Erfahrungsbericht und sieben Tipps

Typisch Mann - und unfruchtbar

Als Christian Eigner erfuhr, dass er nur eingeschränkt fruchtbar ist, brach für ihn eine Welt zusammen. Dann beschloss er, für ein eigenes Kind zu kämpfen. Mit allen Mitteln. Heute ist er Vater einer Tochter und froh, dass seine Frau ihm half, die Sturheit in die richtigen Bahnen zu lenken.

Autor: Christian Eigner
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Kinderwunsch ade

Christian Eigner
Foto: © Christian Eigner

Das war's dann wohl. Schicht im Schacht. Ende Gelände. Ich weiß nicht mehr genau, was mir durch den Kopf ging, als mir die Urologin eröffnete, dass ich kaum würde Kinder zeugen können. Zu wenige normal geformte Spermien, zu wenige „Geradeausschwimmer“. Ich weiß nur noch, dass ich vor dem Schreibtisch dieser Frau saß, aus weiter Ferne ihre Stimme hörte und das Gefühl hatte, frontal gegen eine Wand gelaufen zu sein.

Das war es also schon gewesen mit meinem Kinderwunsch. Adieu, Familienleben! Erst Studium, dann Job und Heirat, schließlich Kinder – netter Versuch. Mein Plan A würde nicht aufgehen. Schlimmer noch: Es gab keinen Plan B. Zumindest konnte ich in meinem Kopf keinen finden. Ohne Kinder leben? Hatte ich mir noch nie vorstellen können. Adoption? Kam mir vor wie ein fadenscheiniger Ersatz. Auf den „Glücksschuss“ hoffen, wie die Ärztin empfahl? Dann lieber gleich Lotto spielen.

Ich fühlte mich ohnmächtig, auf dem falschen Fuß erwischt – und vom Schicksal betrogen. Wenn das Zeugen von Kindern ein solches Vabanque-Spiel war, dann hätte mir das doch jemand sagen müssen!

Sind unfruchtbare Männer überhaupt Männer?

Jetzt stand ich da wie Pik sieben. Nicht, dass ich mich sonderlich über meine Lendenkraft definiert hätte. Auch männliche Stereotype à la Dominanz, Karrierestreben und Ernährerrolle waren nie mein Ding gewesen. Doch als Weichei, als  Softie und Versager wollte ich auch nicht gelten. Ich wollte Kinder, verdammt! Für einen Moment stellte ich mir die Frage, ob unfruchtbare Männer überhaupt Männer waren – um mir kurz darauf zu attestieren, nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben.

In den ersten Tagen nach der Diagnose hatte ich oft das Bild eines alten, knorrigen Astes vor Augen, den die Natur dazu bestimmt hatte zu verdorren. Dabei war ich erst 35! Eigentlich sollte doch jetzt das richtige Leben anfangen. Ich taumelte herum wie ein angeknockter Boxer und konnte von Glück reden, dass meine Frau mich auffing. Sie hatte sich nach meinem Arztbesuch alles angehört, mich in den Arm genommen und war mit mir essen gegangen – einen Liter Chianti inklusive. „Lass' Dich bitte nicht hängen“, bat sie auf dem Heimweg. „Wenn ich bei Männern mit etwas nicht klarkomme, dann ist es Selbstmitleid.“ Danach hatten wir das Thema erstmal auf die lange Bank geschoben, bis ich wieder denken konnte.

Ein Plan muss her

„Lass' es uns doch mal mit künstlicher Befruchtung versuchen“, sagte ich eines Abends, frischen Mutes. „Ich habe im Internet gelesen, dass das auch mit schlechtem Sperma geht.“

„Das ist wieder einmal typisch Mann“, antwortete sie. „Wir haben doch gar keine Ahnung, was uns da erwartet.“

Das stimmte – die Risiken hatte ich irgendwie verdrängt. Mein Plan kam mir selbst überstürzt und unausgegoren vor, aber ich wollte meine eigene Unzulänglichkeit so schnell wie möglich aus der Welt schaffen. Schnell weitermachen statt zu warten und an mir zu zweifeln.

„Ich verstehe Dich ja“, sagte Isabella. „Aber etwas derart Wichtiges kann man doch nicht zwischen Tür und Angel beschließen. Außerdem solltest Du wirklich mal über Adoption nachdenken.“
„Das kann ich nicht“, erwiderte ich. Mein Kopf fühlte sich an wie vernagelt.

