Bakterien können unfruchtbar machen
Chlamydien: Die heimliche Epidemie
Gynäkologen schlagen Alarm. Bereits 10 Prozent aller 17jährigen Mädchen leiden an einer Chlamydieninfektion. Das Bakterium, das oft unentdeckt bleibt, kann Unfruchtbarkeit verursachen.
Schätzungsweise 100.000 Frauen bereits unfruchtbar
Zehn Prozent aller 17-jährigen Mädchen leiden an einer Chlamydieninfektion. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Berliner Untersuchung. "Die Zahlen sind alarmierend", mahnt Dr. Gisela Gille, Vorsitzende der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau e.V. (ÄGGF).
Nach den Sommerferien hat das vermeintlich harmlose Bakterium wieder Hochkonjunktur: Chlamydia trachomatis ist nicht lebensbedrohlich, nicht spürbar und bleibt bei zwei von drei Frauen unentdeckt. Das in Europa und den USA häufigste sexuell übertragene Bakterium gilt indes als Hauptverursacher infektionsbedingter Sterilität. Schätzungsweise 100.000 Frauen können bereits jetzt aufgrund einer abgelaufenen Chlamydieninfektion keine Kinder bekommen. "Doch sexuell übertragbare Krankheiten sind in Deutschland ein Tabuthema", kritisiert Gille. "Sie rangieren auf Platz eins der Peinlichkeitsskala". Darum gibt es hierzulande keine aussagekräftigen Daten über die Verbreitung der Infektion. Seit 1991 sind nur noch HIV-Infektionen und Syphilis meldepflichtig. Das Berliner Robert-Koch-Institut hat die Ärzteschaft daher um Mithilfe gebeten, nicht meldepflichtige sexuell übertragbare Krankheiten dennoch zu melden. Bei der ersten Auswertung steht die Chlamydieninfektion an erster Stelle von insgesamt 1.400 gemeldeten Erkrankungsfällen.







