Pubertät

Gemeinsame Unternehmungen mit der Familie sind plötzlich uncool, Mama und Papa sind peinlich und sowieso ist alles doof. Dabei war das Kind doch gestern noch ganz anders und alles schien normal. Das ist es jetzt auch immer noch, allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Die Pubertät hat begonnen.

Veränderungen in der Pubertät bei Mädchen und Jungs

Mädchen bekommen ihre erste Periode und ihre Brust wächst, Jungs haben ihren ersten Samenerguss, kommen in den Stimmbruch und bei beiden Geschlechtern sprießen Haare um die äußeren Geschlechtsorgane. Doch nicht nur äußerliche, sondern auch innerliche Veränderungen machen den Jugendlichen das Leben schwer. Wir alle kennen die charakteristischen Stimmungsschwankungen – am Morgen noch himmelhoch jauchzend, versinken sie schon einige Zeit später im Weltschmerz. Die Pubertät ist die Übergangsphase zwischen Kindsein und Erwachsensein und tritt in ihrer Hochphase zwischen dem 8. und dem 16. Lebensjahr auf, bei Jungs im Durchschnitt zwei Jahre später als bei Mädchen. Das Wort Pubertät stammt von dem lateinischen Wort pubertas und bedeutet Geschlechtsreife, denn in dieser Zeit bildet sich die Fortpflanzungsfähigkeit aus. Ein pubertierendes Kind bringt meist viel Trubel in das Familienleben, der Alltag wird für beide Parteien – Kind wie Eltern – zur Zerreißprobe und über jede Kleinigkeit wird oft stundenlang diskutiert. Die gute Nachricht dabei: Die Zeit der Pubertät ist nach ein paar Jahren überstanden und das Familienleben normalisiert sich. Bis es soweit ist, bekommen Eltern bei urbia wertvolle Tipps, wie sie der Pubertät ihres Kindes angemessen begegnen und das Verhalten ihres Kindes besser verstehen können.


Die Pubertät und ihre Phasen

Die Pubertät ist ein Abenteuer, das steht außer Frage. Wenn Kinder schon sehr früh beginnen, sich anders als gewohnt zu verhalten, ist das nicht unbedingt ein Grund zur Sorge, sondern womöglich das erste Anzeichen der einsetzenden Pubertät. Diese wird nämlich in drei Phasen eingeteilt, von denen die erste, die Vorpubertät, meist schon gegen Ende der Grundschulzeit beginnt. Ihr folgt die Hochphase und in der Spätpubertät ist das Schlimmste bereits überstanden.

Ein typisches Zeichen der Vorpubertät besteht darin, dass Kinder sich plötzlich zurückziehen und eine neue Eigenständigkeit entwickeln. Vielleicht verbringen sie mehr Zeit allein in ihrem Zimmer und wirken ein wenig eigenbrötlerisch. Häufig ist körperlich noch nichts zu sehen, doch das bisher eigentlich pflegeleichte Kind entwickelt sich plötzlich zur Kratzbürste. Diese Phase beginnt in etwa mit dem 10. Lebensjahr. Erziehungsexperte Jan-Uwe Rogge zieht zur Veranschaulichung den Hummer heran, der ebenfalls eine Art Pubertät erlebt. Um wachsen zu können, muss der „pubertäre“ Hummer sich immer wieder häuten und einen neuen Panzer ausbilden. In der panzerlosen Phase ist er sehr verletzlich und zieht sich zum Schutz auf den Meeresboden zurück. Der Meeresboden der Kinder ist in Rogges Vergleich das Kinderzimmer. In der Pubertät verhalten Jungs und Mädchen sich unterschiedlich: Mädchen, bei denen die Pubertät ohnehin früher eintritt, leben ihre Stimmungsschwankungen meist heftiger aus als Jungs. Sie kichern mit Freundinnen und schwärmen mit ihnen für Jungs aus dem Freundeskreis oder Stars. Bei Jungs hingegen fällt ein gesteigerter Bewegungsdrang auf. Ihre Energie lassen sie nicht selten bei Rangeleien mit Gleichaltrigen aus oder messen ihre Kräfte beim Sport.

Die erste Menstruation beziehungsweise der erste Samenerguss markiert das Ende der Vorpubertät und den Beginn der Hochphase der Pubertät. Sie kann als die eigentliche Pubertät betrachtet werden: Es kommt zu gravierenden körperlichen, sozialen und emotionalen Prozessen. Bis die Jugendlichen begreifen, was mit ihrem Körper passiert und dass sie sich zu Erwachsenen entwickeln, können vor allem die körperlichen Veränderungen sie anfangs noch verunsichern. Zudem wächst das Interesse am anderen Geschlecht, erste sexuelle Erfahrungen werden gesammelt. Dadurch gewinnen die Themen  Aufklärung und Verhütung an Bedeutung. Eltern haben in dieser Phase oft das Gefühl, nicht zu ihren Kindern durchzudringen, da diese alles am liebsten mit ihren Freunden besprechen. Für die Teenager ist es allerdings ein wichtiger Abnabelungsprozess und bedeutet keinesfalls, dass die Eltern an Bedeutung verlieren. Mit zunehmendem Alter werden sie wieder zu wichtigen Vertrauenspartnern.

Mit dem Einsetzen der Spätpubertät, der letzten Phase der Pubertät, im Alter von etwa 16 Jahren, ist das Gröbste überstanden. Diese Phase dauert meist bis zum 18. Lebensjahr, manchmal endet sie aber auch erst mit Anfang 20. Auch jetzt kann es noch zu Konflikten kommen, allerdings sind die Jugendlichen im Idealfall bereits in ihre neue Rolle als junge Erwachsene hineingewachsen und die Eltern akzeptieren ihre Eigenständigkeit. Eine freundschaftliche Beziehung entwickelt sich.

