem Pfarrer deiner Gemeinde.
  10. Nichts wie weg?
    Keine Lust mehr auf Familientreffen unterm Weihnachtsbaum? Wer dem Festtagstreiben zu Hause jetzt noch entfliehen will, muss sich beeilen und auf die allerletzten Last-Minute-Angebote hoffen. Aber vielleicht habst du ja eine Anregung gefunden, wo es nächstes Jahr hingehen könnte. Dann kannst du jetzt in aller Ruhe schon einmal mit der Planung starten.

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