Ein Kind ist mein größter Wunsch

Trotzdem begriff ich, dass es nicht schnell gehen würde, vor allem nicht ohne miteinander zu reden. Also redeten wir. Wie wichtig waren uns Kinder wirklich? Waren wir bereit, Zeit, Mühe und Geld dafür zu investieren? Was, wenn es nicht klappte? Pro und Kontra, Hin und Her, Für und Wider. Immer wieder reden, stunden- und abendelang – bis wir alles abgeklopft hatten: von gesundheitlichen Risiken über ethisch-moralische Fragen bis zur Höhe unserer Ersparnisse. Am Ende nickte Isabella: „Gut. Ich mache mit, wenn Du mir sagst, dass es Dein größter Wunsch ist.“ Ich weiß noch, dass ich die Augen schloss, tief Luft holte, und sagte: „Ja, ein Kind ist mein größter Wunsch.“

"Operation B.a.b.y" läuft an

Fortan wurde unser Leben zur „Operation B.a.b.y“. Wir suchten eine Kinderwunschpraxis auf, ließen uns beraten, durchchecken und schließlich Isabellas Eisprung hormonell auslösen. Dann hatten wir Sex nach Zeitplan. Nichts. Als auch zwei Inseminationen nicht fruchteten, bestand Isabella auf einer sechsmonatigen Denkpause, die mir fast übermenschliche Geduld abverlangte. Danach wechselten wir die Praxis, um unsere erste IVF in Angriff zu nehmen. Wieder ein Fehlschlag.

Längst hatte ich das Gefühl, in einer Parallelwelt unterwegs zu sein, in der es nur den ständigen Wechsel von Hoffnung und Enttäuschung gab. Allmählich stapelten sich in unserer Wohnung Einwegspritzen, Ampullen mit Hormonpräparaten, Lösungsmitteln und Blutverdünnern, Tabletten, Cremes und vieles mehr. Unser Kühlschrank sah zeitweise aus wie ein Medikamentenlager. Ganz zu schweigen von den Beipackzetteln mit ihren ellenlangen Listen möglicher Nebenwirkungen. Setzte sich Isabella die allabendlichen Hormonspritzen, sah ich zu, dass ich schnell das Bad verließ, bevor mir schwummrig wurde. „Typisch Mann“, tönte es dann nicht nur einmal durch den Türspalt.

Hoffnung in Österreich

Wir schafften es, die Kontrolle über unser Leben zu behalten. Isabella wusste, was in und mit ihrem Körper geschah – ich behielt Anträge, Kostenpläne und unseren Kontostand im Griff. Um auch in medizinischen Dingen mitreden zu können, wälzte ich im Netz Artikel über den weiblichen Zyklus, das Wunder des Lebens und Methoden der künstlichen Befruchtung. Was mich jedoch förmlich elektrisierte, war die Tatsache, dass in Ländern wie Österreich oder Tschechien in Sachen IVF viel mehr erlaubt ist als in Deutschland, wo das Gesetz bestimmte Therapieverfahren untersagt, was die Erfolgschancen mindert.

Wenn das so ist, dachte ich, warum sich dann mit einer 1b-Lösung zufriedengeben? Für mich stand sofort fest: Unseren nächsten Versuch würden wir in Österreich starten, in Bregenz, wo sich eine der renommiertesten IVF-Kliniken Europas befindet.  

Mein Kalkül ging auf und meine Frau biss an. Ein paar Monate später setzten wir uns unter einem Vorwand für eine Woche zur Behandlung nach Bregenz ab. Tatsächlich wurde Isabella dieses Mal tatsächlich schwanger. Doch dann nahm auch dieser Versuch ein schlimmes Ende: Nach ein paar Wochen verlor sie den Embryo wieder und wir fragten uns langsam, wie lange wir diese emotionale Achterbahnfahrt noch aushalten würden. Doch alle Befürchtungen waren Makulatur, als ein halbes Jahr später unser dritter Anlauf, wieder in Bregenz, klappte. Isabella behielt das Baby und seit 30. November 2008 sind wir Eltern einer Tochter.

Was bleibt am Ende? Natürlich unser Kind, für das ich jeden Tag dankbar bin. Das Gefühl, dass diese Zeit meine Frau und mich noch enger zusammengeschweißt hat. Und der Stolz, nicht aufgegeben zu haben und dafür belohnt worden zu sein. Auch wenn dieses Sieg-oder-Niederlage-Denken wahrscheinlich wieder „typisch männlich“ ist und alles hätte anders ausgehen können, gibt mir dieses Gefühl viel Kraft und Zuversicht für mein Leben.

