Fruchtzwerge und Co

Kinderlebensmittel: nützlich oder überflüssig

Muss es die Kinderschokolade, Kindercola und Kinderwurst sein? Nicht alles, bei dem Kind draufsteht, ist auch gut für Kinder. urbia zeigt Fallen in der Werbung.

Autor: Marianne Rudischer
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Brauchen Kinder spezielle Lebensmittel

Maedchen Junge Terrasse Abendbrot
Foto: © panthermedia/ Torsten Tracht

Kinder-Tee,-Schokolade, -Joghurt, -Cola, -Brötchen, -Bonbons, -Wurst: Diese Aufzählung läßt sich noch um zahlreiche andere Lebensmittel erweitern. Werbestrategen haben einen Markt entdeckt, der hohe Zuwachsraten verspricht: sogenannte Kinderlebensmittel. Wie Pilze sprießen sie aus dem Boden und zielen auf Kinder und Eltern gleichermaßen ab. Aber brauchen Kinder wirklich spezielle Lebensmittel?

Viele Eltern glauben, dass Kinderlebensmittel besonders gut sind. Kein Wunder, denn die Vorzüge der Produkte werden in den höchsten Tönen angepriesen. Da sind z. B. ”alle lebenswichtigen Vitamine” enthalten oder es wurde ”mit Calcium angereichert”. Auch der Hinweis ”mit viel Milch” findet sich auf so manch einer Verpackung. Meistens enthalten diese Produkte jedoch keinen Tropfen Vollmilch, sondern sind lediglich mit Magermilchpulver, gezuckerter Kondensmilch oder Molkenpulver hergestellt.

Die Werbestrategie für Kinderlebensmittel zielt bei den Eltern auf das Gesundheitsbedürfnis und die Verantwortung für eine gesunde Ernährung ihrer Kinder ab. Die Kinder hingegen werden durch optische Reize wie bunte Verpackungen angelockt, die häufig Sammelbilder, Aufkleber oder Plastikspielzeug enthalten. Auch die kleinen Portionen sprechen Kinder besonders an.

Werbung für Lebensmittel dient, wie bei allen anderen Waren, in erster Linie absatzorientierten Zwecken. Das ist die Funktion der Werbung und durchaus legitim, denn der Hersteller will natürlich seine Produkte verkaufen. Auch bei Kinderlebensmitteln steht das wirtschaftliche Interesse im Mittelpunkt und nicht die Gesundheit der Kinder.

Werbung vermittelt gezielte Informationen, die möglichst positiv dargestellt werden. Negative Gesichtspunkte werden häufig nicht genannt oder nur am Rande sehr vage angedeutet. Das erschwert Verbrauchern eine sachliche Überprüfung und ggfs. den Vergleich mit anderen Produkten.

Vitaminiertes Salatdressing und Multivitaminwurst

Was ist von der gesundheitsbetonten Werbung für angereicherte Lebensmittel zu halten? Das Forschungsinstitut für Kinderernährung hat einmal im Raum Dortmund eine Untersuchung über angereicherte Lebensmittel durchgeführt und insgesamt 288 nährstoffangereicherte Lebensmittel von 78 verschiedenen Herstellern vorgefunden. Die Produktpalette reichte von angereicherten Erfrischungsgetränken, Bonbons, Marmelade, Joghurt, Wurst (Multivitaminwurst!), Müsli bis hin zum kakaohaltigen Instantpulver und vitaminierten Salatdressing.

Etwa die Hälfte der Produkte aus dem Gesamtsortiment und der größte Teil der Kinderlebensmittel enthielt, unabhängig von der Anreicherung mit Nährstoffen, auch noch Zuckerzusätze. Somit werden ernährungsphysiologisch nicht empfehlenswerte Lebensmittel durch die Nährstoffanreicherung scheinbar aufgewertet.

Die angereicherte Menge pro Portion wurde mit der jeweiligen empfehlenswerten Tagesdosis verglichen. Danach waren die Anreicherungsmengen von Produkt zu Produkt und innerhalb einer Produktgruppe sehr unterschiedlich. Nicht selten waren Anteile von mehr als 100 Prozent der empfohlenen Tagesdosis in einer verzehrs-üblichen Portion der Tagesdosis eines Nährstoffes.

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung bemerkt hierzu, dass mit der derzeitigen Nährstoffanreicherung die besonderen Belange der Kinder völlig unzureichend berücksichtigt bleiben. Viele der sogenannten Kinderlebensmittel sind außerdem stark verarbeitete Produkte und haben mit den ursprünglichen Lebensmitteln nur noch wenig gemeinsam. Und nicht zuletzt sind sie auch oft genug noch teurer!

Ausgewogene Mischkost viel gesünder

Kinder brauchen für eine gesunde Ernährung keine besonderen Lebensmittel. Kinderlebensmittel enthalten oft viel Zucker und/oder Fett und können somit Wegbereiter für Übergewicht sein. Eine abwechslungsreiche, optimierte Mischkost enthält alle Nährstoffe, die Kinder benötigen. Selbstverständlich müssen Eltern selbst entscheiden, ob sie Kinderlebensmittel kaufen. Aber bei unserem vielseitigen Lebensmittelangebot kann auf angereicherte Lebensmittel verzichtet werden. Sinnvoller ist die richtige Zusammenstellung der Grundlebensmittel. Ab dem ersten Geburtstag können Kinder am normalen Familienessen teilnehmen und für ”zwischendurch” sind Obst, Joghurt, Brot und Rohkost, wie z.B. Möhren oder Kohlrabi zum Knabbern, gesünder.


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