Was jungen Eltern gar nicht hilft

Sieben Sünden nach der Geburt

Wenn ein Baby da ist, rennen Verwandte und Bekannte den frisch gebackenen Eltern oft geradezu die Bude ein. Eigentlich ganz falsch an diesen ersten hochsensiblen Tagen. urbia zeigt, was der jungen Familie wirklich hilft.

Autor: Petra Fleckenstein
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...und ein kleiner Knigge für Freunde und Verwandte

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Foto: © Fotolia / timonko

Wann kannst du todsicher damit rechnen, dass dein Freundeskreis sprunghaft auf das Doppelte anwächst? Richtig, wenn du im Lotto gewonnen hast oder nach 20 aufregenden Stunden im Kreißsaal maßlos erschöpft ein neugeborenes Bündel in den Armen hälst.

Denn, wie durch ein Wunder: Nicht nur deine Eltern, Geschwister, Freunde, Nachbarn, der Brötchenverkäufer, selbst deine Cousine, mit der du dich wegen eines Krachs über die richtige Katzenpflege seit fünf Jahren nicht getroffen hattest, vibrieren vor Begeisterung und Enthusiasmus für das Baby. Die Folge: Dein Telefon steht nicht mehr still und deine Wohnung mutiert zum Call-Center für Neugierige, die sich rund um die Uhr nach Größe, Gewichtszunahme und Anzahl der Bäuerchen des neuen Erdenbürgers erkundigen.

Aber ist es wirklich das, was junge Eltern, die gerade in eine neue Lebensphase eintreten, brauchen? urbia verrät die sieben Todsünden im Umgang mit frisch gebackenen Eltern und wie du der jungen Familie wirklich unter die Arme greifen kannst.

Ist das Baby schon da?

Ihr wollt die ersten sein, die gratulieren. Stündlich ruft ihr im Krankenhaus an und kommt am Telefon direkt zur Sache: "Ist das Baby schon da?"

Ganz falsch! Frauen in den Wehen und ihren Partnern tut es gut, ganz bei der Sache zu sein, zu entspannen, zu sich zu kommen und einfach Ruhe zu haben. Wenn es soweit ist und sie ihre Freude gerne in die Welt hinausposaunen wollen, werden sie sich schon melden. Also: Abwarten und Tee trinken!

Wir kommen gleich mal kurz vorbei

Ihr habt erfahren, dass das Baby eurer Freunde da ist. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Das Geschenk für das Kleine schon in der Hand, ruft ihr nur eben kurz an, um euer Kommen anzukündigen.

Bitte nicht! Wenn ein Baby gekommen ist, braucht die junge Familie unbedingt Zeit, sich aneinander zu gewöhnen und die ganz neue Situation zu verdauen. "Eine Woche kein Besuch", empfiehlt die Kölner Hebamme Andrea Wehling Frauen im Wochenbett. Das beste, was ihr jetzt für die frisch gebackenen Eltern tun könnt: Signalisiert ihnen, dass ihre gerne bereit seid zu warten. Und dass ihr dann irgendwann, wenn es passt, gerne kurz zum Gratulieren kommen würdet.

Gibt's auch was zu essen?

Ihr seid nach einer Woche zur Baby-Besichtigung eingeladen. Die jungen Eltern bieten euch Kaffee an, aber keinen Kuchen. Höflich erkundigt ihr euch, ob es vielleicht auch eine Kleinigkeit zu essen dazu gibt.

Bloß nicht! Wenn ihr zu frisch gebackenen Eltern geht, erkundigt euch vorher, was ihr zu essen mitbringen könnt oder überrascht das Paar einfach mit einer Leckerei. Junge Eltern sollten nicht auch noch damit belastet werden, ihre zahlreichen Besucher zu bewirten. Also: Lasst euch nicht bedienen und geht nach einer Stunde wieder. Es sei denn, das Paar fordert euch ausdrücklich auf, länger zu bleiben.

Ja nicht andauernd stillen und rumtragen

Während eures Besuchs beobachtet ihr genau, wie die jungen Eltern mit ihrem Baby umgehen und lassen sie teilhaben an eurem reichen Schatz an Erfahrungen mit Kindern. Bloß nicht andauernd stillen und ruhig mal schreien lassen und ja nicht dauernd rumtragen sind einige eurer gut gemeinten Ratschläge.

Unangebracht! Es gibt wenige Situationen im Leben, in denen Menschen mit so vielen unterschiedlichen Ansichten darüber konfrontiert werden, wie alles richtig zu machen ist, wie in der ersten Zeit mit Baby. Lasst die jungen Eltern selbst herausfinden, was für sie und ihr Baby das richtige Maß ist. Haltet euch mit Kritik zurück und unterstützt das frische Elternpaar vielleicht einfach mit Verständnis und Lob.