7 Tipps für Männer, wenn es mit dem Kinderwunsch nicht klappt

  1. Lebe gesünder!
    Dass  Nikotin, zu viel Alkohol und Übergewicht die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen, ist durch Studien erwiesen. Das Gleiche sagt man u.a. exzessivem Radfahren, dem regelmäßigen Gebrauch der Auto-Sitzheizung und ständigem Arbeiten mit dem Laptop auf den Oberschenkeln nach. Wer all dies vermeidet und sich obendrein abwechslungsreich und vollwertig ernährt, tut bereits eine Menge für seine Fruchtbarkeit.
  2. Lass' Dein Sperma checken!
    Falls es trotzdem nicht klappt, sollten Männer zügig einen Urologen oder Andrologen aufsuchen. Ein Sperma-Check tut nicht weh, geht schnell und kann der Frau aufwändige Untersuchungen ersparen. Für das „Spermiogramm“ ist lediglich eine Spermaprobe abzugeben, die anschließend im Labor untersucht wird. Dabei spielen Anzahl, Konzentration, Form und Beweglichkeit der Spermien eine Rolle. Liegen die Werte über der jeweiligen WHO-Norm, ist alles okay – niedrigere Werte deuten dagegen auf eine eingeschränkte Fruchtbarkeit („Subfertilität“) hin.
  3. Steh' wieder auf!
    Zu glauben, Subfertilität sei unmännlich und ein Grund sich zu schämen, ist, mit Verlaub, Bullshit. Die Diagnose kann jeden treffen – bei rund 40 Prozent der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch liegt die Ursache beim Mann. Betroffene sind nicht allein – auch wenn sie sich so fühlen, weil kaum einer sich traut, über das Thema zu reden. Also: Raus aus dem Selbstmitleid und das Problem anpacken – daran zeigt sich, ob einer ein ganzer Kerl ist!
  4. Leg die Karten auf den Tisch!
    Auf den ersten Schreck folgen Fragen über Fragen. Die wollen nicht begrübelt, sondern beantwortet sein. Also: Wie soll es weitergehen? Will ich für ein eigenes Kind kämpfen? Kommt für mich ein Leben ohne Kinder oder eine  Adoption in Frage? Hat man das für sich klar, steht ein Gespräch mit der Partnerin an. Hier ist Aufrichtigkeit Trumpf: Wer Kosten und Mühen einer Kinderwunschbehandlung scheut, sollte das ehrlich sagen – aber auch genau zuhören, was die Frau dazu zu sagen hat. Liegt man in diesem Punkt dauerhaft über Kreuz, sind Konflikte programmiert – und oft die Partnerschaft in Gefahr.
  5. Steh' zu Deinem Wort!
    Haben beide Partner entschieden, sich ärztliche Hilfe zu suchen, ist das wie der Abschluss eines Vertrages. Man(n) sollte sich ab sofort daran halten! Läuft erst einmal die Fruchtbarkeitsbehandlung, sind absolutes Vertrauen und Teamwork gefragt. Die Hormone, die die Frau bekommt, können zu starken Stimmungsschwankungen und sogar Depressionen führen. Sie braucht in solchen Phasen keinen Zweifler und Nörgler, sondern eine starke Schulter!
  6. Reiß' Dich zusammen!
    Niemand findet es schön, in einen Becher zu ejakulieren oder Sex nach Zeitplan zu haben. Doch leider geht es oft nicht anders. Bei der Spermaabgabe in der Praxis helfen in der Regel einschlägige Heftchen oder Videos. Oft ist es auch möglich, daheim zu masturbieren und das Sperma dann zur Praxis zu bringen. Was den Sex nach der Uhr betrifft, kann es helfen, den Geschlechtsverkehr für eine bestimmte Zeit in „Vergnügen“ und „Fortpflanzung“ aufzuteilen oder sich ebenfalls „von außen“ stimulieren zu lassen.
  7. Kotz' Dich mal aus!
    Jeder Mann mit Zeugungsproblemen wird ab und zu von Frust und Selbstzweifeln  befallen. Doch die müssen nicht zwangsläufig mit der eigenen Partnerin wiedergekäut werden. Betroffene Männer sollten sich deshalb überlegen, wen von ihren Freunden o
    der Angehörigen sie einweihen, um sich ab und zu die Last von der Seele zu reden. Ist das nicht möglich, kann auch ein Familientherapeut helfen.


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