Typische Konflikte in der Pubertät

Dass die Pubertät Probleme und Meinungsverschiedenheiten zwischen Eltern und Kindern mit sich bringt, ist völlig normal. Jede Familie mit Teenagern muss sich diesen Konflikten stellen. Schluchzen, Türenknallen und gegenseitige Anschuldigungen gehören zum Alltag. Unzählige Ratgeber zu diesem Thema stapeln sich Jahr für Jahr in den Buchhandlungen. So unterschiedlich die kulturellen und sozialen Hintergründe der Familien auch sind, so sehr ähneln sich doch ihre Streitigkeiten. Für Eltern, die ein pubertierendes Kind zu Hause haben, gilt: Die Probleme sind ganz normal und für jeden Konflikt findet sich eine Lösung.

  • Liebeskummer: Das erste Mal verliebt, der erste Kuss, vielleicht sogar der erste Sex – die erste Liebe ist für Teenager eine besondere Erfahrung. Alles ist neu, unbekannt und aufregend. Zum ersten Mal verliebt zu sein gehört zu den Zeichen der beginnenden Selbstständigkeit und es ist völlig normal, dass Kinder ihren Eltern nicht gleich von ihren Gefühlen berichten – auch wenn das Verhältnis ansonsten offen und positiv ist. Wenn die Schmetterlinge im Bauch beginnen zu flattern, denken die Heranwachsenden, dass dieser Zustand für immer hält und nichts die junge Liebe zerstören kann. Darum tut der erste  Liebeskummer auch besonders weh – noch fehlt ihnen die Erfahrung und das Wissen, dass es vorbeigehen wird. In solchen Situationen sollten Eltern ihrem liebeskranken Kind zuhören und versuchen, dessen Perspektive einzunehmen, ohne Floskeln wie „es ist doch alles halb so schlimm“ zu gebrauchen. Wie war das damals bei einem selbst? Was hätte man selbst hilfreich gefunden? Die Erfahrungen, die man über die Jahre gesammelt hat, können auch dem eigenen Kind von Nutzen sein. So kann der Teenager aus dem Herzschmerz gestärkt und mit neuem Selbstbewusstsein hervorgehen.
  • Falsche Freunde: In der Pubertät grenzen sich Kinder häufig von ihren Eltern ab und suchen bei Gleichaltrigen nach Verständnis und Zugehörigkeit. Da sie sich selbst noch in der Findungsphase befinden, können sie dabei auch an falsche Freunde geraten, die ihnen nicht guttun. Möglicherweise finden sich Zigaretten und Alkohol im Kinderzimmer. Eltern sollten in einem solchen Fall nicht den Kopf verlieren, sondern zuerst mit ihrem Kind sprechen und herausfinden, was es so reizvoll an den neuen Freunden findet: Das offene Gespräch signalisiert Vertrauen in das Urteil des Kindes. Vielleicht relativiert sich die Sorge und es stellt sich heraus, dass man die Situation völlig falsch bewertet hat. Es könnte außerdem ratsam sein, sich an einen alten Freund des Kindes zu wenden und diesen zu bitten, mit ihm zu reden – in der Pubertät haben Kinder zu Gleichaltrigen meist mehr Vertrauen. Letztendlich schützt eine liebevolle und kommunikative Vertrauensbeziehung, in der sich Jugendliche verstanden fühlen, am effektivsten gegen schlechten Umgang.
  • Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen: In der Pubertät verändern sich Mädchen und Jungs äußerlich enorm, und das innerhalb kurzer Zeit. Für Teenager ist diese Veränderung sehr aufregend, schließlich entwickeln sie sich vom Kind zum Erwachsenen. Da der Prozess aber ungewohnt ist, kann er auch verunsichern. Gerade Mädchen sind in dieser Zeit oft unzufrieden mit ihrem Aussehen, träumen vom perfekten Körper und vergleichen sich mit ihren Freundinnen. Kommt noch das oft unrealistische, in den Medien verbreitete Körperbild hinzu, steigt zum Beispiel die Gefahr von Essstörungen. Doch auch Jungs fühlen sich unter Druck gesetzt und trainieren übermäßig viel, um vermeintlich fehlende Muskelmasse aufzubauen. Als Eltern von Teenagern sollten Sie Ihrem Kind immer deutlich machen, dass das Idealbild, dem es hinterherjagt, nicht gesund ist und die Stars häufig so stark retuschiert sind, dass sie nicht dem realen Bild entsprechen. Die wichtigste Botschaft, die ein Kind während dieser Phase von seinen Eltern braucht, ist „So, wie du bist, bist du genau richtig und von uns geliebt". Diese Aussage, bezogen auf den Körper sowie die Persönlichkeit, hilft Jugendlichen in der Pubertät, Selbstbewusstsein aufzubauen und mit sich selbst zufrieden zu sein.

Bei allem Trubel, den die Pubertät mit sich bringt, sollten Eltern niemals vergessen, dass es sich um eine vorübergehende Phase handelt. Das Wichtigste ist, nicht den Kopf zu verlieren und die Streitkultur in der Pubertät als normalen Teil der kindlichen Entwicklung zu akzeptieren. Denn für die Kinder ist die Zeit genauso schwierig. So trotzig pubertierende Teenager auch sind, gerade jetzt profitieren sie von einem verständnisvollen und gelassenen Erziehungstil ihrer Eltern.

Alle Artikel der Kategorie Pubertät ...

Noch nicht gefunden, was Sie suchen?