Passen Dir Deine Hosen schon wieder?

Vor drei Wochen haben eure Freunde ein Baby bekommen und ihr seid gerade zu Besuch. Dabei fällt euch auf, dass die Mutter des Kindes ein paar Pfunde mehr auf den Rippen hat als zuvor und noch dazu unvorteilhaft in Schlabberklamotten gekleidet ist. Darum wollt ihr wissen: "Passen dir deine Hosen schon wieder?"

Keine gute Idee! Was Mütter kurz nach der Geburt nicht gebrauchen können, sind kritische Kommentare über ihr Aussehen. Erstens hat der kleine Kerl ihr ganzes Leben durcheinander gewirbelt, seit Wochen gab es keine drei Stunden Schlaf am Stück, und das Stillen ließ ihren Busen auf Größe XXL anschwellen. In dieser Situation wie Andie McDowell auszusehen, ist absolut unnötig. Viel wichtiger: Bequeme Kleidung tragen, sich gut ernähren, sich Ruhe gönnen, wohl fühlen. Bloß keine Panik, wenn die Haare ausfallen und das Cocktailkleid nicht mehr passt. Gib dir ein Jahr Zeit, bis sich dein neues Leben eingespielt hat.

Kommt ihr mit zum Konzert?

Das Baby eurer Freunde ist schon fünf Wochen alt. Zeit, wieder zum Alltag überzugehen. "Kommt ihr morgen mit zum Open Air-Konzert", fragt ihr abends um 23 Uhr telefonisch an. Auf die Absage reagiert ihr ungehalten und sagt den jungen Eltern, mit ihnen sei nichts mehr los.

Vorsicht! Habt Verständnis, wenn eure Freunde vielleicht keine andere Ausrede haben als die, dass sie einfach zu müde sind. Habt ihr euch eigentlich überlegt, wer in dieser Zeit auf das Baby aufpassen soll? Macht doch einfach beim nächsten Mal folgenden Vorschlag: "In einer Woche spielen die Wise Guys, wenn ihr gerne mal was nur zu zweit machen möchtet, passe ich an dem Abend auf Euer Baby auf." Ja, das ist möglich, auch während der Stillzeit. Handys und abgepumpte Muttermilch im Fläschchen machen es möglich, auch stillenden Müttern mal ein paar Stunden sorgenfreie Auszeit zu verschaffen.

Wann können wir endlich wieder mal in Ruhe telefonieren?

Du hast es gerade zu Hause gemütlich und verspürst Lust, mal wieder ausgiebig zu klönen. Du rufst bei deiner Freundin an, die vor sechs Wochen ein Baby bekommen hat. Sie stillt gerade und muss danach ihr Baby wickeln. Du signalisierst, dass dir das nichts ausmacht, ihr könnt ruhig trotzdem telefonieren. Als deine Freundin kurz angebunden ist, fühlst du dich verletzt.

Stopp! Was Eltern von Babys nicht gebrauchen können, ist Druck und Unverständnis. Beim Stillen telefonieren bringt meist zu viel Unruhe in diese schönen Momente, und sich beim Wickeln gleichzeitig auf die Sorgen der Freundin zu konzentrieren macht auch wenig Sinn. Habe Verständnis, wenn für lange Telefonate wie früher vorerst keine Zeit ist. Frage, wann die Zeit zum Telefonieren günstig ist und ob die Mutter überhaupt Lust und Energie für lange Telefonate hat. Vielleicht schreibst du zur Abwechslung mal eine E-Mail oder einen Brief. Post zu empfangen tut auch jungen Eltern gut.


Und die Moral von der Geschicht

Die Kölner Hebamme Andrea Wehling, die seit vielen Jahren Paare vor, während und nach der Geburt begleitet, beobachtet immer wieder, dass frisch gebackene Eltern sich selbst überfordern, aber auch von der Umwelt zu wenig Unterstützung und Verständnis erhalten. Häufige Folgen: Milchstau, Krankheiten, Erschöpfungszustände. Ihre Anregung: "Wir brauchen wieder eine Wochenbettkultur."

Überlege dir, wie du die jungen Eltern in den ersten Wochen umsorgen und unterstützen kannst, vielleicht indem du mal für sie einkaufst oder kochst. Und wenn du gerade ein Baby bekommen hast: Setze dich nicht unter Leistungsdruck und nimm jede mögliche Hilfe an. Mindestens sechs Wochen lang!

 

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