Unkraut jäten - aber gerne!

Gärtnern mit Kindern

An die Beete - fertig – los! Kinder sind meist leicht fürs Gärtnern zu begeistern. Und wer keinen Garten hat, zieht seine Pflanzen auf dem Balkon oder auf dem Fensterbrett. Das geht auch, wenn das Kind erst drei oder vier Jahre alt ist...

von Christiane Bertelsmann
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Maedchen im Garten

Naturkunde für Großstadtkinder

Natur anschaulich erleben

Max (4) platzt fast vor Stolz: „Hab ich selbst gesetzt“, sagt er und zeigt seiner Mutter zwei kleine schrumplige Kartoffeln. Die hat er im letzten Herbst in Opas Garten gesetzt, und jetzt sind sie reif. Natürlich gibt es zum Abendessen Pellkartoffeln mit Kräuterquark – eine Mini-Kinderportion nur, aber Max, der sonst Kartoffeln nur in Stäbchenform verzehrt, schmeckt’s wie selten.

Anschaulicher kann man Natur kaum erleben als beim Gärtnern. Gerade Großstadtkinder lernen zu begreifen, wie aus einem kleinen Samenkorn eine imposante Blüte oder ein dicker Kürbis wird. Auf spielerische Weise nähern sich Kinder der Natur und erfahren, dass Pflanzen Lebewesen sind, die wachsen und sich verändern – auch, wenn sie nicht lachen oder weinen können.

Unkraut jäten – aber gerne!

Wird es nicht zur routinemäßigen, lästigen Pflicht, können auch Unkraut jäten und Gras rechen Spass machen. Beim Jäten entdeckt man garantiert Regenwürmer, Schnecken, Käfer oder anderes Kleingetier. Und vielleicht springt sogar ein Heuhüpfer aus dem frisch gemähten Gras Gartenarbeit ist eine sinnliche Erfahrung. Hörst du, wie die Bienen summen, die Vögel singen? Fühlst du den Unterschied zwischen trockener und feuchter Erde? Riechst du, wie fein die Rose duftet? Schmeckst du den würzigen Geschmack der Kresse auf dem Butterbrot? Siehst du die vielen verschiedenen Grünstöne auf der Wiese? Kein Sinn, der hier nicht angesprochen wird. Wie nebenbei lernen Kinder bei der Gartenarbeit eine Menge über ökologische Zusammenhänge, über Jahreszeiten. Sie lernen Verantwortung und haben große und kleinere Erfolgserlebnisse. Wie lecker schmeckt die erste selbst gezogene Tomate! Wie schön blühen die Ringelblumen!

Gartenarbeit als Übung des praktischen Lebens

Es hat seinen Grund, weshalb die große Reformpädagogin Maria Montessori Blumen- und Gartenpflege zu den von ihr so benannten und für’s kindliche Heranwachsen unabdingbaren „Übungen des praktischen Lebens“ zählte. Zu sehen, wie sich eine Pflanze entwickelt, vom winzigen Keim bis zur tollen Blüte. Warten lernen. Zu beobachten, wie die Blüte in ihrer Knospe jeden Tag ein bisschen weiter wächst. Zu sehen, wie die Tomaten über Nacht rot geworden sind. Zu begreifen, dass eine Pflanze verdurstet und verdörrt, wenn man sie nicht gießt. Apropos gießen – nach Maria Montessori ist das eine der wichtigsten Übungen. Denn das punktgenaue Wässern und Absetzen der Kanne schult die Motorik und ist eine der wichtigsten Vorübungen zum Schreiben lernen.